Wie in Derne eine der letzten Dortmunder Flüchtlingsunterkünfte große Hilfe leistet

dzFlüchtlinge in Dortmund

Das Übergangsheim Derne war zeitweise die Heimat von Familie Ghorab. Nun öffnet es für einen Tag die Türen. Neben einem Kochevent wartet auf die Besucher eine internationale Mitmachaktion.

Derne

, 16.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Strukturen im Übergangswohnheim in Derne haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Waren dort anfangs vor allem syrische Menschen beheimatet, kommen die Hilfesuchenden heute zunehmend aus anderen Teilen der Erde. Am Freitag, 18. Oktober, bietet sich Besuchern die Gelegenheit, die Einrichtung an der Nierstefeldstraße und die unterschiedlichen Kulturen näher kennenzulernen.

Übergangswohnheim Derne als Ausgangspunkt

Mittlerweile leben mehrheitlich afrikanische Frauen in der vom Deutschen Roten Kreuz finanzierten Unterkunft, welche zu den letzten sechs Flüchtlingsheimen in Dortmund gehört. Aber auch aus anderen Regionen kommen Menschen nach Derne. Ein Beispiel für die erfolgreiche Integrationsarbeit der Helfer ist die Familie des Iraners Tahamtan Ghorab.

Gemeinsam mit seiner Frau Zoreh und den beiden Kindern ist der gelernte Fotograf vor dreieinhalb Jahren nach Dortmund gekommen. Aus Angst vor den Repressionen der Regierung im Iran machte sich die Familie auf den Weg nach Deutschland.

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Selbstständigkeit aufgegeben

„Wir haben im Iran alles aufgegeben, weil wir unseren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen wollten“, berichtet Ghorab, der in seinem Heimatland ein eigenes Grafikunternehmen leitete.

Über Frankreich sei seine Familie nach Dortmund gekommen und schlussendlich in Derne untergebracht worden. „Das Team um Leiter Abbasse So hat uns großartig unterstützt. Ohne die Hilfe hätten wir es nicht so weit geschafft“, erzählt der 45-Jährige.

So ist auch der Kontakt zu Thomas Fülle entstanden, der seit Jahren als ehrenamtlicher Helfer tätig ist. „Er hat uns enorm unter die Arme gegriffen. Von meinen beiden Töchtern wird Thomas schon ‚Opa‘ genannt.“

Die heute fünf- und achtjährigen Mädchen seien mittlerweile fast „waschechte Dortmunder Kinder“, so Fülle: „Wenn ich mit ihnen telefoniere, habe ich nicht den Eindruck mit iranischen Kindern zu sprechen.“ Die Ausdrucksweise gleiche eher Kindern, die im Ruhrgebiet aufgewachsen seien, witzelt der 65-Jährige.

Die Suche nach einer eigenen Wohnung

Rund ein halbes Jahr hat Ghorab mit seiner Familie in der Derner Hilfseinrichtung gelebt, ehe sie eine eigene Wohnung beziehen konnten. „Alleine schon aufgrund der bürokratischen Hürden ist dieser Schritt für Flüchtlingsfamilien ohne institutionelle Unterstützung kaum realisierbar“, erklärt Thomas Fülle.

Doch auch bei der Vermittlung von Arbeitsstellen und Kinderbetreuungsplätzen hilft das Übergangswohnheim. „Ich habe nun mehrere Praktika absolviert, meine Frau ist auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und unsere Töchter gehen in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule“, freut sich Ghorab.

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Familie mit großem Zukunftswunsch

Der große Traum der Familie bleibt aber die Selbstständigkeit. Wie schon im Iran plant der Familienvater die Eröffnung einer eigenen Grafikfirma: „Wir haben bereits einen Businessplan erstellt und warten nun auf die Antwort der Behörden.“

Tag der Begegnung im Übergangswohnheim

Unterdessen steht dem Übergangswohnheim ein besonderer Termin ins Haus. Am Freitag, 18. Oktober, veranstaltet die Einrichtung von 11 bis 18 Uhr einen Tag der Begegnung.

Dort stellen dann Bewohner aus Gambia, Guinea, Kamerun, Marokko, Nigeria und Iran unter dem Motto „7 Länder - 7 Gänge“ ihre kulturellen und kulinarischen Besonderheiten vor. Außerdem gibt es musikalische Darbietungen, ein Live-Kochevent mit Fair-Trade-Aktivisten und eine außergewöhnliche Mitmachaktion.

Hierbei können Kinder Teile eines Banners gestalten, welches zuvor bereits von Kindern in anderen Ländern der Welt bemalt worden ist. Das daraus entstehende „Miteinanderbanner“ soll die Kinder in den verschiedenen Ländern verbinden und als ein Zeichen für Zusammenhalt und Partnerschaft dienen.

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