Wie sich das Roto Theater nach 20 Jahren weiterentwickelt

dzTheater

Das Roto Theater sitzt seit Jahrzehnten in der Nordstadt. Doch ursprünglich kommt es aus einer ganz anderen Stadt – die Geschichte des Roto Theaters.

Hafen

, 14.11.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kleiner, verträumter Hinterhof in der Nordstadt, der durch ein großes Tor betreten wird und einem dann eine Welt eröffnet, die für Dortmund und weit darüber hinaus einzigartig ist.

Als Literatur-Theater hat sich das Roto Theater seit seiner Gründung 1998 durch Barbara Kleyboldt und Rüdiger Trappmann ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Dabei präsentieren sie auf hohem künstlerischen Niveau 150 Aufführungen im Jahr, zuzüglich einiger externer Gastspiele. Die Schwerpunkte liegen bei Dichterporträts, musikalischen Revuen und Komödien, mit einem Einzugsgebiet, das weit in das Sauerland, Münsterland und Rheinland reicht.

Wie sich das Roto Theater nach 20 Jahren weiterentwickelt

Barbara Kleyboldt als Schiller im Roto-Theater © Tilman Abegg (Archiv)

Die eigentliche Geschichte des Roto Theaters begann allerdings in Köln. Dort betrieb Trappmann gegenüber dem Millowitsch-Theater zwischen 1981 und 1991 das „Trapp Theater“, dem auch eine Theaterschule angeschlossen war. „Ich habe damals alles von Rüdiger gelernt“, sagt Kleyboldt, die zwischen dem 15 und 21 Lebensjahr Schülerin bei Trappmann war. Dort erlernte sie das Handwerk des Schauspiels und des Sprechens, das primär auf der Schauspielausbildung nach Stanislawski aufbaute.

Authentizität und Wahrhaftigkeit sind ganz wichtig

„Es geht um Authentizität, Wahrhaftigkeit und die Tatsache, dass der Schauspieler die Bühne füllen muss“, erklärt Kleyboldt. Dabei stehen der Schauspieler und seine Persönlichkeit im Vordergrund, was letztendlich zur Grundlage für die heutigen Aufführungen im Roto wurde.

Die gebürtige Kölnerin Kleyboldt folgte dem Dortmunder Trappmann ins Ruhrgebiet und 1996 boten sie die ersten Theaterkurse im Dietrich-Keuning-Haus an. Es folgte 1998 der Umzug in die Mallinckrodtstraße 163, in ein Hinterhaus neben dem Kino Camera. Am 14. Oktober 1998 trat das Roto Theater mit der musikalischen Revue „Love’s shadow“ zum ersten Mal an die Öffentlichkeit, aufgeführt in der Zeche Zollern II/IV.

Die erste eigene Inszenierung des Ensembles des Roto Theaters folgte im Mai 2000 mit dem Stück „Kasimir und Karoline von Ödon“ von Horvath. Mit dem Umzug zum heutigen Standort am Blücherpark im Jahre 2002 wurde dann die Grundlage für die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte dieses einzigartigen Theaters gelegt. Es wurde im Hinterhof eine eigene Theaterwelt geschaffen, die Gemütlichkeit mit Persönlichkeit verbindet und 75 Sitzplätze bietet. Die Zahl der Aufführungen nahm mehr und mehr zu und so schloss 2008 die Theaterschule, da sie sich ganz dem Theaterbetrieb widmeten.

Das Theater der Dichter und Denker

Bisher zeigte das Theater 47 unterschiedliche Inszenierungen, die von Dichterporträts wie Rilke, Tucholsky, Ringelnatz, Hesse, Fontane oder Schiller bis hin zu musikalischen Revuen von Udo Jürgens, einem französischen Chanson Abend oder aktuell Hildegard Knef reichen. Dazu kommen humoristische Abende wie „Der Heinz Erhardt Abend“ oder „Der neue Loriot Abend“.

Der Loriot Abend wird Ende Januar 2020 nach 300 Aufführungen auslaufen, weil man keine Verlängerung von Vicco von Bülows Tochter bekommen habe. Doch neue Stücke sind in Arbeit und bevor vielleicht Nelly Sachs oder Thomas Mann den Weg auf die Bühne finden, wird es am 20. Dezember die Premiere von „Else Laska-Schüler“ geben.

Wie sich das Roto Theater nach 20 Jahren weiterentwickelt

„Der neue Loriot Abend“ wird Ende Januar 2020 zum letzten Mal im Roto Theater aufgeführt. Er gehörte zu den beliebtesten Formaten bei den Besuchern. © Didi Stahlschmidt

Kleyboldt lässt Lasker-Schüler dabei in ihren Gedichten, der Lebensgeschichte und ihrer Darstellung lebendig werden. „Bei all diesen Formaten ist der Schauspieler gefragt und da wir beim Bühnenbild lediglich auf Bilder setzen und mit ihnen spielen“, sagt Trappmann.

Nicht zu vergessen ist die selbst gemachte Tomatensuppe, die in der Pause fester Bestand des Programms ist und von der nach eigenen Schätzungen 50.000 Liter gegessen wurden.

Gastspiel: „Andreas Weißert liest aus Literatur und Lyrik“, 15. Dezember, 18 Uhr. Premiere: „Else-Lasker-Schüler“ am 20. Dezember, 19.30 Uhr. Mehr Informationen zum Roto Theater, Gneisenaustraße 30, unter Tel. 42 27 79, per E-Mail an rototheater@rototheater.de oder auf www.rototheater.de
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