Wenn’s im Hafen brennt, kommt das Wasser auch aus dem Kanal

dzLöschboot der Feuerwehr

Ein Boot, zwei Spritzen, zwei Maschinen, eine Pumpe und noch mehr Technik: Wenn es im Hafen brennt, naht Hilfe auch vom Wasser aus. An der Deusener Straße liegt alles, was man dafür braucht.

Huckarde

, 19.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Denn die Feuerwehr der Stadt mit dem größten Kanalhafen Europas verfügt über ein Löschboot: Es ist - natürlich - feuerrot, 14 Meter lang, 4 Meter breit, 4 Meter hoch. Tiefgang 90 Zentimeter. Zwei Motoren à 165 PS. Ein Dieselgenerator, Scheinwerfer, Funkgeräte. Aber fast die wichtigste Technik ist die Pumpe, die von einem der Motoren betrieben wird. Mit ihr werden pro Minute 5000 l Kanalwasser hochgepumpt und über angeschlossene Schläuche oder über die Spritzen auf dem Boot vorn und hinten ausgebracht. Bei Bedarf kann auch Schaumkonzentrat zugefügt werden, so dass die Löschmannschaften dann auch mit Schaum löschen können.

Wenn’s im Hafen brennt, kommt das Wasser auch aus dem Kanal

Mit einer leistungsstarken Spritze vorn und hinten kann das Löschboot vom Wasser aus Brände bekämpfen. © Irene Steiner

Das Revier umfasst circa 35 Hektar Wasserfläche

Das Löschboot ist zuständig für 15 Kilometer Dortmund-Ems-Kanal, vom Hafen bis Waltrop, im Notfall auch bis zur Schleuse am Schiffshebewerk Henrichenburg. Dazu kommen zehn Hafenbecken, alle dicht belegt mit Industriebetrieben. Manchmal lagern dort auch gefährliche Stoffe, im Petroleum-Tanklager gegenüber des Bootshauses zum Beispiel. Bestens gerüstet ist das Löschboot, das 1987 in Dienst gestellt wurde. Denn es hat auch einen so genannten Ex-Schutz: Die Kabine kann dicht abgeschirmt werden und darin kann ein leichter Überdruck aufgebaut werden. „So können wir verhindern, dass giftige Dämpfe eindringen können“, sagt Grosche. Oder explosive.

Wenn’s im Hafen brennt, kommt das Wasser auch aus dem Kanal

Konrad Grosche im Maschinenraum des Löschbootes. Er ist federführend für das Boot zuständig. © Irene Steiner

Viel Technik, die zum Glück nur selten gebraucht wird

Täglich sind zwei speziell ausgebildete Löschbootfahrer und zwei Feuerwehrbeamte für den Dienst am Boot vorgesehen. Aber wenn es keinen Einsatz auf dem Wasser gibt, dann arbeitet das Team, das der Feuerwache in Eving zugeordnet ist, in anderen Bereichen des Brandschutzes.

Konrad Grosche war kürzlich zum Beispiel dabei, als nachts an zwei Lastwagen Feuer entdeckt wurde, die Fahrer schliefen über dem Führerhaus.

Nur wenige Einsätze gibt es im Jahr für das Löschboot, oft geht es darum, tote Tiere zu bergen oder Gefahren zu erkennen: „Wenn wir Müll sehen, der die Schifffahrt beeinträchtigt, dann alarmieren wir die Taucher, die das dann bergen“, sagt Grosche. Nur selten kommen Menschen zu Schaden, auch wenn es immer wieder Leichtsinnige gibt, die beim Baden sommerlich-trunken ihre Kräfte überschätzen. Auch da hilft schon mal die Feuerwehr.

Wenn’s im Hafen brennt, kommt das Wasser auch aus dem Kanal

Leistungsstarke Scheinwerfer gehören ebenfalls zur Ausstattung. © Irene Steiner

Übungen sind wichtig, um im Notfall helfen zu können

Um im Notfall automatisch die richtigen Handgriffe zu beherrschen, wird geübt. Zweimal die Woche kommen im Wechsel die Teams aufs Boot, machen das Boot startklar, machen die Maschinen, die Pumpen, die Spritzen einsatzbereit. Zwei Dieselmotoren sind anzuwerfen, einer für den Fahrbetrieb, einer für die Pumpe. Dazu ein Dieselgenerator, der den Strom zum Beispiel für die Beleuchtung liefert. Eine Anlage, mit der der Schaum erzeugt werden kann.

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Die Feuerwehr im Dortmunder Hafen

Ein Boot, zwei Spritzen, zwei Maschinen, eine Pumpe und noch mehr Technik: Wenn es im Hafen brennt, naht Hilfe auch vom Wasser aus. Impressionen von der Feuerwehr im Hafen.
18.06.2019
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Die Taucher der Feuerwehr trainieren in dem trüben Kanalwasser. © Irene Steiner
Konrad Grosche ist Hauptbrandführer und ist Löschbootführer. © Irene Steiner
An der Spritze vorbei bietet sich ein schöner Ausblick auf den Kanal. © Irene Steiner
Bei schönem Wetter ist der Kanalhafen ein landschaftlich fast schöner Ort. © Irene Steiner
Kräne bestimmen ebenfalls das Bild des größten Kanalhafens Europas. © Irene Steiner
Das Alte Hafenamt ist immer ein Hingucker.© Irene Steiner
Bei schönem Wetter sind auch Industrieanlagen ansehnlich. © Irene Steiner
Die Algen wachsen und sind dann eine Gefahr: Sie können sich um Schraube und Ruderblatt des Löschbootes schlingen. © Irene Steiner
Thomas Dähn ist fast ein richtiger Seebär: Er segelt in seiner Freizeit, ist Taucher - auch bei der Feuerwehr - und Löschbootfahrer. © Irene Steiner

Und natürlich müssen die Mannschaften auch im Umgang mit dem Boot sicher sein, beim Anlegen, beim Rangieren, bei der Fahrt. Die nicht besonders schnell ist, denn das Schiff ist maximal 17 km/h schnell. Gemessen wird die Geschwindigkeit auf dem Kanal nämlich nicht in Knoten - wie sonst in der Schifffahrt.

Wenn’s im Hafen brennt, kommt das Wasser auch aus dem Kanal

Konrad Dähn steht gern am Steuerrad des Löschbootes. © Irene Steiner

Bei gutem Wetter sind die Übungsfahrten eine besonders schöne Pflicht, denn eine Fahrt durch den Hafen hat dann ihren besonderen Reiz. „Man kennt das ja alles schon hier, aber man entdeckt doch auch immer wieder etwas Neues“, sagt Grosche. Dann gleitet das Boot an Petroleumlager und Schrottplatz vorbei, man sieht mächtige Kräne, die Lasten heben, Container, die in Türmen lagern. Zwischen dem lauten und geschäftigen Treiben geht es auf dem Kanal fast beschaulich zu. Solange es nicht brennt.

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