Es gibt Pläne, das achtlose Wegschnippen von Kippen drastisch höher zu bestrafen. Auch, wenn konkrete Zahlen nicht zu kriegen sind: Kippen sind für Dortmund ein großes Problem.

Dortmund

, 24.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn man mit offenen Augen durch Dortmund läuft, dann ist die Stadt ein riesengroßer Aschenbecher. Versuchen Sie es einmal: Senken Sie Ihren Blick und zählen sie einmal, wie viele Kippenstummel Sie im Innenstadtbereich finden werden. Sie werden sich wundern.

Die EDG (Entsorgung Dortmund GmbH) weiß nicht, wie viele Zigaretten sie am Tag, im Monat oder im Jahr so einsammelt. Ihre Zahl oder deren Gewicht werden, so heißt es, nicht separat erfasst. Wer eine Idee davon bekommen will, was am Tag so in Dortmund weggeraucht wird, muss sich eine Zahl selber herleiten.

Über eine Million Zigaretten am Tag

Die Statistiken differieren leicht, grob geschätzt gibt es zwischen 18 und 20 Millionen Raucher in Deutschland, das sind etwas mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Wahrscheinlich sind es in Dortmund ein paar Prozent mehr, was mit der Sozialstruktur der Stadt zusammenhängt: Arme Menschen rauchen häufiger. So oder so kann man aber davon ausgehen, dass in Dortmund gut 120.000 Menschen rauchen. Wenn die jetzt die eher gering angesetzte Zahl von zehn Zigaretten pro Tag rauchen, kommen am Tag 1.200.000 Kippenstummel alleine in Dortmund zusammen. Das ist ein Schätzwert, der nur eins verdeutlicht: Das Problem mit den kleinen Kippenstummeln ist in Dortmund ein ziemlich großes. Selbst wenn nur jede zehnte Kippe auf der Straße landet. Oder jede zwanzigste.

Es gibt keine Statistik

Wer unter den Augen des Ordnungsamtes eine Zigarette wegschnipst, muss mit einem Bußgeld von 15 Euro rechnen. Theoretisch zumindest. Sollte es sich um einen Folgeverstoß handeln, sind 25 Euro fällig. Ob dieses Bußgeld tatsächlich regelmäßig angewandt wird, kann angezweifelt werden. Die Stadt Dortmund kann keine Statistik dazu vorweisen, denn sollte es einmal zu einem Bußgeld gekommen sein, wird das unter „Abfallablagerungen“ zusammengefasst und wäre nicht klar identifizierbar. So oder so: Abschreckende Wirkung, dazu reicht ein Blick auf die Gehwege und Straßen in der Innenstadt, geht von diesem Bußgeld nicht aus.

Orientierung am Bußgeldrahmen

Nicht unwahrscheinlich, dass das Abschreckunspotenzial bald höher werden dürfte: Aktuell arbeitet die Landesregierung an einem neuen „Bußgeldkatalog Umwelt“, er sieht eine Strafe von 100 Euro für das Wegschnippen von Kippen vor. Mehr als das Sechsfache dessen, was bisher in Dortmund fällig wird. Die Stadt selber kann zu den Vorstellungen des Landes noch nichts sagen – denn noch sind es nur Planungen. Doch sollte es zu dieser Erhöhung kommen, ist laut Stadtsprecher Frank Bussmann davon auszugehen, dass „sich die Stadtverwaltung dann an dem vom Land empfohlenen Bußgeldrahmen orientieren wird“.

Gift bleibt Gift, egal, wo es ist

Man würde der Stadt wünschen, dass sie sich nicht nur an dem Bußgeldrahmen orientiert, sondern ihn auch konsequent anwendet. Denn dass Rauchen tötet, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass Kippenstummel töten, eher noch nicht.

Die Filter nehmen etwa 50 Prozent des Teers auf, der beim Abbrennen einer Zigarette entsteht. Auch Nikotin oder Schwermetalle landen hier. Die sind nicht nur schwer zersetzlich – eine Kippe braucht etwa zwölf Jahre, bis sie sich aufgelöst hat. Eine Studie aus dem amerikanischen Maryland wies 2011 zudem nach, dass eine Kippe pro Liter Wasser ausreicht, um darin befindliche Fische zu töten.

Gewässer gibt es in Dortmund relativ wenige, doch Gift bleibt Gift. Egal, wo es sich verteilt. Ein Kippenstummel kann auch auf einem Spielplatz in einem Kleinkindkörper verheerende Wirkungen in Form von Vergiftungserscheinungen haben. Kippenstummel sind giftig und sollten auch so behandelt werden. Doch der Umgang mit ihnen, das lässige Wegschnipsen, wird immer noch als Kavaliersdelikt gesehen.

564 „Straßenpapierkörbe mit integrierten Aschenbechern“

Laut der EDG gibt es in Dortmund im Innenstadtbereich aktuell 564 „Straßenpapierkörbe mit integrierten Aschenbechern“. Dazu kommen noch einige separate Aschenbecher, die anders an den Papierkörben angebracht wurden und zahlenmäßig nicht erfasst sind. Gemeinsam mit dem anderen anfallenden Abfall werden die Stummel dann später verbrannt.

Petra Hartmann von der EDG sagt, dass Zigarettenstummel, die auf dem Boden landen, ein großes Problem sind. Sie haften in Fugen und anderen Unebenheiten und könnten maschinell nicht oder nur sehr schwer erfasst werden. Hartmann weiter: „Selbst beim manuellen Kehren bereiten sie Probleme. “

Was ist der „wahrscheinlich größere Anteil“ von über einer Million?

Natürlich werden nicht alle Stummel, die in Dortmund am Tag anfallen, einfach so fallengelassen. Wahrscheinlich landet der größere Teil in Aschenbechern. Aber was ist der „wahrscheinlich größere Anteil“ von über einer Million Zigarettenstummeln?

Die kleinen Stummel sind, je länger man darüber nachdenkt, so etwas für die Städte, was das Mikroplastik für die Meere sind: Kaum zu sehen, lange Zeit überhaupt nicht beachtet und in den Folgen schwer abzuschätzen. Sicher ist nur: Gesund kann das alles nicht sein. So wie das Rauchen eben auch. Aber während der Raucher größtenteils sich selber schadet, schadet der Schnipser allen.

Die EDG empfiehlt allen Rauchern, unbedingt Aschenbecher, Straßenpapierkörbe oder andere Abfallbehälter zu nutzen – und die Kippen vorher gut auszudrücken.

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