Der Eingangsbereich des FZW war bis vor Kurzem mit einem Zaun abgesperrt, damit Wohnungslose hier nicht übernachten. Nach Kritik ist der Zaun wieder abgebaut worden. © Felix Guth
Unionviertel

Zaun gegen Obdachlose: Kurzer, aber heftiger Ärger für das FZW

Die Betreiber der Konzerthalle FZW am Dortmunder U sahen sich zuletzt Kritik ausgesetzt wegen ihres Umgangs mit Wohnungs- und Obdachlosen. Das Zentrum hat inzwischen reagiert.

Konzerte sind im FZW an der Ritterstraße in der westlichen Innenstadt aktuell nicht möglich. Im Fokus stand der Live-Musik-Club dafür zuletzt wegen eines anderen Themas.

Wohnungslose Menschen, die sich im überdachten Eingangsbereich aufhielten, dort Kot, Erbrochenes und Glasscherben hinterließen, veranlassten am Freitag (22.1.) die Leitung des FZW, einen Zaun mit Verbotsschildern in drei Sprachen (deutsch, englisch, polnisch) aufzustellen.

„Es ist für uns seit Monaten ein Thema, wir haben es nicht an die große Glocke gehängt. Wir wissen, dass die Menschen einen Platz brauchen und unterstützen vieles“, sagt Hoppe. „Aber es geht um diejenigen, die immer wieder gegen bestimmte Regeln verstoßen.“

Gruppe traf sich ohne Abstand zum Trinken

Als Ende vergangener Woche zum wiederholten Mal Fäkalien und Splitter vor dem Eingang lagen und sich eine Gruppe von 15 Personen ohne jeden Abstand zum Trinken getroffen habe, habe er die Polizei verständigt. Diese sprach Platzverweise aus. Danach fiel die Entscheidung, den Zaun aufzustellen.

In sozialen Netzwerken und über direkte Nachrichten erreichte FZW-Geschäftsführer Till Hoppe Kritik daran. Unter anderem wurde den Clubbetreibern „soziale Kälte“ vorgeworfen. „Bei euch geht doch gerade eh nix, also was juckt es euch, wenn sich jemand in die Ecke kauert“, lautete etwa ein Kommentar.

Kritik am Zaun – FZW-Betreiber reagiert

Am Sonntag (24.1.) hat das FZW reagiert. In einem Instagram-Post heißt es: „Wir als FZW verstehen uns seit jeher als Ort, in dem Ausgrenzung jeglicher Art keinen Platz hat und versuchen seit Jahrzehnten zu einem positiven Stadtbild beizutragen. Die Zäune sind wieder abgebaut und wir werden einen Dialog mit den wohnungssuchenden Menschen rund um das Union-Areal, sowie der Politik führen, sodass wir eine gemeinsame, sinnvolle Lösung erarbeiten können.“

So sahen die Zäune aus, die drei Tage lang vor dem FZW standen. © Henning Rennekamp © Henning Rennekamp

Im Gespräch mit dieser Redaktion nennt Till Hoppe die Entscheidung für den Zaun „etwas leichtfertig“, glaubt aber auch daran, dass sich aus der Diskussion darüber etwas Positives entwickeln kann.

In der westlichen Innenstadt hat sich das Stadtbild verändert

„Die Kritik war für uns ein Grund die Entscheidung zu hinterfragen und in den Dialog zu gehen“, sagt Till Hoppe. Mit Ralf Stoltze, SPD-Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk Innenstadt-West, weiteren Akteuren aus Union- und Klinikviertel sowie dem Sozialamt soll eine Lösung gefunden werden, „mit der wir uns gemeinsam dieses Areal nach vorne bringen können“.

Denn eines macht die Situation am Fuße des U-Turms deutlich: Besonders in der westlichen Innenstadt hat sich in den vergangenen Monaten das Stadtbild verändert. Die Präsenz von wohnungslosen Menschen ist dort nicht neu. Aber in der Leere des Lockdowns fällt sie mehr auf.

Ehemals belebte Ort sind zu Schlaflagern geworden

Ehemals belebte Orte wie der Bergmann-Kiosk oder das Pfefferkorn sind zu dauerhaften Schlafplätzen geworden.

Das kann zu Konflikten führen – wie am FZW oder auch regelmäßig auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums an der Rheinischen Straße.

Die fehlenden Übernachtungsplätze sind auch ein Grund für den Aufruf „Bett statt Schlafsack“ von Straßenzeitungen und Sozialverbänden, Hotels für die Wohnungslose zu öffnen.

In einem Hotel in der Dortmunder Innenstadt wird dies auf Initiative von Gast-Haus, Bodo e.V. und des Wärmebus-Teams bereits praktiziert.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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