Ein eigener Gemüsegarten ist für viele Städter ein Traum. Meist sind sie zu groß und oft fehlt der grüne Daumen. In Holthausen kann man Beete mieten – mit „Rundum“-Paket für Gartenneulinge.

Dortmund

, 09.06.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihr Mann war zunächst nicht begeistert: „Du willst ein Gemüsebeet mieten? Wir haben doch gar keine Ahnung.“ Doch Susanne Brinkhoff setzte sich durch. Nachdem sie im Fernsehen einen Bericht gesehen hatte, war die Kirchdernerin begeistert von der Idee, selbst Salate, Radieschen und Kartoffeln zu ernten. Und das, obwohl die Familie nur einen kleinen Balkon und gar keinen Garten hat.

Bereits im zweiten Jahr machen die Brinkhoffs bei dem Projekt „Meine Ernte“ mit. Am Hof Westermann in Holthausen kümmern sie sich um einen 45 Quadratmeter großen Mietgarten und erleben, wie einfach Gemüseanbau sein kann.

Hof Westermann ist seit 2014 Partner von „Meine Ernte“

„Meine Ernte“ wurde von Natalie Kirchbaumer und Wanda Ganders gegründet und ging 2009 erstmals an den Start. Mit ihren Gemüsegärten zum Mieten möchten die beiden Frauen aus Bonn es Menschen ermöglichen, sich ein Stück weit selbst zu versorgen und ihnen ein besonderes Naturerlebnis bieten.

Wer keinen Garten hat, kann am Hof Westermann ein Gemüsebeet mieten - so geht‘s

Das Gemüsebeet ist 45 Quadratmeter groß. © Christin Mols

Deutschlandweit kooperieren sie mit Landwirten und pachten Flächen für Gemüsebeete. Inzwischen gibt es mehr als 25 Standorte. Der Hof Westermann im Dortmunder Norden ist seit 2014 Partner. Knapp 2500 Quadratmeter fasst die Gartenfläche gegenüber dem Bauernhaus an der Holthauser Straße. Aktuell sind dort 49 Beete, die sich über eine Länge von etwa 22 Meter erstrecken, vermietet.

Lernvideos sowie Gartentipps auf der Homepage

Auch ohne grünen Daumen sind Susanne Brinkhoff und ihr Mann inzwischen ertragreiche Gemüsegärtner. „Meine Ernte“ bietet nämlich einen Rundum-Service. Zu Saisonbeginn wird das Beet professionell durch Landwirt Thorsten Westermann mit über 20 verschiedenen Gemüsesorten wie Rote Beete, Zucchini und Bohnen bepflanzt und besät. Lernvideos sowie Gartentipps zum Nachlesen gibt es auf der Homepage und auch die „alten Hasen“ und der Profi vor Ort geben gerne Tipps.

Wer keinen Garten hat, kann am Hof Westermann ein Gemüsebeet mieten - so geht‘s

Die Miet-Gärten befinden sich am Hof Westermann in Holthausen. © Christin Mols

Sie hätten in ihrer ersten Gartensaison bereits viel gelernt, sagt Susanne Brinkhoff. Zum Beispiel, dass einmal Hacken dreimal Gießen erspart, „weil der Boden dann lockerer ist und das Wasser besser aufnehmen kann“, erklärt sie.

Was ist Unkaut, was kann bleiben?

Nur das mit den Zwiebeln will bei Brinkhoffs nicht klappen. „Im letzten Jahr habe ich die sprießenden Halme für Unkraut gehalten und versehentlich alle Pflanzen rausgezupft“, berichtet die 56-Jährige, während sie vor ihrem Beet hockt und die kleinen Gewächse genau unter die Lupe nimmt. „Ich befürchte, dass es in diesem Jahr genauso endet“, sagt sie lachend.

Wer keinen Garten hat, kann am Hof Westermann ein Gemüsebeet mieten - so geht‘s

Susanne Brinkhoff hat zu Hause in Kirchderne nur einen Balkon. Um selbst Gemüse ernten zu können, hat die Familie ein Beet gemietet. © Christin Mols

Zweimal die Woche statten Susanne Brinkhoff und ihr Mann ihrem Garten einen Besuch ab. Noch gibt es außer Radieschen und Spinat nichts zu ernten, deshalb steht Unkrauthacken auf dem Programm. Das kann bis zu anderthalb Stunden dauern. „Auch das macht Spaß“, sagt die Hobbygärtnerin. Besonders morgens bei Sonnenaufgang habe sie dabei herrliche Momente erlebt. Gartengeräte und Gießwasser werden von „Meine Ernte“ bereitgestellt.

Wer keinen Garten hat, kann am Hof Westermann ein Gemüsebeet mieten - so geht‘s

Gartengeräte werden in einem Schuppen bereitgestellt. © Christin Mols

Platz für eigene Wünsche und Ideen

Während ein großer Teil des Beetes bereits durch den Landwirt mit vielen Gemüsesorten vorbereitet ist, gibt es ganz vorne auch noch Platz für eigene Wünsche und Ideen. Susanne Brinkhoff hat dort noch mehr Salate gesät und ein kleines grünes Gewächshaus für Tomatenstauden aufgebaut. Davor steckt ein kleines weißes Schild im Boden. „Alice‘s Wunderland“ steht darauf. „Jeder hier gibt seinem Garten einen Namen und da unsere Katze Alice heißt, war dieser naheliegend.“

Weitere Infos auf www.meine-ernte.de

Die Gartensaison geht von April bis Oktober. Dann kann man entscheiden, ob man ein weiteres Jahr mitmachen möchte. Neue Interessenten können sich schon jetzt unverbindlich vormelden, sagt Markus Schmidt vom „Meine Ernte“-Team. Das Paket kostet 229 Euro. Susanne Brinkhoff erzählt: „Mein Mann hat im vergangenen Herbst gleich gesagt: ‚Wir machen nächstes Jahr wieder mit‘“. Nach anfänglicher Skepsis sei er inzwischen ganz stolz, wenn zu Hause die eigens geernteten Möhren auf den Tisch kommen.

Wer keinen Garten hat, kann am Hof Westermann ein Gemüsebeet mieten - so geht‘s

Jeder Mieter gibt seinem kleinen Garten einen Namen. © Christin Mols

Freunde und Nachbarn freuen sich über Gemüse

„Frischer geht’s nicht“, sagt der Gartenneuling und die Ernte sei reichlich. Im vergangenen Jahr habe die Familie im Sommer und Herbst Geld sparen können, da sie kein zusätzliches Gemüse im Supermarkt einkaufen musste. Und was an Ernte zu viel war, wurde eingeweckt oder verschenkt. Freunde und Nachbarn waren dankbare Abnehmer.

Wer keinen Garten hat, kann am Hof Westermann ein Gemüsebeet mieten - so geht‘s

In der aktuellen Saison sind 49 Gemüsebeete vermietet. © Christin Mols

Gärtnern macht Arbeit, und der Dreck unter den Fingernägeln gehört dazu. Die Natur erleben, frische Luft atmen, Sonne tanken: „Gärtnern macht auch glücklich“, sagt Susanne Brinkhoff. Spätestens wenn sie wieder den vollen Erntekorb nach Hause trägt.

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