Zu früh eingeebnetes Grab wartet auf seine Wiederherstellung

dzFriedhofsärger

Familie Siedlaczek war entsetzt, als das Grab der Eltern Anfang 2020 eingeebnet wurde. Man versprach nach dem Irrtum eine Wiederherstellung. Monate später ist die Familie noch nicht zufrieden.

Eving

, 13.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Begonnen hat die Geschichte im Februar: Rudolf Kroh (geborener Siedlaczek) ging zum Grab seiner Eltern, um dort zum Geburtstag der Mutter einen Blumenstrauß aufzustellen. Dabei musste er feststellen, dass die Grabstätte am Nordfriedhof nicht mehr existierte. „Ich war geschockt und zutiefst verletzt“, erinnert er sich.

Das Grab wurde vor Ende der Ruhezeit durch die pflegende Neuhaus oHG eingeebnet, der Grabstein wurde entfernt und vernichtet. Grund ist eine falsche Berechnung des Dienstleisters. Man war irrtümlicherweise davon ausgegangen, die Pflege des Grabes endet zum Ende des Jahres 2019.

Waldsteinia als Bodendecker gepflanzt

Das Konto wurde, anders als vertraglich vereinbart, zum 1. Januar 2015 eröffnet und am 31. Dezember 2019 beendet, erklärten die Angehörigen im April. Aus dem Treuhandkonto wurde die Pflege bezahlt. „Eigentlich hätte das Geld erst Mitte 2020 aufgebraucht sein dürfen“, erläuterte Rudolf Kroh damals.

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Knapp vier Monate, nachdem Rudolf Kroh plötzlich vor dem leeren Grab stand, ist auf der Fläche aber aktuell immer noch nicht viel zu erkennen. Waldsteinia wurden als Bodendecker gepflanzt. Dazwischen finden sich Disteln, Brennnesseln und anderes „Unkraut“.

Mit dem gleichen Bodendecker sei die Grabstätte Siedlaczek vor der Einebnung bepflanzt gewesen, erklärt Martin Struck von den Friedhofsgärtnern Dortmund auf Anfrage dieser Redaktion. „Wie vereinbart, wurde der Bodendecker regelmäßig gegossen und gepflegt.“

Grabstein fehlt immer noch

Ein neuer Stein befindet sich noch nicht auf dem Grab. „Die Familie Siedlaczek hat mit dem Steinmetz Breitzke selbst Kontakt aufgenommen und den Stein bestellt. Wir haben hier keinen Einfluss genommen“, so Martin Struck. Laut seinen Infos verlängern sich die ursprünglichen drei Monate Lieferzeit aufgrund der Corona-Krise um einen Monat. „Die Kosten werden von uns getragen.“

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Die Familie hat inzwischen Strafanzeige wegen Betrugs (zu viel bezahlt), Veruntreuung (Treuhandkonto) und Diebstahl (Grabstein) gestellt und einen Anwalt eingeschaltet. Das zuviel gezahlte Geld sei aber inzwischen erstattet worden. „Die Rückzahlung des Geldes erfolgte ordnungsgemäß. Eine Rückmeldung hierzu erfolgte durch die Familie Siedlaczek nicht“, so Martin Struck.

Familie zeigt sich enttäuscht

Rudolf Koh zeigte sich in diesen Tagen auch darüber enttäuscht, dass sich niemand bei der Familie persönlich entschuldigt habe. Das sieht der Friedhofsgärtner anders: „Eine Entschuldigung gegenüber der Vertragspartnerin Frau Strugholz bzw. gegenüber der Familie Siedlaczek haben wir bereits im Februar ausgesprochen.“, versichert er. Auch die Firma Neuhaus habe ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht.

Sorgen machen sich die Angehörigen, da der Vertrag für die Pflege des Grabes Ende Juni tatsächlich endet. Wie es danach weitergeht und wer die Pflege übernehmen soll, wissen sie noch nicht, so Rudolf Kroh.

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