Dritter Pieks oder besser nicht? Nach den Vorfällen in Oberhausen äußern sich Experten © dpa
Covid-19

Wiederbelebung nach Drittimpfung: Das sagen Dortmunder Experten

Schwere Symptome und zwei Reanimationen nach der Drittimpfung: Die Vorfälle in einem Oberhausener Altenheim beschäftigen auch Dortmunder Einrichtungen. So gehen sie damit um.

Die Nachricht ließ aufhorchen: In einem Oberhausener Seniorenheim gab es wenige Tage nach einer Corona-Auffrischungsimpfung schwerwiegende Probleme.

Wie die Stadt Oberhausen bestätigte, mussten zwei Bewohner drei Tage nach ihrer dritten Biontech-Dosis wiederbelebt werden. Beide reanimierten Personen beklagten Vorerkrankungen. Insgesamt kam es bei 9 von 89 der geimpften Bewohner zu auffälligen Symptomen.

Die gesundheitlichen Störungen äußerten sich vor allem in Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und neurologischen Problemen. Den zwei betroffenen Patienten gehe es mittlerweile besser, sie befinden sich wieder auf normalen Stationen.

Zwar verstarb in der Oberhausener Einrichtung in dem Zeitraum auch eine Bewohnerin, die palliativ versorgt wurde. Doch sie gehörte nicht zur Personengruppe der Geimpften.

So geht es in Dortmund weiter

Nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein sei ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Reanimationen und den verabreichten Auffrischungsimpfungen nicht belegt. Im Bereich der KV sind bis zum 7. September 11.441 Vakzine als Immun-Update verabreicht worden. Dabei seien zu keinem Fall vergleichbare Impfreaktionen wie in der Oberhausener Pflegeeinrichtung bekannt geworden.

Die aufgetretenen Komplikationen werfen auch in Dortmunder Altersheimen und Senioreneinrichtungen die Frage auf, wie mit der Auffrischung des Corona-Schutzes umzugehen sei.

Seit Anfang September werden die sogenannten Booster-Impfungen an vulnerable Bevölkerungsgruppen und Über-60-Jährige verabreicht. In den AWO-Seniorenstätten etwa wurden bisher keine Erfahrungen mit der Drittimpfung gesammelt, wie es auf Anfrage der Ruhr Nachrichten heißt. Die Einrichtungsleitung kläre mit den Ärzten ab, ob das für die eigenen Bewohner in Frage kommt.

Zwischenfazit der Städtischen Seniorenheime

Bisher liegt zu dieser Angelegenheit noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) vor. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, erklärt daher, „dass die Impfungen nach ärztlichem Ermessen sowie individueller Abwägung erfolgen sollten – und auch nur dann, wenn der Abschluss der Covid-19-Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt.“

Ein Aussetzen der Auffrischung sei nach den Vorfällen in Oberhausen jedenfalls nicht notwendig.

An diese Empfehlungen der KV halten sich auch die acht Standorte der Städtischen Seniorenheime Dortmund. In den ersten neun Tagen seien von den 1000 Bewohnern knapp „zwei bis drei Dutzend“ geimpft worden, schätzt Geschäftsführer Martin Kaiser.

Sein Zwischenfazit: „keine Auffälligkeiten, keine negativen Reaktionen“. Die Gefährdungsprüfung obliege mittlerweile den Hausärzten, die in ihren Hausvisiten Risiken und Vorteile abwägen, so Kaiser: „Die Ärzte beschließen, ob die Bewohner geimpft werden. Wir haben nicht mehr dieses Massenimpfen.“

Dortmunder Immunologe: Keine neuen Symptome

Carsten Watzl, Professor für Immunologie an der Universität Dortmund, verweist auf die in Israel gesammelten Erfahrungen: „Von diesen Studien wissen wir, dass die Drittimpfungen genauso gut wie die zweiten wirken. Es ist nicht zu erwarten, dass neue Symptome auftreten.“

Bei der Auffrischung treten die gleichen Symptome auf, die aus den bisherigen Impfungen bekannt sind. Dies könne bei Manchen schwerere Nebenwirkungen zur Folge haben.

Der Immunologe rät davon ab, von diesen Einzelfällen auf die Gesamtlage zu schließen. Gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen oder einem angeschlagenen Immunsystem sei die Abwägung schwer, meint Watzl: „Das wäre so ein Fall, wo ich nicht impfen würde.“

Ähnlich sehe es bei Palliativ-Patienten aus, die nach der Booster-Impfung starke Symptome zeigen, so der Mediziner: „Da ist es natürlich immer schwer zu sagen, ob es an der Impfung lag. Aber ich vertraue da den Ärzten vor Ort.“

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