Extremwetterereignisse wie Dürren und heftige Unwetter sind typische Klimafolgen in Mitteleuropa und werden in Zukunft auch in Dortmund häufiger werden. © picture alliance/dpa
Globale Erwärmung

Wie der Klimawandel Dortmund treffen könnte – drei Szenarien

Dortmund wird wärmer. Um wie viel Grad, das haben wir in der Hand. Drei Szenarien zeigen nun, wie der Klimawandel Dortmund treffen könnte. Sicher ist schon jetzt: Die Extreme werden extremer.

Der Klimawandel wird in den kommenden Jahrzehnten das Leben auf der Erde verändern. Ein deutsches Projekt erlaubt nun einen sehr konkreten Ausblick, wie der Klimawandel Dortmund treffen würde.

Basierend auf den Ergebnissen von 85 Klimamodellen haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Hereon für alle deutschen Kreise ausgewertet, wie sich Temperatur, Hitzewellen, Niederschlag und 14 weiteren Kennzahlen jeweils im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1971-2000 verändern könnten.

Ihre Analyse basiert auf drei Szenarien, die jeweils verschiedene Annahmen für soziale, ökonomische und politische Faktoren treffen. Wie würde sich Dortmund jeweils verändern?

Extremereignisse kommen häufiger und werden schlimmer

Das schlimmste der drei Szenarien (RCP8.5) nimmt an, dass der Ausstoß von Treibhausgasen global weiter ansteigt. In diesem Szenario würde die durchschnittliche Temperatur in Dortmund bereits zur Mitte des Jahrhunderts (2036-2065) im Mittel noch einmal um 1,8 Grad steigen; bis zum Ende Jahrhunderts (2069-2098) sogar um 3,2 Grad.


Das bedeutet allerdings nicht, dass es einfach an den meisten Tagen ein oder zwei Grad wärmer wird. Durch die Erwärmung geraten große Systeme aus dem Gleichgewicht mit dem Ergebnis, dass die Extreme extremer werden. Sie kommen häufiger, werden schlimmer und Treffen Dortmund an empfindlichen Punkten.

Mehr Regen, vor allem im Winter

So würde zum Beispiel die Niederschlagsmenge in Dortmund bis zum Ende des Jahrhunderts im Mittel um 6,2 Prozent steigen. Dieser Regen wäre aber nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt. Die Sommer würden deutlich trockener, die Winter deutlich regenreicher - auch weil vieles, was sonst als Schnee auf die Erde fiele, wegen der Erwärmung zu Regen wird.

Häufigere Starkregenereignisse sind eine typische Klimafolge in ganz Mitteleuropa. Wo Dortmund besonders durch Starkregen gefährdet ist, hat die Stadtverwaltung online auf einer Gefahrenkarte dargestellt. Sie zeigt die jeweils höchsten Pegelstände vergangener Unwetter.

Problemstellen gibt es über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Sie konzentrieren sich allerdings entlang der Gewässer. Zum Beispiel die Emscher und der Lohbach führen beide durch bewohnte Gebiete und traten bei vergangenen Unwettern über die Ufer. Auch stark versiegelte oder tieferliegende Gebiete wie zum Beispiel der Hauptbahnhof und die Schützenstraße oder Teile von Brackel, Lütgendortmund und Hörde waren bereits stärker von Hochwassern betroffen.

Längere Hitzewellen treffen dicht besiedelte Viertel

Doch nicht nur Wasser sondern auch Hitze und Trockenheit würden in Dortmund zum Problem. So gäbe es im schlimmsten Szenario zum Ende des Jahrhunderts im Mittel etwa dreimal so viele Tage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad. Hitzewellen mit mehreren Tagen über 30 Grad nacheinander wären doppelt so lang und kämen häufiger. Die Zahl der tropischen Nächte pro Jahr mit Temperaturen über 20 Grad würde auf das 35-fache ansteigen. Andersherum gäbe es rund 42 Frosttage pro Jahr weniger.

In Großstädten wie Dortmund kann sich die Hitze stauen und wird schnell zur Gesundheitsgefahr. Vor allem Menschen, die Herz- oder Lungenleiden oder einen schwachen Kreislauf haben, sind gefährdet.

Im Auftrag der Dortmunder Stadtverwaltung hat der Regionalverband Ruhr 2019 eine Klimaanalyse aufgestellt, die solche Gefahren genauer untersucht. Ihre Ergebnisse sind online auf klima.geoportal.ruhr einzusehen.

Demnach sind besonders die dicht bebauten und bewohnten Viertel der Innenstadt von der Hitze bedroht. Auch einige Stadtteilzentren, zum Beispiel Hörde, Scharnhorst und Lütgendortmund, sind überdurchschnittlich gefährdet.

Früheres wärmeres Wetter würde auch die Landwirtschaft aus dem Takt bringen. Im Extremfall könnten bestimmte Getreidesorten wie zum Beispiel Weizen nicht mehr angebaut werden. Die Schädlingsbelastung würde durch die Erwärmung zunehmen und Erträge weiter reduzieren.

Schon während der außergewöhnlichen Dürre im Jahr 2019 litten die Dortmunder Landwirte. Trotz künstlicher Bewässerung fielen die Erträge geringer aus. Mehrere Felder fingen damals innerhalb weniger Wochen von allein Feuer.

Aktuelle Maßnahmen bringen Nutzen zum Ende des Jahrhunderts

Das mittlere der drei Szenarien (RCP4.5) nimmt an, dass in etwa die heute geplanten Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Für Dortmund sind in diesem Szenario die gleichen Trends wie im schlimmeren Szenario zu sehen, allerdings mit weniger starken Ausprägungen.

Positive Unterschiede zeigen sich vor allem für das Ende des Jahrhunderts. So würde zum Beispiel die Temperatur in Dortmund dann im Mittel um 2 Grad (1,2 Grad weniger als in RCP8.5) steigen; bis zur Mitte des Jahrhunderts allerdings immer noch um 1,5 Grad (nur 0,3 Grad weniger).

Krisen in anderen Regionen werden sich auf Dortmund auswirken

Neben den direkten Folgen der Erwärmung in der Region übertragen sich auch Klimafolgen in anderen Regionen indirekt auf Dortmund.

Um den ansteigenden Meeresspiegel muss sich Dortmund selbst zum Beispiel nicht sorgen. In der EU wären laut dem aktuellen Bericht des Weltklimarats IPCC in den 2080er-Jahren allerdings rund 5,5 Millionen Menschen betroffen - pro Jahr. Die Kosten würden jährlich 17 Milliarden Euro betragen. Deutschland wäre unter den besonders betroffenen Ländern. Kaum vorstellbar, dass Dortmund nicht einen Teil dieser Last mittragen müsste.

Weltweit könnte der Klimawandel durch Überflutungen oder regionale Nahrungsmittelknappheit zu großen Fluchtbewegungen führen. In der europäischen Nachbarschaft ist der gesamte Mittelmeerraum besonders gefährdet. Die Flucht vor den Klimafolgen würde wohl auch nach Deutschland führen.

Wie sieht das bestmögliche Szenario für Dortmund aus?

Das optimistischste der drei Szenarien (RCP2.6) nimmt an, dass wesentlich entschlossenere Maßnahmen zum Klimaschutz getroffen werden und dass in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Treibhausgase im großen Stil aus der Atmosphäre gefiltert werden.

Die Erwärmung zur Mitte des Jahrhunderts läge in Dortmund dann im Mittel bei 1,2 Grad, zum Ende des Jahrhunderts bei 1,1 Grad. Das Ziel des Pariser Klima-Abkommens, das Deutschland zusammen mit 186 Staaten unterzeichnet hat, könnte so eingehalten werden.

Die Zahl der Hitzetage über 30 Grad würde im optimistischen Szenario in Dortmund zum Ende des Jahrhunderts im Mittel um knapp 2 auf etwa 7 steigen (statt um knapp 10 auf etwa 15 im schlimmsten Szenario). Es gäbe rund 17 Frosttage weniger pro Jahr (statt 42). Die Niederschlagsmenge würde um 1,7 Prozent steigen (statt um 6,2 Prozent).

Auch in diesem Szenario würden Extremwetterereignisse häufiger vorkommen als heute - aber seltener als in den anderen Szenarien. Vor allem in dicht bewohnten Vierteln würde es im Sommer ebenfalls unangenehm warm werden - aber es würden weniger Menschen an den Folgen der Hitze sterben.

Das Wissen, die Erwärmung aufzuhalten, ist da

Jedes der drei beschriebenen Szenarien könnte laut Klimaforschern eintreten. Das Wissen über die Zusammenhänge und Technologien, mit denen die Erwärmung aufgehalten werden könnte, ist da.

Welches der Szenarien Realität wird, hängt davon ab, welche politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen in den kommenden Jahren getroffen werden.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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