Trotz Wohnungsnot: Behörden-Auflagen machen für Tim Hentze (30) das Bauen zum Nervenkrieg

dzBauärger in Asseln

Tim Hentze hat 2015 eines der bekanntesten Häuser in Asseln gekauft. Seither kämpft er um Genehmigungen, dort Wohnungen bauen zu dürfen - trotz der Wohnungsnot. Die Stadt sieht‘s anders.

Asseln

, 12.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine der bekanntesten Adressen in Asseln liegt am Asselner Hellweg 95. In dem markanten Gebäude aus dem Jahre 1905 gab‘s viele Jahre das „Haus Reinhold“, später auch „Schnitzel & Scampis, „Schnitzel & Schampus“ sowie ein indisches Restaurant. Und in dem Tanzsaal im rückwärtigen Teil dürfte ein paar Jahrzehnte früher so manche Liebschaft entstanden sein.

Seit 2015 gehört das Haus dem Schornsteinfeger Tim Hentze (30) und seiner Frau Joy. Er habe das Haus als zukünftige Absicherung für seine sechsjährige Tochter gekauft, sagt er, die die Glasknochenkrankheit habe und bei der nicht sicher sei, inwieweit sie später einem Beruf nachgehen könne. Alles in allem 600.000 Euro habe ihn Anschaffung und Renovierung seither gekostet, wobei er als Handwerker das meiste selbst gemacht habe. Aber - und auch das sagt er: Hätte er den Ärger, den er mit dem Haus seither gehabt habe, vorher gekannt, hätte er es nicht gekauft.

Trotz Wohnungsnot: Behörden-Auflagen machen für Tim Hentze (30) das Bauen zum Nervenkrieg

Hier gab’s mal das „Haus Reinhold“, eine Gaststätte. Tim Hentze will dort jetzt eine Wohnung einrichten. © Andreas Schröter

Gemeint ist vor allem der Ärger mit dem Bauordnungsamt der Stadt: So wollte er den hinteren Teil der ehemaligen Gastronomie in eine 125 qm große Wohnung sowie in ein 25 qm großes Appartement umbauen. Zwar habe er die Genehmigung irgendwann tatsächlich erhalten, aber das habe fast zwei Jahre gedauert.

Trotz Wohnungsnot: Behörden-Auflagen machen für Tim Hentze (30) das Bauen zum Nervenkrieg

So sah das Haus Reinhold zu Beginn des vorigen Jahrhunderts aus. Die Straßenbahn am rechten Bildrand steht nicht auf dem Hellweg, sondern auf der Aplerbecker Straße. Hier endete nämlich die Linie Berghofen-Aplerbeck-Asseln der Hörder Kreisbahn. © Archiv Klaus Coerdt

Hier eine Auswahl aus dem, was Hentze erlebt hat: Die Einfahrt für die Feuerwehr sei zu klein, es brauche ein Brandschutzgutachten, es gebe zu wenig Parkplätze, es gebe zu wenig Bäume, die Entwässerung sei unklar, ein zweiter Fluchtweg fehle, eine Zeichnung vom Keller fehle und so weiter. Das alles habe ihn endlos Nerven gekostet, zumal er bei der Stadt immer mit anderen Ansprechpartnern zu tun gehabt habe, die alle auch unterschiedliche Dokumente verlangt hätten. Und: Kann eine Baugenehmigung innerhalb eines Jahres nicht erteilt werden, verfällt der Antrag und muss neu gestellt werden. Auch das ist Tim Hentze passiert.

Trotz Wohnungsnot: Behörden-Auflagen machen für Tim Hentze (30) das Bauen zum Nervenkrieg

Dieses Gebäude am Asselner Hellweg 95 kennt in Asseln jeder. © Andreas Schröter

„Ich verstehe das alles nicht“, sagt er. Schließlich heiße es doch überall, die Stadt brauche neuen Wohnraum. Da sollte man doch nicht Menschen, die Wohnraum schaffen wollen, solche Knüppel zwischen die Beine werfen.

Die Stadt Dortmund sieht das ganz anders. Sprecher Maximilian Löchter teilt mit: „Im Juni 2017 ging der Antrag zur Nutzungsänderung eines Restaurants zu Wohnzwecken bei der Stadt Dortmund ein. Es erfolgte ein Mängelschreiben mit der Bitte um Nachbesserung. Diese ist nicht geschehen, sodass der Antrag im März 2018 zurückgewiesen wurde. Daraufhin erfolgte ein neuer Antrag im August 2018, leider erneut mit Mängeln. Die Bitte um Nachbesserung erfolgte mit einem Mängelschreiben im September 2018. Die Nachbesserung wurde dann auch geleistet, sodass im Januar 2019 die Genehmigung erteilt wurde.“

„Stadt unterstützt Bestrebungen wie im vorliegenden Fall“

Generell gelte, so Löchter weiter: „Mit Blick auf die Situation auf dem Wohnungsmarkt unterstützt die Stadt Dortmund grundsätzlich Bestrebungen wie die im vorliegenden Fall.“

Für Tim Hentze steht nun noch der Umbau des vorderen Teils in eine weitere Wohnung an - da, wo sich der Restaurant-Eingang befunden hat. Er habe lange versucht, einen Nachmieter zu finden, der die Fläche wieder als Ladenlokal nutzt, so Tim Hentze - vergeblich. Immerhin habe ihm die zuständige Sachbearbeiterin bei der Stadt inzwischen signalisiert, dass er möglicherweise die Genehmigung erhalten könne, gewerblichen Raum in Wohnraum umzuwidmen. Jetzt heißt es für Tim und Joy Hentze wieder: warten und sich in den Papierkrieg stürzen.

Trotz Wohnungsnot: Behörden-Auflagen machen für Tim Hentze (30) das Bauen zum Nervenkrieg

Hier gab's im vorigen Jahrhundert mal einen Tanzsaal. © Andreas Schröter

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