Weniger Sozialwohnungen gebaut als benötigt – Stadt sieht trotzdem „gutes Ergebnis“

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2019 wurden weniger Wohnungen für Geringverdiener gebaut, als gefördert werden konnten. Über 10 Millionen an Mitteln blieben liegen. Es gibt Kritik –und Hoffnung für die Zukunft.

Dortmund

, 04.02.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bezahlbarer Wohnraum bleibt in Dortmund begehrt. Passiert genug, um den Bedarf von Menschen mit geringen Einkommen zu decken? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Öffentlich geförderter Wohnungsbau ist ein Mittel, um Menschen mit geringem Einkommen Wohnen auf angemessenem Raum zu ermöglichen. Vermieter erhalten vergünstigte Baukredite. Dafür verpflichten sie sich für 25 Jahre, die Miete auf 6,20 Euro pro Quadratmeter zu begrenzen.

Stadt spricht für 2019 von einem „guten Ergebnis“

Die Stadt Dortmund hat jetzt Bilanz gezogen, wo sie beim Thema Wohnraumförderung steht. „Ein gutes Ergebnis“ vermeldet das Amt für Wohnen und Stadterneuerung für 2019.

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Es seien 22 Wohnungsbaumaßnahmen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 29 Millionen Euro bewilligt worden. Das entspreche Mitteln für insgesamt 238 öffentlich geförderten Wohnungen, davon 199 neu und 39 im Bestand.

Allerdings: Das Land NRW hatte für das vergangene Jahr 39,9 Millionen Euro als „Globalbudget“ zur Verfügung gestellt. Es wurden also weniger Wohnungen gebaut, als zuvor als Bedarf errechnet wurde.

Öffentlich geförderter Wohnungsbau ist für Unternehmen nicht rentabel genug

Der Grund dafür liegt laut Stadtsprecher Christian Schön vor allem in der Entwicklung der Baukosten. „Dieses Problem haben alle gemeinsam. Jeder, der daran denkt zu investieren, rechnet es vorher durch“, sagt Schön.

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Der öffentlich geförderte Wohnungsbau gehört nicht zu den rentabelsten Geschäften für Bauherren. Viele entscheiden sich deshalb für frei finanziertes Bauen ohne rechtliche Hürden und Mietpreisbindung.

Großer Sprung in der zweiten Jahreshälfte, weil Vermieter jetzt mehr Geld verlangen dürfen

Zugleich ist es bemerkenswert, dass „nur“ 10,9 Millionen Euro zu wenig abgerufen worden sind: Im Sommer 2019 waren etwa 20 Millionen Euro noch nicht verplant.

Im zweiten Halbjahr hat sich dieser Wert verbessert, weil Dortmund im Sommer in die Mietenstufe 4 „aufgestiegen“ ist. Dadurch dürfen Vermieter in öffentlich geförderten Wohnungen bis zu 6,20 Euro statt bisher 5,70 Euro verlangen. Außerdem verbessern sich weitere Förderkonditionen. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen legt die Mietenstufen fest.

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Die Stadt Dortmund geht davon aus, „dass sich diese deutlichen Verbesserungen auch auf die Förderergebnisse der nächsten Jahre positiv auswirken werden“. Für 2020 steht ein Budget von 35 Millionen Euro zur Verfügung. Das Wohnungsamt rechnet damit, dass dies komplett ausgeschöpft wird.

Es gab laut Wohnungsamt Förderzusagen in den drei Innenstadtbezirken sowie den Stadtbezirken Aplerbeck, Brackel, Eving und Hörde. Eine erfreuliche Entwicklung sei die bewilligte Sanierung einer Problemimmobilie in der Nordstadt gewesen.

Es fallen mehr Wohnungen weg, als neu entstehen

Das ändert nichts an dem Fakt, dass die Zahl der Wohnungen mit Mietpreisbindung seit Jahren sinkt. Seit Beginn des Jahrtausends ist der Bestand von rund 50.000 auf unter 23.000 geschrumpft. Es fallen mehr Wohnungen aus der Mietpreisbindung, als neu gebaut werden.

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Bis zu 2000 Menschen stehen deshalb derzeit immernoch auf der Warteliste für Wohnraumförderung. Weniger als 200 Wohnungen sind 2019 neu entstanden.

Mieterverein äußert Kritik

Der Mieterverein Dortmund äußert deshalb Kritik an der Wohnungsbaupraxis der Stadt Dortmund. „Was uns ärgert, ist, dass es die Stadt nicht mehr selbst hinbekommt, etwas zu bauen“, sagt Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins. Seit 2015 sei ihm kein fertiges Bauprojekt mehr bekannt.

Statt Bestände aufzukaufen oder bei günstigen Förderbedingungen selbst zu bauen, verlasse man sich auf Investoren von außen. Die Stadt Dortmund kommentiert die Kritik des Mietervereins auf Nachfrage nicht.

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