Die Tage des Westfalenforums in Dortmunds City sind gezählt. © Thomas Thiel
Verlassenes Einkaufszentrum

Westfalenforum in Dortmunds City soll abgerissen werden

Das Westfalenforum ist ein Sorgenkind von Dortmunds City. Der riesige Gebäudekomplex steht weitgehend leer. Jetzt gibt es radikale Pläne für das Einkaufszentrum.

Es ist die wohl trostloseste Immobilie in der Dortmunder City. Seit vielen Jahren steht das Westfalenforum zwischen Kampstraße und Hansastraße weitgehend leer. Ein Bäcker, ein kleiner Spiele-Laden und seit Neuestem eine Filiale der Postbank sind die letzten Mieter in der Passage im Erdgeschoss.

Darüber halten ein Hotel, ein privates Bildungszentrum, ein Fitness-Studio und die Diskothek Nightrooms die Stellung – sofern sie nicht corona-bedingt geschlossen haben.

Zugeklebte oder leere Schaufenster prägen die verlassene Ladenpassage des Westfalenforums – und das schon seit Jahren. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Das Elend soll allerdings bald ein Ende haben. Das erst 1998 an Stelle des früheren Horten-Kaufhauses eröffnete Westfalenforum soll abgerissen werden. An seiner Stelle soll ein kleinteiliges Gebäudeensemble entstehen. Dazu will der Eigentümer jetzt einen Architektenwettbewerb starten.

Eigentümerin des Westfalenforums und Ausloberin des Wettbewerbs ist die DGC Commercial Center Dortmund GmbH mit Sitz in Berlin, hinter der wiederum das Immobilienunternehmen Lianeo steht – bekannt auch als Eigentümerin des geräumten Hannibal-Wohnkomplexes in Dorstfeld. Beide haben ihren Sitz an der Möckernstraße 139-141 in Berlin. Lianeo fungiert auch als Verwalterin des Westfalenforums.

In den vergangenen Jahren war von dort immer wieder von Plänen für einen Umbau des verschachtelten Komplexes und Bemühungen um neue Mieter zu hören. Jetzt will man aber endgültig einen Schlussstrich unter die verkorkste Entwicklung des Westfalenforums zu einem Einkaufscenter ziehen.

Gebäude-Ensemble mit Innenhof soll Westfalenforum beerben

Es sind „ein Abbruch und eine städtebauliche Neuordnung des Gebäudekomplexes mit einer kleinteiligen Mischnutzung aus Wohnungen, Büros und Einzelhandel geplant“, heißt es in einer Vorlage der Dortmunder Planungsverwaltung für die Politik.

Wie diese Mischnutzung aussehen könnte, verraten erste Entwürfe des von DGC beauftragten Büros Petersenarchitekten. Es sieht eine Ansammlung von sechs bis sieben Einzelgebäuden vor, die sich um einen offenen Innenhof und eine Gasse im Zentrum zu einem Ensemble zusammenfügen. Entstehen soll „ein Ort zum Leben und Arbeiten und Einkaufen im Sinne einer urbanen Nachbarschaft“, heißt es im Erläuterungstext des Architekturbüros.

Das Modell zum “Testentwurf” von Petersenarchitekten zeigt ein Ensemble aus mehreren Gebäuden, die um einen offenen Hof und eine Gasse gruppiert werden. © Petersenarchitekten © Petersenarchitekten

„In den Erdgeschossen werden kleine Geschäfte, Cafes und Restaurants entstehen, anpassungsfähig, die bei Bedarf in das erste Obergeschoss ausgedehnt werden können“, erklären die Architekten. „Auch dort, im ersten Obergeschoss, sollen gewerbliche Nutzungen dominieren – Büros, Ärzte und Ähnliches.“ Unter der Erde gibt es ein durchgängiges Geschoss für Technik und Parkplätze.

Vom städtischen Gestaltungsbeirat gab es dafür bei einer ersten Vorstellung im Dezember 2019 Beifall. Es könne „ein Stück Stadt zurückgewonnen werden“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch der Platz von Amiens würde vom Umbau profitieren, auch wenn dort vor kurzer Zeit ein neuer Eingang für die Postbank entstanden ist. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Der „Testentwurf“ von Petersenarchitekten soll jetzt Grundlage für einen Architektenwettbewerb sein, der konkrete Ideen für die Neugestaltung des Areals liefern soll.

Geplant ist ein Werkstattverfahren mit zunächst fünf Architekturbüros – Laux Architekten aus München, Gatermann und Schossig Architekten aus Köln, drp Baukunst aus Dortmund, BWM Architekten aus Wien und Schulz und Schulz Architekten aus Leipzig. Es soll im Februar starten und im Juni 2021 abgeschlossen werden.

Mieter sollen gehalten werden

In einer zweiten Stufe sollen dann drei der teilnehmenden Büros, die von einer Jury ausgewählt werden, einzelne Teile des Neubauvorhabens planen. Ab Mitte 2022 könnten daraus die ersten Bauanträge entstehen.

Und was wird aus den noch vorhandenen Mietern des Westfalenforums? Auch dazu gibt es schon eine Antwort in der Informationsvorlage der Verwaltung. Man wolle „die unterschiedlichen Gebäude in Schritten realisieren, damit die Mieter von einem Gebäude ins nächste ziehen können – falls sie das wollen – und wir werden unser Bestes tun, um alle bestehenden Mietverhältnisse zu erhalten“, wird der Projektentwickler zitiert.

Passen die Neubau-Ideen zum Bebauungsplan?

Die spannende Frage für die Planer ist, ob das Vorhaben zum bestehenden Bebauungsplan passt, der einen großen Gebäudekomplex vorsieht. „Die im Bebauungsplan festgesetzte Geschossigkeit widerspricht der Leitidee eines eher kleinteiligen Gebäudeensembles“, heißt es dazu in der Vorlage der Verwaltung. „Von daher wird nach Vorliegen der Wettbewerbsergebnisse geprüft werden müssen, inwieweit eine Änderung des rechtsverbindlichen Bebauungsplanes erforderlich ist oder ob in diesem Punkt von den Festsetzungen des Bebauungsplanes befreit werden kann.“

Große Steine wird die Verwaltung dem Vorhaben sicherlich nicht in den Weg legen. Planungsdezernent Ludger Wilde spricht von einem „guten Ansatz“ und einer „schönen Entwicklung“. „Ich freue mich, dass ein Investor ein nachhaltiges Konzept entwickeln will. Denn das Westfalenforum ist seit vielen Jahren ein Sorgenkind“, sagt Wilde.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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