Eine von 10 Impfstraßen im Impfzentrum Dortmund auf Phoenix-West © Stephan Schütze (Archivbild)
Impfkampagne

Wie viele Impfvordrängler gibt es im Impfzentrum Dortmund?

Rund 2000 Impfvordrängler pro Woche meldete jüngst das Impfzentrum in Hamburg. Wie viele Fälle gibt es in Dortmund? Offizielle Zahlen gibt es nicht. Eine vorsichtige Schätzung ist aber möglich.

Impfvordrängler sind aktuell ein heikles Thema. Solange sich noch nicht jeder gegen Corona impfen lassen darf, der das möchte, leidet die Gesellschaft an latentem Impfneid: Hat dieser oder jene die Impfung schon verdient? Oder hat er oder sie getrickst?

Das ARD-Magazin „Report Mainz“ hat jüngst eine Umfrage unter den großen deutschen Impfzentren gemacht, um zu sehen, wie viele Menschen versuchen, sich unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen schneller eine Impfung zu besorgen – beispielsweise durch gefälschte oder falsche ärztliche Atteste oder durch das Erfinden einer besonders schützenswerten Kontaktperson wie etwa einer Schwangeren.

Die Rückmeldungen zeigten: Impfvordrängler sind durchaus ein Thema in den Impfzentren. In Saarbrücken zum Beispiel werden nach Angaben von „Report Mainz“ bis zu 140 Vordrängler in der Woche erwischt, in München sind es bis zu 350. Das Hamburger Impfzentrum meldete zuletzt sogar 2000 Vordrängler in einer Woche.

Belastbare Zahlen aus dem Dortmunder Impfzentrum zu Impfvordränglern gibt es nicht. Darüber führe man keine Statistik, so Anke Widow, Pressesprecherin der Stadt Dortmund, die das Impfzentrum zusammen mit der KVWL betreibt.

Zwar komme es immer wieder vor, dass sich Menschen für einen Termin anmelden, obwohl sie laut Prioritätenliste noch nicht dran seien, aber das seien längst nicht alles wissentliche Impfvordränger, betont Widow. Dazu sei die Rechtslage zu komplex und ändere sich zu oft. „Um eine nennenswerte Größenordnung der Fälle handelt es sich nicht“, schließt Widow.

Vorstellbar wären rund 300 Vordrängler pro Woche

Die Erfahrungen einer Dortmunder Ärztin, die ehrenamtlich im Impfzentrum auf Phoenix-West arbeitet, lassen jedoch eine vorsichtige Schätzung zu. Dr. Sabine Hartmann impft dort maximal zwei Nachmittage pro Woche bis zu 150 Dortmunder pro Schicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählte sie, dass ihr etwa eine Handvoll mutmaßliche Impfvordrängler pro Woche auffallen.

Im Dortmunder Impfzentrum arbeiten laut Kassenärztlicher Vereinigung jeden Tag 22 Ärzte in zwei Schichten. Rechnet man Hartmanns Erfahrungen hoch und nimmt man an, dass es pro Arzt pro Tag zwei Impfvordrängler gibt, kommt man auf 44 Impfvordrängler am Tag beziehungsweise 308 Vordrängler pro Woche.

Gemessen an den rund 9000 Erstimpfungen, die vergangene Woche im Dortmunder Impfzentrum durchgeführt wurden, wären das etwas mehr als 3 Prozent aller Erstimpfungen.

Strafen müssen erwischte Impfvordrängler aktuell nicht fürchten – falsche Angaben bei der Anmeldung zur Impfung sind nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz aktuell noch nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit.

Bei den Verdachtsfällen, die die Dortmunder Impfärztin Hartmann entdeckt, wurden ihr zufolge die meisten trotzdem geimpft. Letzten Endes helfe jede Impfung. Trotzdem werde sie nicht gerne belogen: „Wir wollen das zumindest aufdecken.“

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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