Die Mund-Nasen-Bedeckung ist mittlerweile Alltag in den Innenstädten. Gut fürs Geschäft ist sie nicht - würden Dortmunder Geschäfte sie deswegen gerne abschaffen? © picture alliance/dpa
Corona-Krise

„Würden uns alle freuen, wenn es die Maskenpflicht nicht mehr geben würde“

Viele Händler beklagen fehlende Kundenfrequenz. In Mecklenburg-Vorpommern wurde kürzlich bereits über eine Abschaffung der Maskenpflicht diskutiert. Was denken Dortmunder Handelsprofis?

Ein Shoppingbummel mit Schutzmaske: Das ist auch für viele Dortmunder wenig attraktiv. Manche Händler beklagen auch nach dem Ende des Lockdowns fehlende Umsätze und niedrige Kundenfrequenz. Vor kurzem wurde in Mecklenburg-Vorpommern die Frage gestellt, ob wir die Maskenpflicht noch brauchen. Letztlich gilt sie nun auch dort weiter. Aber was wäre, wenn? Was sagen Dortmunder Händler zur Idee einer Abschaffung?

Für den Handel gibt es eine größere Gefahr als die Masken

Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland, hat eine eindeutige Meinung: „Wir würden uns alle freuen, wenn es die Maskenpflicht nicht mehr geben würde.“ Abschaffen will er sie trotzdem nicht.

Die Maske sei seiner Meinung nach das effektivste Mittel, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

„So leid es mir für den Handel tut – aber ein zweiter Lockdown wäre viel schlimmer. Das wollen wir alle verhindern.“ Die Einbußen der sechswöchigen Schließungszeit werden die Geschäfte seiner Expertise nach ohnehin nicht aufholen können. Die Läden womöglich ein zweites Mal zu schließen, wäre die viel größere Gefahr.

Denn: Immerhin gibt es einige Geschäfte, die schon wieder 80 Prozent des Umsatzes und Kundenbesuchs im Vergleich zum Vorjahr erreichen. „Aber das sind nur die Hälfte der Läden. Die andere Hälfte der Läden liegt noch darunter, das geht auch bis 20 Prozent Auslastung runter“, mahnt Schäfer.

Das Shopping-Erlebnis bleibt aus

Die Geschäfte in der Innenstadt seien dabei noch besser dran als in den Stadtteilen oder in ländlichen Gebieten. „Natürlich gibt es auch da Läden, die ihre Stammkundschaft haben. Die kommen natürlich trotzdem, und kaufen vielleicht sogar lieber da ein, weil es nicht so voll ist. Da haben sie dann weniger Angst, sich anzustecken.“ Das sei aber eher die Ausnahme von der Regel, meint Schäfer.

Trotzdem, eine Sache bleibt für alle Unternehmen gleich: „Viele Kunden haben mit der Maske nicht mehr dieses Shopping-Erlebnis.“ Deshalb würden sie weniger Zeit im Laden verbringen – und auch weniger kaufen.

Dass die Zahl der Kunden in den Geschäften zurückgegangen ist, beobachtet auch Markus Haas, Center Manager der Thier-Galerie. Er betont ebenfalls, dass die Maskenpflicht eine Belastung für den Einzelhandel darstelle – insbesondere für ein Einkaufszentrum.

Einkaufszentren leiden besonders unter Maskenpflicht

Schließlich gilt im ganzen Gebäude die Maskenpflicht – und anders als auf dem Westenhellweg können Kunden nicht auf den Wegen zwischen den Geschäften die Maske absetzen und frische Luft schnappen.

„Natürlich sind die Kundenzahlen niedriger als vorher“, sagt auch Saskia Bremer, Pressesprecherin des Mode-Unternehmens Peek & Kloppenburg. „Aber ob das jetzt an den Masken liegt, oder daran, dass die Leute immer noch Angst vor dem Virus haben, können wir nicht sagen.“

Übeltäter gefunden: Home Office ist mit schuld an der Kauf-Flaute

Es gebe verschiedene Gründe, die den Kunden die Lust am Einkaufen nehmen würden – manchmal auch schlichtweg, dass der Anlass fehle, sich neue Kleidung zu besorgen. Das leuchtet ein: Im Homeoffice sieht kaum jemand, was man trägt. Da braucht es keine modische Veränderung.

Auf die Frage nach dem Wunsch, die Maskenpflicht abzuschaffen, geben sich die Peek & Kloppenburg-Sprecherin und der Center-Chef diplomatisch: Man halte sich an die entsprechenden Regularien und unterstütze die Maskenpflicht, so Bremer. Die Gesundheit von Mitarbeitern und Kunden stehe für das Unternehmen an erster Stelle. Thier-Galerie-Chef Haas ergänzt: „Die Entscheidung für oder gegen die Maskenpflicht obliegt Bund und Land.“

Handelsverbands-Chef Schäfer gibt zu bedenken: „Wenn wir zwei Stunden am Tag die Maske tragen, dann ist das ja schon viel. Aber die Verkäuferinnen und Verkäufer tragen sie acht Stunden lang.“

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