Stichprobe: So lange müssen Dortmunder auf einen Friseurtermin warten

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Nach der Zwangspause können die Friseure über mangelnde Nachfrage wahrlich nicht klagen. Wann sind die nächsten Termine frei? Eine Stichprobe bei Salons in der Innenstadt.

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, 07.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei manchen Friseursalons in der City geht momentan niemand ans Telefon. Wer nun glaubt, der Laden sei geschlossen, muss sich eines Besseren belehren lassen - das Gegenteil ist der Fall. Viele Friseure haben nach der Corona-Zwangspause so viel zu tun, dass sie das Telefon einfach klingeln lassen. Und auch die Figaros, die zwischen Waschen und Schneiden kurz mal den Hörer abnehmen können, bestätigen den gewaltigen Andrang.

Farbliche Auffrischung

„Die ersten Tage waren wir bereits von morgens bis abends ausgebucht“, sagt Lisa Szymiczek, Salonleiterin bei „Super Cut“ am Westenhellweg. „Und wer jetzt anruft, der bekommt erst wieder Ende Mai einen Termin.“

In ihrem Salon gehe die Tendenz momentan vor allem zum Färben, erläutert die Friseurin. Kein Wunder, denn nach sechs Wochen Pause benötigt so manches Damenhaar eine farbliche Auffrischung.

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Der Andrang bei den Herren halte sich hingegen in Grenzen, wofür Szymiczek eine Erklärung parat hält: „Ich selbst habe mehrfach gesehen, dass die Frauen ihren Männern auf dem Balkon die Haare mit einer Maschine geschnitten haben.“ In diesem Fall pressiert der Friseurbesuch offenbar weniger.

Für männliche Kunden gilt aber ebenso wie für weibliche: Haare waschen ist Pflicht. Da die Friseure zudem diverse Hygienevorschriften wie Mundschutz, Desinfektion und Abstände einhalten müssen, sei die Zahl der Kunden dementsprechend niedriger als in Vor-Corona-Zeiten, sagt Szymiczek: „Pro Stunde kann sich jede Mitarbeiterin nur um einen Gast kümmern.“

Mundschutz, Plastikumhang, Desinfektionsmittel: Auch für Sabrina Wolf, Friseurin im Salon Kulig, wird Hygiene momentan besonders groß geschrieben.

Mundschutz, Plastikumhang, Desinfektionsmittel: Auch für Sabrina Wolf, Friseurin im Salon Kulig, wird Hygiene momentan besonders groß geschrieben. © Michael Schuh

„Wer mitgedacht hat, konnte im Vorfeld viel organisieren“, sagt Frank Kulig, Obermeister der Friseur-Innung Dortmund und Lünen. Denn während der Zwangspause sind alle Anrufe, die in seinem Salon an der Balkenstraße ankamen, auf Kuligs Privatanschluss umgeleitet worden. „So konnte ich von zu Hause aus bereits die Termine für meine Mitarbeiter und mich festlegen.“

Hört sich einfacher an als es tatsächlich war, denn gleich zweimal änderte die Politik die zeitlichen Pläne für die Wiedereröffnung. Das bedeutete für Kulig: Mit den Kunden telefonisch einen neuen Termin vereinbaren und den Zeitplan umstricken.

Beim Chef erst Anfang Juni

Nichtsdestotrotz warten Kunden, die sich in diesen Tagen anmelden, bis zur kommenden Woche auf einen Termin bei einer Mitarbeiterin; wer beim Chef persönlich unter die Schere möchte, muss sich sogar bis Anfang Juni gedulden.

Und dennoch zeigt sich Kulig begeistert von dem Verständnis, das ihm und seinem Team von den Kunden entgegengebracht wird: „Das ist so, als ob im Stadion die Hymne gespielt wird. Man kriegt eine Gänsehaut.“

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Die nächsten drei Wochen seien bei „Die Coiffeure“ an der Hansastraße komplett ausgebucht, berichtet Mitarbeiter Enver Sariolo: „Und außerdem klingelt das Telefon nonstop.“ Aufgrund des gewaltigen Andrangs beschränke man sich zurzeit auf das obligatorische Waschen und das anschließende Schneiden der Haare; andere Angebote seien aus Zeitgründen nicht möglich: „Dann müssten zu viele Kunden warten.“

Voller Terminkalender

Räumliche Probleme aufgrund des Abstands zwischen den Mitarbeitern kennt Franco Befani nicht: In seinem Salon am Brüderweg arbeitet der erfahrene Friseur ohnehin allein. Diese Woche sei auch sein Terminkalender voll, ab der kommenden Woche geht wieder was, erzählt Befani: „Und es melden sich immer noch Leute.“

Trotz Zwangspause, Mundschutz und Hygienemaßnahmen hat sich der Spezialist für Herrenfrisuren seine gute Laune bewahrt. „Ich plane jede halbe Stunde einen Besucher ein, das schaffe ich auch allein“, sagt Befani fröhlich. „Aber jetzt kann ich nicht mehr weitersprechen. Mein Kunde wartet.“

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