Wochenmärkte kämpfen ums Überleben - in Huckarde ist die Händlerwelt hingegen in Ordnung

dzHuckarder Wochenmarkt

Manche Wochenmärkte gibt es nur noch auf dem Papier, andere sind extrem geschrumpft. Auf dem Huckarder Wochenmarkt laufen die Geschäfte hingegen sehr gut. Was ist hier besser als anderswo?

Huckarde

, 18.06.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Gerlinde Berndt vom gleichnamigen Blumengeschäft steht fest: Der Huckarder Wochenmarkt ist der drittbeste der Stadt. „Nur in der Innenstadt und Hombruch läuft es besser“, sagt die Floristin. Seit über 30 Jahren betreibt sie einen Stand auf dem Huckarder Wochenmarkt.

Das ist natürlich die ganz persönliche Meinung der Huckarder Geschäftsfrau. Fakt ist aber: An diesem Dienstagmorgen herrscht reges Treiben auf dem Huckarder Marktplatz. 30 bis 40 Stände sind aufgebaut. Während vielerorts Wochenmärkte ums Überleben kämpfen oder nur noch auf dem Papier existieren, scheint hier die Welt für die Markthändler und ihre Kunden noch in Ordnung zu sein.

Wochenmärkte kämpfen ums Überleben - in Huckarde ist die Händlerwelt hingegen in Ordnung

Christian Vorspohl aus Senden ist seit 20 Jahren jeden Dienstag und Freitag mit seinen Geflügel- und Wildspezialitäten in Huckarde. Er hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. © Beate Dönnewald

Ist das wirklich so? Oder trügt der Schein? Tatsächlich haben wir an diesem Dienstagvormittag ausschließlich zufriedene Menschen vor und hinter den Verkaufstheken angetroffen. Was ist das Geheimnis des Erfolges? Diese Antworten haben wir gefunden:

„Hier gibt es regionale Ware und Topqualität“

Auf dem Huckarder Wochenmarkt finden sich reichlich regionale Produkte. Der studierte Landwirt Alexander Heimann aus der Soester Börde zum Beispiel bietet an seinem Stand schwerpunktmäßig Obst und Gemüse aus der Region an. Seine Kunden schätzen das: „Ich kaufe immer bei ihm ein. Jeden Dienstag und Freitag“, sagt die Huckarderin Renate Tadema. Generell versorge sie sich hier gerne mit frischen Waren.

Wochenmärkte kämpfen ums Überleben - in Huckarde ist die Händlerwelt hingegen in Ordnung

Der Fischstand von Kai Falkenrich (hier mit seinem Verkaufsteam) ist ein Zugpferd auf dem Huckarder Wochenmarkt. Kai Falkenrich führt das Geschäft in der vierten Generation. „Für mich läuft es in Huckarde perfekt." © Beate Dönnewald

Gegenüber steht der Verkaufswagen von Christian Vorspohl. Er kommt aus Senden und verkauft seit 20 Jahren jeden Dienstag und Freitag Geflügel- und Wildspezialitäten in Huckarde. Er bemühe sich, sagt er, in erster Linie Fleisch aus Nordrhein-Westfalen anzubieten. Weil Eigenlob stinkt, lobt er lieber den Fischstand von Kai Falkenrich. „Das ist beste Qualität.“

„Hier stimmen die Umsätze“

Keine Frage, für die Markthändler ist der Umsatz natürlich das wichtigste Kriterium. „Für mich läuft es hier in Huckarde perfekt“, sagt Fischhändler Kai Falkenrich. An Dienstagen habe er rund 350, an Freitagen etwa 600 Kunden. Auch Christian Vorspohl kann nicht meckern. „Die stärksten Markttage sind für mich der Mittwoch und Samstag. Aber auch am heutigen Dienstag bin ich super zufrieden.“ Seine Frau sei dienstags auf dem Markt in Recklinghausen-Süd im Einsatz. „Dort läuft es deutlich schlechter.“

Wochenmärkte kämpfen ums Überleben - in Huckarde ist die Händlerwelt hingegen in Ordnung

Vernes und Alma Rieken haben sich gerade ein Fischbrötchen gekauft. Mutter und Sohn mögen auch die kulturelle Vielfalt auf dem Huckarder Wochenmarkt. © Beate Dönnewald

Dass die Kunden den Wochenmarkt in Huckarde so gut annehmen, dafür gibt es laut Floristin Gerlinde Berndt zwei gute Gründe: Zum einen sei es die gute Mischung des Sortiments, zum anderen sei Huckarde ein attraktiver, florierender Vorort ohne Leerstände. Marktbesuch und andere Einkäufe ließen sich gut verbinden. „Der Gewerbeverein mit Christian Oecking leistet hier hervorragende Arbeit.“

„Hier ist eine besondere Atmosphäre“

Allein die runde Anordnung der Marktstände mitten im Ortskern sorge für Flair und ein besonderes Einkaufserlebnis, meint Gerlinde Berndt. Viele Händler kommen seit Jahren, sie kennen ihre Kunden und nehmen sich Zeit für einen persönlichen Plausch. Ingrid Betten und Renate Tadema gefällt das, für sie ein weiterer Grund, auf dem Wochenmarkt einzukaufen. „Manchmal ist es schwer, alle Kunden auseinanderzuhalten, weil wir ja auf vielen Märkten sind. Aber ein Schwätzchen halten wir immer gerne mit ihnen“, so Christian Vorspohl. „Wir kommen hier alle gut miteinander aus“, sagt Alexander Heimann.

Wochenmärkte kämpfen ums Überleben - in Huckarde ist die Händlerwelt hingegen in Ordnung

Die ehemalige Wirtin vom Sonneneck, Lilli Havers, hat bei Nadine Korytkowski am Blumenstand Berndt gerade Orchideen erstanden. Die Seniorin liebt es, auf dem Wochenmarkt viele alte Bekannte zu treffen. © Beate Dönnewald

Und weil so viele Huckarder den Wochenmarkt besuchen, ist er ein beliebter Treffpunkt. „Der Wochenmarkt ist eine wichtige Kontaktbörse. Man trifft sich hier, das ist das Leben“, so Gerlinde Berndt. So sieht es auch die ehemalige Wirtin vom Sonneneck, Lilli Havers. Sie freut sich, hier oft ehemalige Gäste zu treffen. Ingrid Betten ist jeden Dienstag mit Freundinnen im „Täglich“ verabredet. Erst kauft sie auf dem Wochenmarkt ein, dann beobachtet sie das Treiben vom Café aus.

Immer dienstags und freitags

  • Der Huckarder Wochenmarkt läuft immer dienstags und freitags auf dem Marktplatz an der Rahmer Straße. Die Öffnungszeiten sind von 7 bis 13 Uhr.
  • Im Angebot sind unter anderem Fisch, Obst, Gemüse, Blumen, Brot, Geflügel, Eier, Wurst, Feinkost, Süßwaren und Textilien.
  • Einige Kunden kritisieren, dass der Markt zu textillastig sei.
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