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DORTMUND Kreischende Fans, ausverkaufte Hallen: Die Band Tokio Hotel versetzt Teenager in Massenhysterie. Was diese alles tun, um ihren Idolen nahe zu sein, lässt sich derzeit in Dortmund beobachten.

von Von Bianca Belouanas

, 18.03.2008, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Wochen vor dem Tokio-Hotel-Konzert am 31. März in der Dortmunder Westfalenhalle haben die härtesten unter ihren Bewunderern in der Nähe ein wildes Zeltlager aufgeschlagen. Weiche Betten, warme Kleidung und Essen bei Mutti gegen muffige Klamotten und klamme Zelte eingetauscht. Seit dem Wochenende campieren sie in 14 Zelten ohne elterliche Aufsicht auf einer matschigen Grünfläche.

„Es ist arschkalt“, schnauzt Wuli (14), die gerade die zweite Nacht hinter sich gebracht hat. „Bin eh schon krank“, sagt die zierliche Hamburgerin, „genau wie das Mädel da drüben mit Mittelohrentzündung“. Und wofür das Ganze? „Um in der ersten Reihe zu stehen, natürlich, sonst wird man nach hinten geschoben.“

Schule ist Nebensache

Wenn es um Tokio Hotel geht, gerät die Schule zur Nebensache. Weil die Ferien nicht reichen, will Wuli eine Woche die Schule schwänzen. „Meine Lehrer wissen Bescheid. Wir haben einen Deal: Wenn ich regelmäßiger zum Unterricht gehe, bekomme ich vor Tokio Hotel Konzerten eine Woche frei“, behauptet die Gesamtschülerin.

Ohne Organisation läuft bei den Teenagern nichts: Über Internet-Foren planen sie, wer mit wem hinfährt. Im Zeltlager gilt: Wer zuerst kommt, darf sich vor dem Konzert als erstes anstellen. Bis dahin halten sich die Fans mit Fast Food oder Snacks von der Tankstelle bei Kräften und duschen in Schwimmbädern.

Von Eltern finanziert

Männliche Fans sind in der Minderheit. Einer von zwei Jungs im Zeltlager ist Julian aus Neuss, ein mädchenhafter 15-Jähriger, der lieber Beathe genannt wird. 20 Euro Taschengeld bekomme er täglich von seinem Vater. „Der findet den ganzen Trubel zwar blöd, aber ich habe ihm gesagt, ich brauche das Geld. Also bekomme ich es auch“, prahlt er. Auch Wuli kann sich nicht beklagen: „Mama nervt mich zwar mit Anrufen, aber sie hat mir Geld für Fahrt, Konzertkarte und Essen gegeben.“

Jetzt kann eigentlich nur noch eines schiefgehen: dass die Ordnungsmacht dazwischen funkt. Ein Sprecher der Stadt Dortmund appellierte gestern an die Eltern, ihre Kinder nach Hause zu holen: „Um Jugendliche, die nicht abreisen, wird sich das Jugendamt kümmern.“

Zwei Wochen vor dem Tokio-Hotel-Konzert campieren die ersten Fans in der Nähe der Westfalenhalle. Sie wollen am 31. März um jeden Preis in die erste Reihe. Foto Menne

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