Wetterchaos in Dortmund

DORTMUND Das Unwetter in Dortmund hat zu teilweise katastrophalen Zuständen in Marten und Dorstfeld geführt. Sabine Stauss hat es wie viele auch besonders schwer erwischt. Ihr Backshop an der Wittener Straße im Dortmunder Ortsteil Dorstfeld ist ein einziges Trümmerfeld.

von dpa

, 27.07.2008, 15:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Der ganze Laden ist überflutet worden. Nichts steht mehr an seinem Platz, alles ist kaputt“, berichtet sie am Sonntag am Telefon. Kühlgeräte und Öfen sind von einer grau- braunen Schlammschicht überzogen. Es wird Wochen dauern, bis sie wieder Brötchen und Brot verkaufen kann. Im benachbarten Lebensmittelgeschäft sieht es nicht besser aus. Flaschen und Pakete sind aus den Regalen gespült worden, das Wasser stand 1,50 Meter hoch im Laden. Über Dorstfeld und dem benachbarten Stadtteil Marten hat sich das Gewitter am Samstagnachmittag besonders heftig ausgetobt. Noch am Tag danach musste die Feuerwehr Schlauchboote einsetzen, um zu Häusern zu kommen, die vom Wasser eingeschlossen waren. Einige Straßen sind noch immer unpassierbar, Pumpen laufen unablässig, um das Wasser aus den Kellern zu schaffen. Die Schleusen des Himmels hatten sich am späten Nachmittag geöffnet. Mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter fielen an einzelnen Stellen - das doppelte der gesamten Monatsmenge im Juli. Die Emscher, der in einem Kanal gebändigte Industriefluss, trat binnen Minuten über die Ufer. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht fassen, Gully-Deckel wurden hochgedrückt, hunderte von Kellern liefen schlagartig voll. Autos blieben auf den überfluteten Straßen stecken. Das Fußballspiel Borussia Dortmund gegen Juventus Turin wurde abgesagt, weil sich der Platz in einen See verwandelt hatte. Rund 4600 Notrufe waren in knapp sechs Stunden bei der Feuerwehr eingegangen. „Anfangs war die Lage schon mit der beim Orkan Kyrill vergleichbar“, berichtet Feuerwehrsprecher Rainer Suttrop. Um die Lage in den Griff zu bekommen musste sich die Dortmunder Polizei Hilfe in der Nachbarschaft organisieren.Im Ennepe-Ruhr-Kreis füllte die Feuerwehr eilends 1500 Säcke mit Sand und schaffte sie nach Dortmund. An der Feuerwache Marten kamen die Säcke wie gerufen. „Das Wasser stand direkt vor den Toren der Wache“, berichtet ein Feuerwehrsprecher. Auch an der Universität und im Max-Planck-Institut war der Sandsack-Einsatz erfolgreich. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass Wasser in die Computerräume eindrang und Millionenschäden auslöste. Wie lange die Aufräumarbeiten dauern werden, war am Sonntag noch nicht abzusehen. „Das muss jetzt aber schnell gehen„, fordert Sabine Stauss. Sie hat nämlich schon die ersten Ratten im Unrat gesichtet. „Wenn der nicht zügig weggeschafft wird, kommen sicher noch mehr.“ Wie es mit ihrem Backshop weitergehen wird, kann die Geschäftsfrau noch nicht sagen. „Besonders traurig ist die Situation für meine Mitarbeiterinnen.“ Acht Frauen beschäftigt sie stundenweise. „Die sind jetzt erst einmal arbeitslos.“

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