Wie haben Dortmunds Altenheime den Extremtest Muttertag überstanden?

dzBesuchs-Premiere

Ausgerechnet zum Muttertags-Wochenende sollten die Dortmunder Pflegeeinrichtungen wieder öffnen. Es war ein Extremtest, bei dem nicht alles klappte.

Dortmund

, 11.05.2020, 12:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Nachricht, dass die Seniorenheime nach fast zwei Monaten Lockdown pünktlich zu Muttertag (10.5.) wieder für Besucher öffnen, traf die Einrichtungen am Donnerstag (7.5.) teilweise wie ein Schlag. „Wir sind völlig überrascht worden“, sagt Martin Kaiser, Geschäftsführer der insgesamt acht städtischen Seniorenheime.

Mit dem „Testlauf“ für die Wiedereröffnung der Heime sei er aber „super zufrieden“, sagt er am Montag (11.5.). Allerdings gibt er auch zu: „Es war nicht alles perfekt.“

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Dass gerade der Muttertag als Testlauf herhalten musste, hatte was von einem Extremtest. Denn zu Muttertag kommen traditionell viele Besucher. „200 bis 250 Besucher hatten wir in etwa über die acht Standorte verteilt“, sagt Kaiser. Das sei in etwa der Wert wie im vergangenen Jahr, schätzt er.

Man müsse bedenken: „Wenn die Heime für Besucher geöffnet sind, sind sie auch für Corona geöffnet.“ Deshalb habe man bei manchen Besuchern schon um Verständnis für die strengen Maßnahmen bitten müssen.

Besuche durften maximal 15 Minuten dauern

Doch die Diskussionen, die es mit vereinzelten Besuchern gegeben hat, hätten sich insgesamt in Grenzen gehalten. Manche hätten nicht verstehen können, warum sie nicht auf das Grundstück dürften, um ihre Mutter am Fenster zu begrüßen. Doch zu Extremfällen sei es in den städtischen Heimen nicht gekommen, sagt er.

In den städtischen Heime gab es einen abgetrennten Besucherbereich und Scheiben zwischen Bewohnern und Besuchern. Besuche durften zudem nur nach Voranmeldung in Zeitfenstern von bis zu einer Viertelstunde erfolgen.

Daran hätten sich ausnahmslos alle gehalten, freut sich Kaiser. Er sagt, grundsätzlich haben die Angehörigen „sehr genau begriffen, worum es geht“ - nämlich das Coronavirus aus den Heimen herauszuhalten.

„Unsere Pflegekräfte sind auch Mütter“

Allerdings gibt Martin Kaiser auch zu: Für die technische Ausstattung gebe es „Optimierungsbedarf“. Die durch eine Scheibe getrennten Bewohner und Besucher hätten mit Walkie-Talkies gesprochen. Mit Handys kämen nicht alle Besucher klar. „Wir haben jetzt die Erfahrung gemacht, dass sich das klassische Babyfon oder auch eine Mikrofonanlage gut eignen“, sagt Kaiser.

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Kaiser richtet die Aufmerksamkeit auf noch einen negativen Aspekt des Sonntags: „Unsere Pflegekräfte sind auch Mütter“, sagt er. Den Tag mit „erhöhter Mannschaft“ zu bewältigen sei jedoch nötig gewesen.

Maßnahmen sind „aus der Not geboren“

Auch im Evinger Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gebe es bei der Technik Verbesserungspotenzial. Hier haben die vorab angemeldeten Besuche in der großen Holzhütte auf dem Gelände stattgefunden. Die Hütte wird normalerweise für Veranstaltungen genutzt.

Höchstens sechs Bewohner konnten hier gleichzeitig für je eine halbe Stunde besucht werden – 35 insgesamt über den Tag verteilt. Danach brauchte es nochmal je eine halbe Stunde zur Reinigung des Besuchsraums. „Die Besucher haben sich sehr gefreut“, sagt Awo-Bereichsleiter Mirko Pelzer.

Durch die Plexiglasscheibe zu sprechen, habe hier und da allerdings nicht einwandfrei funktioniert. „Die Akustik war nicht so gut“, sagt er. Deshalb habe man teilweise nur einzelne Besucher hineinlassen können. „Da müssen wir nachbessern.“

Doch die allermeisten Besucher haben laut Pelzer großes Verständnis dafür gezeigt, dass die Maßnahmen aufgrund der Kurzfristigkeit „aus der Not geboren“ sind.

Nicht alle Bewohner konnten besucht werden

Beim Lütgendortmunder Altenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes konnten am Sonntag 29 Bewohnerinnen und Bewohner besucht werden – über 50 Angehörige seien insgesamt da gewesen, sagt Sprecher Klaas Pütschneider.

Dem großen Einsatz der Ehrenamtlichen und dem Verständnis der Besucher sei es zu verdanken, dass es „kein Gedränge und kein Gemotze“ gegeben hat, sagt er.

Hier konnten jeweils zwei Bewohner gleichzeitig für eine halbe Stunde besucht werden. Das heißt jedoch auch, dass nicht alle Angehörigen für diesen Tag Termine bekommen konnten. „Das versuchen wir jetzt nachzuholen“, sagt Pütschneider.

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Im Schnitt waren in den sieben Altenzentren der Caritas zwischen 20 bis 30 Besucher pro Einrichtung, sagt Sprecherin Sarah von Borzestowski.

Der Muttertag sei eine große Herausforderung gewesen – auch hier konnten nicht alle Besuchsanfragen ermöglicht werden, sagt sie. Dennoch habe es viel Zuspruch für die Sicherheitsmaßnahmen gegeben.

Johanniter-Stift: „Es war einfach perfekt“

Der Einrichtungsleitung im Johanniter-Stift in Hörde ist eine riesige Last von der Schulter gefallen. Die Nachricht über die Öffnung zu Muttertag hatte dort Sorgen ausgelöst.

„Wir haben vorher nicht gerade vor Jubel geklatscht“, sagt Einrichtungsleiterin Stefanie Scheer. Doch so, wie sie im Nachhinein vom Tag erzählt, könnte man meinen, dass sie jetzt vor Jubel klatscht. „Es war einfach perfekt“, sagt sie.

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Direkte Besuche gab es hier noch nicht. Allerdings viele sogenannte „Fenstertermine“, die das Johanniter-Stift bereits seit etwa zwei Wochen für Besucher macht. Bis Ende der Woche wolle man ein Konzept für die Outdoor-Begegnung entwickeln.

Für dieses Wochenende war es etwas kurzfristig, sagt sie. Die Angehörigen seien jedoch allesamt verständnisvoll gewesen, sagt sie. „Wir hatten da unsere Befürchtungen, doch es war nicht einer, der quergeschossen hat.“

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