Wolfgang Clement in Dortmund: City-Ring und das Pils in einem Schluck

dzZum Tod des früheren SPD-Politikers

Dortmund verlieh ihm den City-Ring, er arbeitete als Journalist in der Stadt und als Politiker war er immer ganz nahe dran: Wolfgang Clement starb am Sonntag. Eine Dortmunder Erinnerung an den Politiker.

Dortmund

, 27.09.2020, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine Erinnerung an Wolfgang Clement, die allein betrachtet nicht stellvertretend für sein Wirken sein soll. Dazu wäre sie zu oberflächlich. Doch sie zeigt die geerdete Seite des Politikers, weswegen ihn viele Dortmunder sicher geschätzt haben: Wolfgang Clement konnte ein Glas Pils in einem Zug, ja sogar in einem Schluck, runterkippen.

Etwas, weswegen ihm in der einstigen Brauerstadt Dortmund durchaus Respekt entgegen gebracht wurde - ebenso für sein politisches Wirken.

Diesen Respekt zeigten ihm die Dortmunder 2001, als sie Clement - damals NRW-Landespolitiker - den City-Ring verliehen. Der City-Ring ist eine hohe Auszeichnung in der Stadt, die die Vereinigung der Cityhändler an honorige Menschen vergibt.

Clement sagt von sich selbst, er sei halber Dortmunder gewesen. Fast 20 Jahre arbeitete er als Journalist für die Dortmunder Zeitung Westfälische Rundschau, wo er auch volontierte und später als politischer Journalist aktiv war.

Auch als Landespolitiker in NRW und später als Minister hatte der frühere Sozialdemokrat - er trat 2008 aus der SPD aus - viel mit Dortmund zu tun. In einem Interview mit den Ruhr Nachrichten im Jahr 2016 sagte er: „Aus Düsseldorfer Sicht war Dortmund immer die überragende und die aktivste Stadt im Ruhrgebiet.“

Der Heilige Reinoldus, Dortmunds Stadtparton, blickt auf Wolfgang Clement, der hier 2018 eine Festrede hält.

Der Heilige Reinoldus, Dortmunds Stadtparton, blickt auf Wolfgang Clement, der hier 2018 eine Festrede hält. © Stephan Schuetze (Archiv)

Lob für den Strukturwandel in Dortmund

An Dortmund schätzte Clement die Dynamik und die Wandelbarkeit. Er lobte den Strukturwandel, den er unter anderem an den Entwicklungen rund um den Phoenix-See festmachte. Diesen Strukturwandel begleitete er auch als Politiker; er war als Wirtschaftsminister regelmäßiger Besucher der Stadt.

Beeindruckt war er von den Entwicklungen an und rund um die TU Dortmund. Es sei wichtig, in Bildung, Wissenschaft und Forschung zu investieren. „Das ist in Dortmund auf beispielhafte Art gelungen“, sagte er in dem bereits zitierten Interview.

Jetzt lesen

Wirtschaftlich orientiert blieb auch sein Blick, wenn es um Rechtsextremismus ging. So fürchtete er angesichts von Neonazis in Dortmund besonders, dass der gute Ruf der Stadt Kratzer erhalte, weil dies wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen könne.

Umso mehr lobte er das Engagement der Dortmunder: „Das Eintreten für demokratische Verhältnisse gehört zu unseren gemeinsamen Werten.“

Häufiger Kontakt nach Dortmund

Manchmal war es auch einfach Sachpolitik, die die Großstadt mit dem Superminister für Wirtschaft und Arbeit verband: Etwa beim Verkauf der E.ON-Tochter Gelsenwasser an die Stadtwerke Bochum und Dortmund legte er kein Veto ein.

Kurz: Er war und blieb nah dran an der Stadt. Bei einem Rathausgespräch 2003 witzelte er, dass ihm aus seiner alten Heimat nichts entgehe, denn: „Ich habe große Ohren.“

Wolfgang Clement starb mit 80 Jahren in der Nacht zu Sonntag an einer Krebserkrankung.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt