Rund 2800 Menschen kamen zu der Demo. Etliche reisten auch von außerhalb an. © Oliver Schaper
Großdemo

„Wir haben und hatten in Deutschland niemals eine Epidemie nationaler Tragweite“

2800 statt der angemeldeten 1500 Coronaschutz-Gegner versammelten sich am Sonntag in der Innenstadt - viele kamen von weit her. Die Redner erhoben teils schwere Anschuldigungen.

Rund 2800 Personen haben am Sonntag nach Angaben der Polizei auf dem Hansaplatz gegen die Corona-Schutzmaßnahmen demonstriert. Musikboxen an Traversen, einheitliche Shirts wie von Konzerten und Teilnehmer aus ganz Deutschland. Der Protest gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hat sich merklich professionalisiert.

Während der sechsstündigen Demo auf dem Hansaplatz wurde am Sonntag immer wieder deutlich, dass es sich um keine Dortmunder Aktion handelte, sondern eine bundesweite, die zufällig in Dortmund stattfand.

Im Publikum waren Banner, Fahnen und Schilder aus Kassel, Berlin, Bremen und anderen Städten zu sehen. Auf der Bühne standen Redner aus den Niederlanden und solche, die am Tag zuvor noch auf Demos in Stuttgart oder Augsburg vertreten waren.

In fast allen Redebeiträgen ging es um zentrale Veranstaltungen in Berlin. Wie viele Zuhörer aus Dortmund stammen und wie viele extra angereist sind, ist allerdings nicht belegbar. Besonders gefeiert haben die Maskengegner und Corona-Skeptiker den Polizisten Michael Fritsch aus Hannover. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, richtete er an Politiker und Journalisten. Er meinte : „Wir haben und hatten in Deutschland niemals eine Epidemie nationaler Tragweite.“

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Coronaschutz-Gegner demonstrieren in Dortmund

Deshalb sieht er keine rechtmäßige Grundlage für Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Mindestabstand. Andere Redner sehen keine Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen und Schäden der Maßnahmen. Auffällig war, wie häufig die Redner die Polizisten angesprochen haben. Sie gehen offenbar davon aus, dass jeder die Corona-Regeln ablehne, sich aber nicht traue etwas dagegen zu sagen.

Angemeldet zu der Demo waren eigentlich 1500 Menschen. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Deshalb wollen sie dafür sorgen, dass mehr Menschen ihre Stimme erheben. Ganz zufällig ging später eine Frau auf die Bühne, die angab, 40 Jahre lang Polizistin gewesen zu sein. „Ich habe spontan entschieden, mich zu outen“, sagte sie. Sie merke, dass „in diesem Land irgendwas nicht stimmt“.

Unmut über die Regierung

Zwischen den Aufrufen zu solchen „Outings“ gab es auch immer wieder unterschwellige Drohungen. „Wer eine friedliche Revolution verhindert, macht eine gewaltsame unausweichlich“, wurde auf der Bühne zitiert. Die Politiker seien Lobbyisten, die Teilnehmer äußerten ihren generellen Unmut über die Regierung, auch über den Corona-Schutz hinaus.

Verhindert wurde am Sonntag jedenfalls stundenlang nichts, nur einige Zugänge zum Hansaplatz waren gesperrt, damit die Polizei am den beiden verbliebenen die Zahl der Personen zählen konnte. Besonders deutlich wurde ein Sänger, der sich als Teil der Duisburger Band „Die Bandbreite“ vorstellte. Er machte sich über Chinesen lustig, die ein „gefählliche Vilus“ gemeldet hätten. Er meinte: „Es gibt kein Sterben durch Corona in diesem Land.“

„Groko und Lügenpresse“

RKI-Präsident Lothar Wieler nannte er „Schweinedoktor“, Medien dürfe man nichts glauben und Impfungen seien Gift. Auf den Plakaten der Teilnehmer waren Dinge zu lesen wie „Groko und Lügenpresse kriegen heute auf die Fresse“ – die gemäßigten wollen die Maskenpflicht für Schüler verhindern oder befürchten eine Impfpflicht, die sie nicht mitmachen wollen.

Und dann gab es da noch Christian aus Bochum (53), der alleine mit einem Schild auf den Hansaplatz kam. „Nachdenken 2020 – Corona ist real“ stand darauf.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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