Wie eine Dortmunderin jeden Tag Phantasien rettet

dz40 Jahre „Die unendliche Geschichte“

Der 40. Geburtstag des Klassikers „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende wird gefeiert. Für eine Dortmunderin hat das Buch eine ganz besondere Bedeutung.

von Lea Fuchs

Dortmund

, 20.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende gibt es seit 40 Jahren. Das wird gefeiert. Dafür hat der Thienemann-Verlag 22 Personen, die eine enge Verbindung zu dem Buch haben, zu Botschaftern Phantasiens ernannt. Unter den Botschaftern sind ein paar bekannte Namen, so wie Henning Baum, Eckart von Hirschhausen, Uwe Ochsenknecht, Ralph Caspers und Sebastian Fitzek. Und in die Reihe bekannter Personen stellt sich die Dortmunderin Eva Helmsorig. Sie betreibt eine Bilderbuchwerkstatt und „rettet damit täglich Phantasien“.

In der Mitte des Raums der Bilderbuchwerkstatt steht ein großer Tisch mit Stühlen. Die Wände sind geschmückt mit Bildern. Ein paar sind selbstgemalt, einige von Kindern, die bei Eva Helmsorig ihr eigenes Bilderbuch gemacht haben. Generell ist die Bilderbuchwerkstatt sehr bunt und sieht so aus, wie man sich einen Raum, wo gebastelt wird, vorstellt: Eine geordnete Unordnung. In den Ecken stehen Schuhkartons mit Linoleumdruckvorlagen und an der Wand steht ein Bücherregal mit den Büchern der Kinder, die ihre für Eva Helmsorig da gelassen haben. „Für mich ist es immer ein Erlebnis, wenn die Kinder mir ihre Bücher schenken. Dann fühle ich mich wie die kindliche Kaiserin, die wiedergeboren wird“, erzählt sie.

„Die Kinder schaffen ihr eigenes Phantasien“

1000 Bücher hat sie mittlerweile mit den Kindern gemacht. Gesponsert wird sie dabei von der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost und Jugendstil-Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW. „Die Kinder denken sich eine Geschichte aus und malen die Bilder dazu. Ich tippe ihre Geschichten dann ab, damit das etwas professioneller aussieht“, erzählt Eva Helmsorig, „das Buchcover drucken wir mit Linoleumplatten. Dafür habe ich noch eine alte Handpresse. So schaffen die Kinder ihr eigenes Phantasien.“

Wie eine Dortmunderin jeden Tag Phantasien rettet

Henry, Eva Helmsorig und Mathilda zeigen die selbstgemachten Bilderbücher. © Lea Fuchs

Erfahren hat Eva Helmsorig von der Ausschreibung des Thienemann-Verlags über Facebook. „Als ich das gesehen habe, habe ich gedacht, wer, wenn nicht ich“, sagt sie, denn das Buch hat einen besonderen Platz in ihrem Leben. „Dieses Buch war für mich der Anlass, mich zur Buchhändlerin ausbilden zu lassen und Publizistik zu studieren.“ Und damit nicht genug. Vor 13 Jahren hat sie die Bilderbuchwerkstatt gegründet, wo sie zusammen mit Kindern ihre Fantasien zu Bilderbüchern formt. „Damit rette ich immer wieder Phantasien“, erzählt Eva Helmsorig und spielt damit auf die Handlung in Michael Endes Buch an. Dort ist Phantasien bedroht, weil Kinder nicht an das Land glauben. Erst mit Fantasie kann der Held Sebastian es retten.

Angefangen hat das Ganze mit zwei Nachbarskindern. Nun hatte sie seit sieben Jahren durchgängig Kinder da, die ihre Fantasien zu Bilderbüchern machen möchten.

Beim Vorlesen kommen alte Emotionen hoch

Mathilda und Henry haben auch schon Bücher bei ihr gemacht. Sie erzählt den beiden „Die unendliche Geschichte“ und weint sogar fast dabei. „Das Buch macht mich immer wieder baff, denn es enthält das Geheimnis des Lebens: Lieben und geliebt zu werden“, sagt sie. Eigentlich habe Fantasy den Ruf, dass man mit den Geschichten aus der Realität flüchtet, doch „Die unendliche Geschichte“ sage das Gegenteil, findet Eva Helmsorig: „In dem Buch geht es darum, dass der Protagonist sich nicht in seinen Fantasien verlieren soll.“

Wie eine Dortmunderin jeden Tag Phantasien rettet

Eva Helmsorig liest „Die unendliche Geschichte“. © Lea Fuchs

Ihre Geschichte hat Eva Helmsorig beim Thienemann-Verlag eingereicht und wurde dadurch zur Botschafterin Phantasiens. Dafür hat sie eine Schmuckausgabe von „Die unendliche Geschichte“ mit einer Widmung des Illustrators Sebastian Meschenmoser geschenkt bekommen. Eine Frage war, was das Buch einem bedeutet. „Ich muss gestehen, ich hatte das Buch 40 Jahre nicht mehr gelesen, als ich die Ausschreibung auf Facebook gesehen habe. Jetzt habe ich das Buch nochmal gelesen und alle Passagen unterstrichen, die wichtige Botschaften enthalten. Das Buch ist jetzt total bunt“, erzählt Eva Helmsorig.

Weitere Informationen bei Eva Helmsorig unter Tel. 596211 oder unter eva.helmsorig@dokom.net
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt