Wieder mehr Windpockenfälle in Dortmund - doch der Trend ist eindeutig

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Auch abseits von Corona hat das Robert-Koch-Institut (RKI) das Infektionsgeschehen in Dortmund im Blick. Die AOK Nordwest beruft sich auf RKI-Zahlen und meldet vermehrte Windpockenfälle.

Dortmund

, 04.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmund ist die Zahl der nach dem Infektionsschutzgesetz gemeldeten Windpocken-Fälle laut der Krankenkasse AOK Nordwest angestiegen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 83 Infektionsfälle gemeldet, in 2018 waren es 78.

Die Krankenkasse beruft sich dabei auf Zahlen des Dortmunder Gesundheitsamts, die dem Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin übermittelt worden waren.

„Windpocken gehören zu den häufigsten Kinderkrankheiten und sind äußerst ansteckend. Daher raten wir dazu, insbesondere Kinder gegen Windpocken impfen zu lassen. Die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI empfohlenen Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen selbstverständlich für ihre Versicherten bezahlt“, wird AOK-Service-Regionsleiter Jörg Kock in einer Pressemitteilung zitiert.

Fallzahlen sind trotzdem rückläufig

Bei genauerem Blick auf die Infektionszahlen der vergangenen Jahre, lässt sich allerdings beobachten, dass die Anzahl der Windpockenfälle in Dortmund insgesamt drastisch abgenommen hat.

Seit April 2013 sind Windpocken meldepflichtig. Im selben Jahr wurden laut dem Gesundheitsamt der Stadt noch 46 Fälle gemeldet. 2014 waren es dann 114 Fälle, 2015 sogar 123. Im Jahr 2016 wurden mit 131 Meldungen die meisten Windpockenfälle gezählt.

Seitdem war das Infektionsgeschehen stark rückläufig, wie die Statistik des Gesundheitsamts belegt. 2017 wurden dort 100 Fälle bekannt, 2018 dann wie seitens AOK und RKI kommuniziert 78 Fälle.

46 aktuelle Fälle

Im laufenden Jahr 2020 wurden bis einschließlich Mai laut Stadtsprecherin Anke Widow 46 Fälle bekannt. Hauptsächlich seien Kinder von Windpocken betroffen.

„Die Zahlen verteilen sich folgendermaßen: 87 Prozent der Erkrankten sind Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren; 13 Prozent der Fälle betreffen Erwachsene", so Anke Widow. Etwa 40 Prozent aller betroffenen Kinder seien zwischen fünf und neun Jahre alt.

Auslöser für Windpocken ist das sogenannte Varizellen-Zoster-Virus, das durch Tröpfcheninfektion über die Luft übertragen wird.

Das Virus zählt zu den Herpesviren. Die Ansteckungsgefahr beginnt einen Tag, bevor der Hautausschlag auftritt, und endet, wenn die Bläschen austrocknen.

Starker Juckreiz

Erst zehn Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung äußert sich die Infektion in Form von Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen und Fieber.

Ein bis zwei Tage später treten linsengroße rote Flecken auf der Haut auf, die sich zunächst in stark juckende Knötchen, anschließend in Bläschen verwandeln.

Die Bläschen sind mit einer wässrigen Flüssigkeit gefüllt, die in hohem Maße ansteckend ist. Innerhalb von ein bis zwei Wochen verkrusten sie und fallen ab.

Zwei Impfungen

Die erste sogenannte Varizellen-Impfung für Kinder wird von der STIKO im Alter von 11 bis 14 Monaten empfohlen.

Die zweite Impfung sollte in einem Lebensalter von 15 bis 23 Monaten erfolgen. Eine Impfung kann nachgeholt werden, wenn sie nicht im empfohlenen Alter erfolgte.

Anders als bei Kindern kann eine Windpockeninfektion bei Erwachsenen auch lebensbedrohlich werden. Infolge der Erkrankung kann sich nämlich eine schwere Lungenentzündung entwickeln.

Zudem besteht bei Schwangeren die Gefahr, dass sich eine Infektion auf das Ungeborene überträgt, was zu Fehlbildungen des Fötus führen kann.

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