Weniger Besucher: Wird die Thier-Galerie jetzt ein Mode-Tempel?

dzEinzelhandel

Die Thier-Galerie schwächelt, hat an Attraktivität verloren. Jetzt soll eine Branche beschnitten werden, damit mehr Modegeschäfte einziehen können.

Dortmund

, 27.04.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Branchenmix in der Thier-Galerie soll geändert werden. Weil die Anziehungskraft des 2011 eröffneten Einkaufszentrums nachgelassen hat, wünscht sich die Hamburger Eigentümergesellschaft ECE mehr Flexibilität bei den Vermietungen. Dazu wurde der Politik jetzt die Entwicklung der Besucherzahlen vorgelegt.

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Nach einer beim Einzelhandelsgutachterbüro Dr. Lademann & Partner in Auftrag gegebenen Zählung ist die tägliche Besucherzahl von 2012 bis 2018 um 15 Prozent zurückgegangen.

Dabei wurde der stärkste Rückgang zwischen 2017 und 2018 festgestellt. Die Besucherzahl sank von einem auf das andere Jahr um 5,8 Prozent. In absoluten Zahlen ist die Besucherfrequenz von durchschnittlich knapp 35.500 Besuchern pro Tag in 2012 auf gut 30.000 Besucher pro Tag in 2018 gefallen.

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Dies sind offensichtlich die aktuellsten Zahlen, die man den Politikern vorlegt. Für 2019 enthält der Beschlussvorschlag der Verwaltung keine Daten. Bei der Stadt Dortmund geht man wohl davon aus, dass auch 2019 keine Verbesserung eingetreten ist und empfiehlt, die Hamburger ECE dabei zu unterstützen, die Kundenakzeptanz der Thier-Galerie zu verbessern.

Der stationäre Handel soll attraktiv gehalten werden

Bevor der Rat die Entscheidung trifft, die Sortimentsbegrenzungen neu zuzuschneiden, wird sich die Bezirksvertretung Innenstadt-West am 29. April mit dem Thema befassen. Im Kern geht es darum, in der Thier-Galerie mehr Bekleidungs- und Schuhgeschäfte zuzulassen und im Gegenzug die Verkaufsflächenvorgabe für Unterhaltungselektronik zu senken.

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Genau in die Karten gucken lässt sich die Eigentümer-Gesellschaft nicht. Man sei seit länger Zeit bemüht, sich auf „die veränderten und immer dynamischeren Marktanforderungen“ einzustellen“, sagt Markus Haas, der Center-Manager in der Thier-Galerie, ganz allgemein. Es solle der stationäre Handel in der Thier-Galerie und in der gesamten Innenstadt attraktiv gehalten werden.

Thier-Galerie in Dortmund

Mit der Lockerung der Verkaufsflächenbegrenzungen für einzelne Sortimente könnten bald noch mehr Modegeschäfte in der Thier-Galerie öffnen. © Schaper

Nachdem gerade ein Elektronikfachgeschäft in der Thier-Galerie ausgezogen ist, so heißt es in einem fiktiven Beispiel der Verwaltung, werde mit der Neuregelung erlaubt, dass in das 1000 Quadratmeter große Ladenlokal nicht wieder ein Anbieter von Unterhaltungselektronik einziehen muss.

„Die leerstehende Fläche kann dann mit Anbietern von Sortimenten belegt werden, deren Obergrenzen noch nicht ausgeschöpft sind. Da das Sortiment Bekleidung bisher auf 19.000 qm Verkaufsfläche angeboten wird, ist hier noch ein Ansiedlungsspielraum von 3000 qm bis zum Ausschöpfen der festgesetzten Obergrenze von 22.000 qm verfügbar“, heißt es im Beschlussvorschlag.

„Der Bedarf hat sich geändert“

Mehr Mode ja, ein einziger Mode-Tempel wird die Thier-Galerie aber folglich nicht. „Die Thier-Galerie wird durch die geplanten Änderungen weder vergrößert noch soll ein bestimmter Schwerpunkt - zum Beispiel - im Bereich Mode umgesetzt werden“, sagt Center-Manager Haas.

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Ralf Stoltze (SPD), Bezirksbürgermeister der Innenstadt-West, sieht in der geringfügigen Flexibilisierung bei der Vermietung und Belegung der Ladeneinheiten kein Problem. „Der Bedarf hat sich geändert. Elektrogeräte werden dort weniger nachgefragt, Mode dafür mehr. Die Gesamtverkaufsfläche von 33.000 Quadratmetern wird bleiben, nur die Nutzungen werden also anders. Damit können wir leben. Das hat keine negativen Auswirkungen“, sagt Stoltze.

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Bei der Hamburger ECE geht man nicht davon aus, dass die Thier-Galerie mit weiteren Mode-Geschäften wieder so boomen wird, wie in den ersten Jahren nach der Eröffnung. Im besten Fall, so heißt es, würden sich mittelfristig wieder 32.500 Besucher pro Tag erzielen lassen. Das ist die Zahl, die 2016 erreicht wurde.

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