Ärger bei Wohnungsgenossenschaft GWG – Vorstandsmitglied schmeißt hin

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Es sind wieder unruhige Zeiten bei der Dortmunder Wohnungsgenossenschaft GWG: Vorstandsmitglied Dirk Rüßmann hat sein Amt vorzeitig niedergelegt. Er spricht von „starken Lobbygruppen“.

Hombruch, Barop

, 19.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach rund zweieinhalb Jahren hat der ehemalige hauptamtliche und zuletzt nebenamtlich tätige Vorstand Dirk Rüßmann sein Amt bei der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft GWG vorzeitig zum 30. April aufgegeben. Der Aufsichtsrat hatte im Vorfeld die bis Ende September 2020 laufende Bestellung Rüßmanns nicht verlängert. Daraufhin zog der Betriebswirt seine Konsequenzen – ging, und teilt ordentlich aus.

Nach Auskunft Rüßmanns lautet die offizielle Begründung, man wolle vor dem Hintergrund der anstehenden umfangreichen Neubau- und Modernisierungspläne der Genossenschaft durch die Bestellung eines weiteren dritten hauptamtlichen Vorstands mit technischer Fachkompetenz die Aufgabe besser bewältigen.

Dirk Rüßmann hat die Wohnungsgenossenschaft verlassen.

Dirk Rüßmann hat die Wohnungsgenossenschaft verlassen. © Jennifer Riediger (Archiv)

Rüßmann, selbst Kaufmann, sieht das aber anders. Er gehe davon aus, dass es im Wesentlichen darum ging, an der bisherigen Ausrichtung der gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft festzuhalten, die Genossenschaft mit „neuem Wein in alten Schläuchen“ weiterzuführen.

Er sei vor Jahren nach einer beruflich anderweitigen Orientierung nur unter der Prämisse zur Genossenschaft zurückgekehrt, dass „sich nach innen und nach außen etwas ändert nach der Ära Winfried Berlin und Rainer Pilzecker“. Die Auseinandersetzungen damals führten bis in den Gerichtssaal.

„Massiver Widerstand auf allen Arbeitsebenen“

Er sollte damals, so erinnert sich Rüßmann heute, „mit meiner fast 25-jährigen wohnungswirtschaftlichen Erfahrung mithelfen, die angestaubte Perle im Dortmunder Süden zu polieren, um ihr wieder Glanz zu verleihen“. So habe es seinerzeit der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Schilff geäußert. Es kam für Rüßmann aber anders.

Er sagt: Auf nahezu allen Arbeitsebenen sei er auf massiven Widerstand der hauptamtlichen Vorstände und von Teilen des Aufsichtsrates gestoßen. Er beklagt „starke Lobbygruppen“.

„Alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, kann Mitglied der Genossenschaft werden.“ Sein Vorschlag, nur noch Mitglieder aufzunehmen, die auch eine Wohnung beziehen, sei abgelehnt worden. Sein Verdacht: Das sei nicht gewünscht, weil man „Mitglieder braucht, die in der Mitgliederversammlung an der richtigen Stelle die Arme heben“.

Aufsichtsratsvorsitzender sieht GWG auf einem guten Weg

Eine völlig andere Sicht der Dinge hat Norberg Schilff, GWG-Aufsichtsratsvorsitzender: Seit dem Rücktritt der über Jahrzehnte tätigen Vorstände sei man auf einem „guten Weg ins 21. Jahrhundert“.

„Neben vielen geplanten Wohnungssanierungen streben wir auch verstärkt den Neubau von Wohnungen im Dortmunder Süden sowie die Kooperation mit anderen Wohnungsunternehmungen an“, sagt Schilff.

Gerade die verstärkten Bemühungen um Modernisierung und Neubau hätten den Aufsichtsrat veranlasst, eine Ausrichtung des Vorstandes auf die technischen Gewerke vorzunehmen: „Deshalb sind wir übereingekommen, zukünftig nicht mehr zwei Kaufleute und einen technischen Vorstand zu beschäftigen, sondern zwei technische Vorstände.

Mit dem sozialen Verständnis von Arbeitsverhältnissen im Haus sei es aber nicht in Einklang zu bringen gewesen, einen Vorstand zu entlassen.

GWG-Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Schilff

Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Schilff sieht die GWG Hombruch „auf einem guten Weg ins 21. Jahrhundert“. © Lutz Kampert

Deshalb habe man das auslaufende Vertragsverhältnis mit Rüßmann nicht verlängert, und – wie Schilff betont – man sei auch seinem Wunsch nachgekommen, das Vertragsverhältnis unter Fortzahlung der Bezüge vorzeitig zu beenden.

Dass jetzt jemand in den Vorstand berufen wurde, der ebenfalls kein Techniker ist, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende so: „Da die Suche nach einem technischen Vorstand nicht von heute auf morgen geht, die Satzung der GWG aber zwingend drei Vorstände vorsieht, haben wir von unserem Recht Gebrauch gemacht, das Aufsichtsratsmitglied Thorsten Schulenburg vorübergehend, maximal bis März 2021, zum Vorstand zu bestellen.“

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Zum Vorwurf Rüßmanns, man brauche Mitglieder, die an den richtigen Stellen den Arm heben, sagt Schilff unter anderem: „Die Mitglieder des Aufsichtsrates werden demokratisch in einer Mitgliederversammlung gewählt. Selbst ich als Aufsichtsratsvorsitzender habe keinen Einfluss auf die Wahlen.“

Wie Demokratie funktioniere habe er selbst erfahren, als er in einem Jahr aus dem Aufsichtsrat abgewählt, im kommenden Jahr wiedergewählt worden sei.

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