Was nutzen die Corona-Selbsttests? Darüber streiten sich in Dortmund jetzt Wirtschaftsverbände mit dem Leiter des Gesundheitsamtes. © dpa
Corona-Pandemie

Zoff um Aussage zu Selbsttests: Gesundheitsamtsleiter in der Kritik

Um Sinn und Unsinn der Corona-Selbsttests streiten sich Wirtschaftsverbände mit dem Dortmunder Gesundheitsamts-Chef Dr. Frank Renken. Der rät von Selbsttests ab - und erntet jetzt Kritik.

Während Bund und Länder auf die Corona-Selbsttests setzen und sie als flankierende Maßnahme zu ihren Lockdown-Lockerungen sehr begrüßen, hält der Chef des Dortmunder Gesundheitsamtes von diesen Test nichts. Das erzürnt sowohl die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund als auch die Unternehmensverbände in Dortmund und den Handelsverband Westfalen-Münsterland.

Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken hatte zu den Selbsttests, die bei den Discountern in Windeseile ausverkauft waren, vor wenigen Tagen gesagt: „Was man mit solch einem Test anfangen will, ist mir als Arzt schleierhaft.“ Das Ergebnis von Selbsttests sei mit einer 1:5-Wahrscheinlichkeit „komplett falsch“.

„Vermehrte Corona-Tests helfen den Betrieben“

Diese Aussage sorgt für Unverständnis. „Viele Unternehmen kämpfen wegen der Corona-Pandemie um ihre Existenz und suchen nach Wegen, den Geschäftsbetrieb wieder hochzufahren. Ein Weg, den Betrieben ihre Geschäftstätigkeit wieder zu ermöglichen, sind vermehrte Corona-Tests.

Auch wenn damit bisher unentdeckte Infektionen offenbar werden und die Zahlen in die Höhe schnellen können, dienen die Tests der besseren Kontrolle des Pandemiegeschehens“, heißt es in dem gemeinsamen Statement von IHK, Unternehmensverbänden und Handelsverband.

Bund und Länder hätten daher eine umfassende Teststrategie beschlossen, in die auch die Wirtschaft einbezogen sei. Die Bundesregierung habe hierzu mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft eine Vereinbarung getroffen, die nun auf regionaler Ebene umgesetzt werde. „Wir unterstützen jeden zielorientierten Ansatz, Fortschritte im Kampf gegen das Virus zu machen“, erklären die Wirtschaftsverbände.

Wirtschaft zu Renken: „Ein unnötiger Bärendienst“

„Vor diesem Hintergrund“, so heißt es, „empfinden wir die Aussagen aus dem Gesundheitsamt Dortmund als außerordentlich befremdlich und irritierend. Die Eignung von Corona-Selbsttests, die im großen Umfang in den Betrieben zum Einsatz kommen werden, so nachdrücklich infrage zu stellen, sorgt für Misstrauen bei Unternehmen und Mitarbeitern in den Betrieben und erweist der wichtigen Test-Kampagne einen völlig unnötigen Bärendienst.“

Zigtausende Unternehmen in der Region würden ihren Betrieb seit Monaten coronabedingt nur sehr eingeschränkt fahren oder seien gar ganz geschlossen. Viele Branchen seien seit Monaten von den Corona-Beschränkungen betroffen.

Die Veranstaltungsbranche leide seit einem Jahr unter Corona-Dauerstillstand, aber auch Tourismus, Gastronomie und Hotellerie könnten von kurzzeitigen Lockerungen kaum profitieren. Weite Teile des Einzelhandels öffnen gerade erst wieder – und auch das nur unter strengen Auflagen.

Deshalb fördere man das zunehmende Engagement vieler Unternehmen, künftig noch mehr und stärker auf das Corona-Virus zu testen.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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