Click&Meet ist wieder möglich. Die Geschäfte dürfen wieder öffnen. © Oliver Schaper (Achriv)
Umfrage unter Besuchern

Wie attraktiv ist Dortmunds City? Schlechtere Noten in zwei wichtigen Punkten

Wie beurteilen die Dortmunder die Attraktivität der City? Wie steht’s um das Warenangebot? Was sagen City-Besucher zu den Parkpreisen? Eine Umfrage liefert teilweise überraschende Antworten.

Die Coronakrise treibt offenbar auch die Dortmunder zum Shoppen ins Internet. Fast jeder zweite Befragte (47,2 Prozent) gab an, mehr als früher übers Internet einzukaufen – und das vorzugsweise bei großen Online-Händlern. Den Gegenpol dazu bilden 37,2 Prozent, die eigenen Aussagen zufolge ganz bewusst in der City einkaufen, um die lokalen Anbieter zu stärken.

So liest sich ein Ergebnis einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) aus dem Spätsommer 2020. Daran haben insgesamt 107 Städte teilgenommen, auch Dortmund. In der City wurden am 24. September (Donnerstag) und zwei Tage später (Samstag) insgesamt 2005 Besucher befragt. Zur Erinnerung: Die Geschäfte waren damals geöffnet. Sie konnten damals zwar unter Coronaregeln, aber ohne Testpflicht, besucht werden.

Bei der Frage nach der Gesamtattraktivität bekommt Dortmunds City eine Schulnote von 2,5. Damit schneidet die City etwas schlechter ab als Städte mit vergleichbarer Größenordnung: Dort liegt der Mittelwert bei 2,4.

City-Bummler sehen bei der Sauberkeit Verschlechterung

Bei Freizeit- und Kulturangeboten, aber auch beim Thema Sicherheit gehen die Daumen hoch. In diesen Bereichen sehen die Bürger die City etwas besser aufgestellt als noch bei einer vergleichbaren Umfrage 2014.

Ausgerechnet beim Thema Sauberkeit, seit Jahren ein Dauerbrenner für die Stadt und die EDG, fällt die City in den Augen der Besucher wieder etwas zurück. Laut Umfrage hat sich die Note von 2,8 auf 3 verschlechtert.

Ähnlich urteilen die Bürger über das Einzelhandelsangebot, das im Vergleich zu 2014 allerdings von der Note 2 auf 2,3 zurückgestuft wird. Mit Sortimenten wie Bekleidung, Schuhe/Lederwaren und Unterhaltungselektronik beispielsweise sind die City-Besucher offenbar gut bedient; jedenfalls werden diese Sortimente am stärksten bewertet.

Andere Sortimente hingegen werden von den Bürgern schmerzlich vermisst. Nachholbedarf sehen sie vor allem in den Bereichen Wohnen mit den Einzelsegmenten Möbel, Einrichten und Dekorieren.

Flair und Gestaltung des öffentlichen Raumes könnten besser sein

Mehr noch: Obwohl Dortmunds City über große Sportgeschäfte wie Sportscheck (das alte Karstadt Sports) und Decathlon verfügt, schneidet Dortmund in Sachen „Sport, Spiel, Hobby“ im Urteil der City-Besucher schwächer ab als vergleichbare Städte.

Auch für den Bereich „Bücher“ wünschen die Kunden mehr Auswahl. Dabei hat der größte Anbieter, die Mayersche Buchhandlung, ihre Fläche nach ihrem Umzug vor Kurzem sogar noch verkleinert.

Und welches Flair, welche Atmosphäre hat Dortmunds City? Über ein „Naja, geht so“ kommt die Einkaufsmeile und ihre Seitenstraßen nicht hinaus. Bei der Gestaltung der öffentlichen Räume sehen die Bürger erheblichen Verbesserungsbedarf.

Das betrifft Plätze, Wege, aber auch Grünflächen sowie Sitz- und sonstige Aufenthaltsmöglichkeiten. Die Stadt jedenfalls darf sich bestätigt sehen: Sie spürt Handlungsdruck und hat deshalb unter anderem ein Paket mit „Sofortmaßnahmen“ zusammengestellt – über die Gestaltung von Blumenbeeten und neuer Beleuchtung bis zu neuen Bänken.

Deutlich mehr Autofahrten als in vergleichbaren Städten

Wenig überrascht zeigen sich die Stadtplaner, dass die Bürger bei ihren Fahrten in die City im Coronajahr 2020 kräftig aufs Auto umgestiegen sind: Nur noch 35,7 Prozent gaben an, mit Bus und Bahn gekommen zu sein – 2014 waren es 53,3 Prozent.

Umso erstaunter sind die Stadtplaner aber, wie stark sich das verlagert hat. Stärker als in anderen Städten: Mit einem Autoanteil von 44,4 Prozent liegt Dortmund weit über dem Schnitt vergleichbarer Großstädte (15 Prozentpunkte mehr). Gleichzeitig räumen die meisten Befragten aber auch ein, dass die City per ÖPNV oder Fahrrad besser zu erreichen sei als mit dem Auto.

Die Fahrgastzahlen im ÖPNV sind wegen Corona überall stark gesunken. In Dortmund aber stiegen überpoportional mehr Bürger aufs Auto um als in vergleichbaren Städten. © Beushausen © Beushausen

Eine weitere Überraschung hält die Umfrage beim Zankapfel „Parkgebühren“ parat. Mittlerweile sagen 48 Prozent der City-Bummler, die Parkgebühren seien „angemessen“. Das sind doppelt so viele wie bei der Umfrage 2014.

Damals meinten umgekehrt 37 Prozent der Befragten, die Tarife seien zu hoch. Jetzt sagen das noch 29 Prozent. Einen Vergleich mit anderen Städten gibt die Umfrage dazu allerdings nicht her.

Die Frage „Wie finden Sie die Parkgebühren in der Dortmunder Innenstadt im Vergleich zu anderen Städten der Umgebung?“ wurde ausschließlich City-Besuchern in Dortmund gestellt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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