Wie der „Wärmebus“ Obdachlosen im Corona-Sommer besonders hilft

dzDortmunder Hilfsprojekt

Der Dortmunder „Wärmebus“ half auch im Vorjahr den Obdachlosen nicht nur im Winter. Doch in diesem Sommer sind die Helfer noch öfter unterwegs - denn Bedürftige brauchen mehr Hilfe als zuvor.

Dortmund

, 03.07.2020, 12:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2018 hilft der sogenannte „Wärmebus“ Obdachlosen in Dortmund in der kalten Jahreszeit mit warmen Getränken und Speisen, medizinischer Versorgung und Heizstrahlern. Auch im Sommer sind die Helfer mit dem Bus unterwegs – in der Corona-Zeit aber noch öfter als vorher. Das wollen die Initiatoren erst einmal beibehalten.

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Im November 2018 ging das Projekt „Wärmebus“ des Malteser Hilfsdienstes Dortmund, der Katholischen Stadtkirche Dortmund und der Katholischen St.-Johannes-Gesellschaft an den Start. An drei Abenden in der Woche – montags, mittwochs und freitags – ist der Kleinbus im Winter in der Dortmunder Innenstadt unterwegs.

Wärmebus im März und April täglich unterwegs

Auch im Sommer versorgt der Wärmebus die Obdachlosen in Dortmund, dann aber meist an einem Tag in der Woche. Seit Beginn der Corona-Krise sind die Helfer mit dem Bus besonders oft unterwegs – viel Suppe und Kaffee und weitere Verpflegung wird benötigt.

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„Im März und April waren wir fast jeden Tag mit unserem Wärmebus unterwegs“, sagt Stefan Wehrmann von der Katholischen St.-Johannes-Gesellschaft, einer der Projektkoordinatoren, gegenüber unserer Redaktion. Seit Anfang Juni würden die ehrenamtlichen Helfer an zwei Tagen in der Woche zuerst am Dortmunder U, dann am Nordmarkt vor Ort sein.

Wehrmann erklärt, warum Obdachlose in der Corona-Zeit besonders auf die Hilfe der Wärmebus-Kräfte angewiesen sind: „Viele Hilfsangebote für Bedürftige wie die Kana-Suppenküche waren oder sind seltener geöffnet oder fallen teilweise komplett weg.“ Viele der ehrenamtlichen Helfer seien Rentner - also Menschen, die auch oft zur Corona-Risikogruppe gehören.

„Diese Kräfte fehlen den Institutionen“, erklärt er, „aber auch viele Räumlichkeiten fallen weg, wenn der Mindestabstand dort nicht eingehalten werden kann.“ Wenn weniger Menschen auf den Straßen unterwegs sind, sei es zudem für Obdachlose schwieriger, tagsüber Geld zu erbetteln.

Hygiene-Maßnahmen auch beim Wärmebus-Team

„Weil es für die Obdachlosen aktuell besonders schwierig ist, helfen wir verstärkt“, erklärt Stefan Wehrmann weiter. Pro Fahrt würden die Helfer durchschnittlich 120 Liter Suppe an etwa 200 Bedürftige austeilen. Sechs bis sieben Ehrenamtler würden bei einer Fahrt mithelfen.

Bei den Wärmebus-Fahrten gebe es nun für die Helfer einiges zu beachten: „Beim Austeilen tragen wir Mundschutz und Handschuhe, und die Bedürftigen bekommen von uns Desinfektionstücher. Körperkontakt gibt es auch nicht“, so Wehrmann.

Thomas Ohm vom Stadtverband der Malteser merkt an: „In der Dortmunder Bevölkerung herrscht großes Engagement. Das fing schon bei der Flüchtlingskrise an, und das merkt man auch jetzt bei der Obdachlosen-Hilfe.“ Daher Ohms Lob: „Ich danke der Dortmunder Stadtgesellschaft - und bin stolz auf die ganze Bevölkerung.“

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Ein Vorteil des Wärmesbus-Projekts sei, dass die wenigsten Helfer zur Risikogruppe gehören würden. Große Personalausfälle gebe es daher nicht. Im Gegenteil: „Das Interesse ist groß; wir haben einen großen Zulauf“, sagt Thomas Ohm.

Das "Wärmebus"-Team hat in Corona-Zeiten keine Personalnot, im Gegenteil: Das Interesse am Projekt ist groß.

Das "Wärmebus"-Team hat in Corona-Zeiten keine Personalnot, im Gegenteil: Das Interesse am Projekt ist groß. © Projekt "Wärmebus"

Herzerwärmende Gespräche auch mit Maske

Im Moment sei die Personalsituation beim Wärmebus-Team gesichert. Daher wolle man die aktuelle Taktung erst einmal bis zum Oktober beibehalten und auch im Winter wieder drei Mal in der Woche die Obdachlosen versorgen. „Wenn es eine zweite oder dritte Welle geben sollte, können wir ebenfalls reagieren und dann eventuell wieder öfter rausfahren“, ergänzt Ohm.

Und wie reagieren die Obdachlosen? „Sie sind alle sehr dankbar und halten sich auch fast immer an die Hygienemaßnahmen“, so Thomas Ohm. Ein Grund dafür: „Wir sind mit unseren Gesprächen für alle da. Und ein offenes Ohr und ein freundliches Gesicht sind auch unter der Maske möglich.“

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