Wie ein Gartenhäuschen in Eving zum Klassenzimmer wurde

dzGartenserie „Querbeet“

In der Kleingärtneranlage Grüne Tanne wird eine Parzelle von Schülern gepflegt. Dafür gibt es sogar eine extra AG. Den Kindern soll so die Natur nähergebracht werden.

Eving

, 03.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

30 Grad Celsius draußen, fast genauso viele im Klassenraum: Da wird bei Schülern oft der Wunsch geäußert, draußen Unterricht zu machen. Meistens wird die Bitte von den Lehrern abgelehnt. Anders sieht das an der Theodor-Heuss-Realschule in Eving aus, die einen eigenen Schulgarten hat.

„Alle Lehrer sind herzlich eingeladen, in den Garten zu kommen und zu unterrichten“, sagt Ulrich Gerdesmeyer, Konrektor der Schule. Der Vorteil: Der schuleigene Garten, dessen Pacht aufgrund der pädagogischen Nutzung der Parzelle vom Stadtgartenverband übernommen wird, liegt nur wenige hundert Meter vom Schulgebäude entfernt.

Der Schulgarten mit der großen Kräuterspirale und dem dem Gartenhaus im Hintergrund.

Der Schulgarten mit der großen Kräuterspirale und dem Gartenhaus im Hintergrund. © Tobias Larisch

Direkt neben der Realschule liegt der Kleingärtnerverein Grüne Tanne, auf dessen Anlage der Schulgarten liegt, und wo Lothar Schnabel seit 40 Jahren einen Garten hat. „Die Parzelle stand frei, deswegen habe ich mit der Schule Kontakt aufgenommen“, sagt der ehemalige Vorsitzende des Vereins. „Der damalige Schulleiter war von der Idee eines Schulgartens begeistert.“

Jetzt lesen

Seit 2016 wird der Garten von den Schülern gepflegt, wobei anfangs erst einmal die Rückstände aus den vollgewucherten Beeten entfernt werden mussten. Von mehreren Spenden finanziert, die laufenden Kosten werden aus dem Schuletat bezahlt, wurde der Schulgarten mit der tatkräftigen Hilfe von anderen Pächtern so, wie er heute ist.

Die Schüler ernten die unter Anleitung von Lehrerin Martina Baehren die Gemüse aus dem Hochbeet.

Die Schüler ernten die unter Anleitung von Lehrerin Martina Baehren die Gemüse aus dem Hochbeet. © Tobias Larisch

Mehrere Hochbeete wurden angelegt, das Gartenhaus wurde zu einem Klassenraum für schlechtes Wetter umgebaut und die Fassade künstlerisch gestaltet sowie eine große Kräuterspirale errichtet. Dazu wurden Sonnensegel gespannt und Pavillons angeschafft.

Besonderes Highlight für die Kinder: Die von Imker Konrad Rokuß aufgestellten Bienenvölker. Außerdem gibt es einen Bienenschaukasten, in dem die Schüler die Tiere gefahrlos beobachten können. „Mir gefallen die Bienen am besten“, sagt Bre aus der Klasse 8c.

Schülerin Gülcan am Bienenschaukasten - auf der Suche nach der Bienenkönigin.

Schülerin Gülcan am Bienenschaukasten - auf der Suche nach der Bienenkönigin. © Tobias Larisch

Seiner Klassenkameradin Gülcan wird im Schulgarten nie langweilig. „Es gibt hier immer etwas Neues zu lernen“, sagt die 13-Jährige. „Und es ist so schön bunt hier.“ Mitschülerin Julia freut sich, dass sie das Gelernte aus dem Schulgarten in ihrem eigenen Beet zuhause anwenden kann.

SO KÖNNEN SIE AN UNSERER GARTENSERIE TEILNEHMEN

Auch Sie möchten Ihren Garten oder Balkon vorstellen? Dann schicken Sie einfach eine E-Mail an do-nordost@lensingmedia.de oder melden Sie sich unter Tel. (0231) 9059-4821.

Bre ist auch in der Garten-AG, die sich einmal in der Woche um den Garten kümmert. Geleitet wird das Schulgarten-Projekt von Martina Baehren. „Die Gartenarbeit ist natürlich harte, körperliche Arbeit für die Schüler, aber dafür werden sie mit den Ergebnissen belohnt“, sagt die Biologie- und Chemie-Lehrerin.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Klassenzimmer im Grünen: Schüler haben ihren eigenen Schulgarten

In der Kleingärtneranlage Grüne Tanne wird eine Parzelle von Schülern gepflegt. Dafür gibt es sogar eine extra AG. Den Kindern soll so die Natur nähergebracht werden.
03.08.2020
/
Der Schulgarten mit der großen Kräuterspirale und dem dem Gartenhaus im Hintergrund.© Tobias Larisch
Die Kräuterspirale haben die Schüler eines Biologie-Kurses aus der neunten Klasse selbst errichtet.© Tobias Larisch
Im Schulgarten kann der Biologie-Unterricht an der frischen Luft und in der Natur stattfinden.© Tobias Larisch
Im Bienenschaukasten können die Tiere gefahrenlos beobachtet werden.© Tobias Larisch
Schülerin Gülcan am Bienenschaukasten - auf der Suche nach der Bienenkönigin.© Tobias Larisch
Imker Konrad Rokuß hat die Bienenvölker aufgestellt und kümmert sich auch darum.© Tobias Larisch
Lehrerin Martina Baehren hält eines der Bienenvölker in der Hand und zeigt es den Schülern.© Tobias Larisch
In der „Wilden Ecke“ wird alles wachsen gelassen, was aus dem Boden sprießt.© Tobias Larisch
In den Beeten werden Gemüse wie Radieschen, Möhren, Zucchinis und Bohnen und Tomaten angebaut.© Tobias Larisch
Im Schulgarten lassen sich viele bienenfreundliche Blumenarten wie Rosmarin, Lavendel, Kugeldisteln, Blutweiderich und Storchschnabel finden.© Tobias Larisch
In den Hochbeeten sind verschiedene Gemüse angebaut.© Tobias Larisch
Die Schüler ernten die unter Anleitung von Lehrerin Martina Baehren die Gemüse aus dem Hochbeet.© Tobias Larisch
Im Schulgarten gibt es zwei Tafeln, die die Schüler über die vorkommenden Tiere und Pflanzen informieren.© Tobias Larisch
Im Schulgarten gibt es zwei Tafeln, die die Schüler über die vorkommenden Tiere und Pflanzen informieren.© Tobias Larisch

Da die Zeit mit der AG nicht zur Pflege des Schulgartens reiche und die in den Ferien auch ausfalle, verbringt Baehren auch in der Freizeit viel Zeit im Garten. „Der Garten kennt keine Ferien“, sagt sie. „Das mache ich aber gerne.“

Jetzt lesen

Konrektor Herdesmeyer lobt das Engagement. „Die Ermäßigungsstunden für die Lehrer reichen bei weitem nicht aus, um die Zeit für die Pflege abzudecken“, sagt er. Der Schulgarten wird aber nicht nur von der Schulgarten-AG, sondern auch von anderen Klassen genutzt.

Im Schulgarten kann der Biologie-Unterricht an der frischen Luft und in der Natur stattfinden.

Im Schulgarten kann der Biologie-Unterricht an der frischen Luft und in der Natur stattfinden. © Tobias Larisch

Neben dem Biologie-Unterricht fanden dort bereits Mathe-Stunden statt, in denen die Beete, Wege und Gebäude vermessen sowie anschließend die Flächen davon berechnet wurden. „Durch den Praxisbezug fällt ihnen die Theorie deutlich einfacher“, sagt Lehrerin Baehren.

Schnabel, der in der Kleingartenanlage für den Schulgarten und den angrenzenden Spielplatz verantwortlich ist, lege Wert darauf, den Kindern die Natur früh nahe zu bringen. „Es ist wichtig, dass sie sehen, wie Pflanzen wachsen“, sagt er.

Schüler haben ihr Wissen an Grundschüler weitergegeben

Genauso wichtig sei es, dass die Schüler eine Möglichkeit haben, ihr gelerntes Wissen auch weiterzugeben. Deswegen haben vergangenes Jahr drei Grundschulklassen der benachbarten Herder Grundschule den Schulgarten besucht, die von den Teilnehmern der Garten-AG mit viel Freude betreut wurden.

Lesen Sie jetzt