Zwischen Stars und Cosplayern: So war es auf der German Comic Con

dzGerman Comic Con

Etwa 40.000 Freunde von Comic- und Filmfiguren haben am Wochenende das Fantreffen „German Comic Con“ besucht. Eine Radiomoderatorin erklärt, warum das besser ist als Karneval.

Dortmund

, 03.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Schon am Samstag kurz nach zehn ist die Hütte voll. In Scharen stehen die Gäste mit normalem Tagesticket (30 Euro) vor Halle fünf und warten, dass es endlich losgeht. Besucher mit VIP-Pass (ab 115 Euro) dürfen schon seit einer Stunde rein.

In den Schlangen stehen und gehen viele Menschen, die aufwendig gestaltete Kostüme ihrer Lieblingsfiguren aus Kino und Comic tragen. Unzählige Charaktere aus Star Wars, aber auch Supermänner, Helden aus der Fantasyserie „Game of Thrones“ oder aus japanischen Anime-Serien sind dabei.

Symbiose mit dem Kostüm

Nina (16) macht im Spiderman-Dress eine gute Figur. Die erste Stunde ist noch nicht vorüber, da ist Bugsy Beckmann schon ordentlich ins Schwitzen geraten. Mit seinem Kumpel Michael (46) und seiner Frau Illy (34) ist der 41-Jährige aus Drochtersen bei Stade angereist – im selbstgeschneiderten Outfit von „Rocket Raccoon“, einer Comicfigur aus der Welt des Verlags Marvel.

„Die Einzelteile stammen alle vom Flohmarkt, und ich habe sie zusammengefügt“, schmunzelt Bugsy. Sogar die Rückleuchte eines alten Golf 5 hat er im Brustpanzer verbaut. Ist das nicht ein bisschen zu warm, den ganzen Tag? „Nach einer Stunde geht man quasi eine Symbiose mit dem Kostüm ein“, lacht der Niedersachse. „Dann fühlt man sich nur noch wohl.“

Begehrte Sammlerstücke

Wohlfühlen, das ist ein gutes Stichwort bei diesem Fantreffen, das sein Vorbild in einer großen Convention im kalifornischen San Diego hat. Selbst bei muskelbepackten Kerlen, die auf ziemlich hart machen, leuchten die Augen, wenn sie an einem der unzähligen Stände eine lang gesuchte Sammelfigur finden – oder eine DVD, nach der sie schon lange gefahndet hatten.

Auch wenn viele Menschen kostümiert über die Messe gehen: Wer im Stars-Wars-Kostüm aufläuft, dem ist große Aufmerksamkeit gewiss. Marcus (24) aus Wolfsburg schlendert mit Anne (27) aus München durch Halle 7. Er als „Sturmtruppler“ in weißer Rüstung, sie als Rey, einem der Hauptcharaktere aus der neuen Reihe der Filme.

Auch Markus hat sich seine Rüstung aus weißem Kunststoff selbst gezimmert. „Beim Schleifen, Spachteln und Lackieren kam mir meine Berufserfahrung als Mechatroniker schon zugute“, lacht der Wolfsburger. Das Kriegeroutfit war auch seine Eintrittskarte zur „German Garrison“, dem großen Kostümfest der Star-Wars-Freunde. „Ohne perfektes Kostüm kommst du da gar nicht rein.“

Marcus und Anne biegen in den nächsten Gang ein, da kreischt es auch schon laut von der Seite. „Star Wars!“, ruft die elfjährige Nina aus Euskirchen und bittet nett um ein Foto. Gemeinsam mit Schwesterchen Emily (9). Mama Jenny (33) und Papa Enrico Hornemann (36) sind schon früh morgens mit ihren Mädels in Euskirchen gestartet. „Wir waren noch nie auf solch einem Fantreffen“, sagt die Mama. „Das ist doch echt mal was anderes.“

Nach dem Foto mit den Sternenkriegern geht’s gleich weiter zum „Slimefest“ des Kindersenders Nickelodeon. Dort warten Pietro Lombardi, Mike Singer und das bekannte Brüderpaar „Die Lochis“, um Autogramme zu geben und für weitere Fotos zu posieren.

Viele Stars sind dabei

Stargäste im Bühnenprogramm sind Gwendoline Christie und Lena Headey („Game of Thrones“) sowie Steven Seagal („Alarmstufe Rot“) und Cody Saintgnue („Teen Wolf“). Auch Chuck Norris („Walker, Texas Ranger“) ist tatsächlich nach Dortmund gekommen.

Frauke und Jörg Böckenhauer aus Rheine haben sich im Imbissbereich von Halle 7 erst mal niedergelassen und blicken auf das bunte Treiben. „Wahnsinn, die Kostüme sind alle so liebevoll hergerichtet“, sagt Frauke, Radiomoderatorin bei Radio RST im Münsterland. „Irgendwie auch schöner als Karneval, ich muss hier nicht helau schreien.“

Die Familie ist Eric (12) zuliebe nach Dortmund gereist, der wie sein bester Kumpel Tim (11) Comic-Fan ist. „Spiderman und eh alles von Marvel“, sagt Eric.

Fantasy, Kostüm- und Kaufrausch – hat das eigentlich noch irgendwas mit Advent zu tun? Sternenkrieger Markus: „Wir gehen manchmal mit unseren Rüstungen ins Kinderhospiz. Wenn dann die Augen dieser kleinen Menschen, die nicht mehr lang zu leben haben, aufblitzen, dann wird es mir immer ganz warm ums Herz.“

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