Der Phoenix-See heute: Vor zehn Jahren wurde er offiziell eröffnet. © Hans Blossey
Rückblick

Zehn Jahre Phoenix-See: So wird das Vorzeige-Projekt gefeiert

Er ist ein Vorzeige-Projekt für den Strukturwandel und Dortmunds wohl beliebtestes Ausflugsziel: Vor zehn Jahren wurde der Phoenix-See eröffnet. Eine große Feier findet allerdings nicht statt.

Jetzt ist die Wanne voll! lautete die Schlagzeile auf der 1. Lokalseite am 9. Mai 2011. Die Wanne war der Phoenix-See. Gut sieben Monate nach dem offiziellen Beginn der Flutung am 1. Oktober 2010 hatte er den gewünschte Wasserstand erreicht.

Was viel wichtiger war: Am 9. Mai wurden die Wege rund um den See für Besucher frei gegeben. Und das wurde reichlich genutzt. Mehrere Tausend Spaziergänger, Radfahrer und Skater waren an diesem Montag auf dem 3,2 Kilometer langen Rundkurs rund um den See unterwegs. Viele ließen am Hörder Hafen, am Südufer oder auf der Kulturinsel die Füße im Wasser baumeln. Ein Bild, das sich seitdem an warmen Tagen und vor allem an Wochenende hundertfach wiederholt hat

Zu Fuß und auf zwei Rädern waren viele Ausflügler am Tag der See-Eröffnung am 9. Mai 2011 unterwegs.
Zu Fuß und auf zwei Rädern waren viele Ausflügler am Tag der See-Eröffnung am 9. Mai 2011 unterwegs. © RN-Archiv © RN-Archiv

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Der Trubel, der heute vor allem viele Anwohner nervt, war damals hoch willkommen – zumal es negative Begleiterscheinungen wie Rasertreffen, Parkplatz-Chaos, Scooter-Rennen oder laute Partys am Seeufer noch nicht gab. Dortmund genoss ein neues Ausflugsziel noch ganz ohne Nebenwirkungen.

Das lag natürlich auch daran, dass es Anwohner noch nicht gab. Die Wohngebiete existierten damals nur auf Papier. Erst nach und nach wuchsen die Wohnhäuser und auch die Büro- und Gewerbebauten am See-Ufer in die Höhe. Jetzt – zehn Jahre später – ist bis auf wenige Baulücken fast alles rund um den See zugebaut.

Nach und nach entstanden Büro- und Wohnhäusern an den Ufern des Phoenix-Sees.
Nach und nach entstanden Büro- und Wohnhäusern an den Ufern des Phoenix-Sees. © RN-Archiv © RN-Archiv

Eine große Feier gab es zur See-Eröffnung vor zehn Jahren nicht. Drei Tage vorher, am 6. Mai 2011, hatten die Ehrengäste von OB Ullrich Sierau bis Regierungspräsident Gerd Bollermann symbolisch einen Bauzaun an die Seite geräumt und ein Band durchschnitten. Die große Party mit Volksfest, Riesenrad und Live-Konzert mit Amy MacDonald hatte es ja schon am 1. Oktober 2010 zur Flutung gegeben.

Das Medieninteresse war groß als See-Entwickler Heinz Hueppe, Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, OB Ullrich Sierau und DSW-Chef Guntram Pehlke am 6. Mai 2011 ein symbolisches Band zur See-Eröffnung durchschnitten.
Das Medieninteresse war groß als See-Entwickler Heinz Hueppe, Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, OB Ullrich Sierau und DSW-Chef Guntram Pehlke am 6. Mai 2011 ein symbolisches Band zur See-Eröffnung durchschnitten. © RN-Archiv © RN-Archiv

Und auch jetzt, zum 10. „Geburtstag“ muss auf eine große Party verzichtet werden – diesmal coronabedingt. Aber es gibt immerhin Anlass, Bilanz zu ziehen. Und die fällt äußerst positiv aus. Denn die mutige Investition, ein altes Stahlwerksgelände mitten in Hörde in einen Stadtsee zu verwandeln, hat sich im wahren Wortsinn für die Stadt ausgezahlt – und das nicht nur, weil Dortmund 2018 für das gesamte Phoenix-Projekt mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet wurde.

Fünf Jahre hatten die Arbeiten am See gedauert, mehr als 210 Millionen Euro wurden über die Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaft – eine Tochter von DSW21 – investiert, um die kühnen Plänen von Stadtplaner Norbert Kelzenberg umzusetzen. Nach und nach entstand am See ein neues Stadtquartier.

Auch Phoenix-See Erfinder Nobert Kelzenberg war vor zehn Jahren Gast der See-Eröffnung.
Auch Phoenix-See Erfinder Nobert Kelzenberg war vor zehn Jahren Gast der See-Eröffnung. © RN-Archiv © RN-Archiv

„In den vergangenen zehn Jahren sind am Phoenix-See 2050 Wohnungen entstanden, haben sich über 200 Firmen angesiedelt, wurden über 2000 Arbeitsplätze geschaffen“, heißt es in der Bilanz der Stadt. Dazu ist der See nach wie vor ein beliebter Erholungsort. Es sei nicht nur ein schönes Wohngebiet, sondern auch Dortmund „schönstes Gewerbegebiet“ entstanden, resümiert Oberbürgermeister Thomas Westphal, der die Entwicklung über Jahre als Chef der Wirtschaftsförderung begleitet hat.

Und die Stadt verspricht Ersatz für eine Jubiläumsfeier. Sie stellt am Wochenende einen Phoenix-See-Film mit alten und neuen Impressionen rund um den See vor. Über am See angebrachte QR-Codes und eine Jubiläums-Homepage kann der Film abgerufen werden.

Außerdem gibt es auf der Kulturinsel eine Foto-Ausstellung mit Bildern des Dortmunder Fotografen Frank Schultze, der die Entwicklungen am Phoenix-See von Anfang an fotografisch begleitet hat. Sie sind auch auf der Jubiläums-Homepage im Internet unter www.dortmund.de/10-Jahre-Phoenix-See zu sehen. sind alle Angebote abrufbar. Die Angebote stehen ab der 19. Kalenderwoche bis Anfang Juli bereit.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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