Ammar Khadra ist plastisch-ästhetischer Chirurg mit eigener Praxis am Brackeler Hellweg. © Oliver Schaper
Kosmetische Eingriffe

Wegen Corona: Bestimmte Schönheitsoperationen sind in Dortmund stark gefragt

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Gesellschaft aus – auch aufs Aussehen: Homeoffice und Maskenpflicht führen zu verstärkter Nachfrage bei bestimmten Schönheitsoperationen. Eine häufige Frage ist kurios.

2020 war das Jahr der Jogginghose – und gleichzeitig brach der Absatz von Make-up ein. Schließlich müssen weniger Menschen ins Büro, Partys gibt es keine und Restaurants oder Kinos haben sowieso geschlossen. Legen die Dortmunder deshalb im Moment weniger Wert auf ihr Äußeres?

Einer, dessen Geschäft die Schönheit ist, ist Ammar Khadra. Der plastisch-ästhetische Chirurg operiert am Brackeler Hellweg Brüste, Bäuche, Beine. „Wir haben viel mehr Beratungsanfragen“, sagt seine Praxis-Teamleiterin Caroline Boateng, „die Menschen finden jetzt die Zeit und den Mut, sich zu informieren.“

Zeit zur Selbstoptimierung

Gerade im Homeoffice sei die Zeit zur Heilung besser gegeben und während einer Videokonferenz seien Spuren einer Fettabsaugung an den Oberschenkel nicht zu sehen. „Wer schon länger darüber nachdenkt, entschließt sich derzeit vielleicht eher dazu. Viele sagen: Gerade habe ich die Zeit, wenn nicht jetzt, wann dann?“

Aber vor allem die Zahl der Oberlidstraffungen habe deutlich zugenommen. „Wir erklären uns das dadurch, dass durch den Mundschutz der Fokus auf den Augen liegt und vielen jetzt auffällt, dass sie dort etwas stört.“ Kosten: ab 1600 Euro.

Es gebe komplette OP-Tage, an denen nur Oberlider gestrafft würden. „Es ist auch eine OP, die beide Geschlechter gerne in Anspruch nehmen.“ Normalerweise seien Frauen bei Schönheitsoperationen stärker vertreten.

Alles oberhalb des Mundschutzes operiere Ammar Khadra zurzeit häufiger. Hyaluronunterspritzungen an den Lippen und der Nasolabialfalten seien vor Beginn der Pandemie der Renner gewesen. „Dafür haben jetzt die Botoxbehandlungen an der Stirn zugenommen.“

OP-Termine werden abgesagt

Boomen Schönheitsoperationen während der Pandemie sogar? Insgesamt verzeichne die Praxis Khadra nicht mehr Eingriffe, sagt Caroline Boateng. Denn: Langfristig geplante Operationstermine würden häufiger abgesagt wegen Verdienstausfalls, plötzlicher Arbeitslosigkeit, Existenzangst.

Das gleiche die OP-Pläne wieder aus. „Mein Eindruck ist, dass der zweite Lockdown die Menschen finanziell noch stärker getroffen hat“, sagt die Teamleiterin der Praxis Khadra. Gesundheitliche Bedenken würden bei der Absage selten geäußert.

„Wir verzeichnen alles andere als einen Boom“, sagt auch Dr. Evangelos Sarantopoulos von der Clinic im Centrum am Phoenix-See. Der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie operiert dort jährlich rund 300 Menschen.

Aber seit März 2020 sei die Zahl der Schönheitsbehandlungen um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen. Das liege auch daran, dass die Clinic seit mehreren Monaten keine Unterspritzungen mit Botox oder Hyaluron mehr anbiete. „Wo eine Gesichtsmaske getragen wird, sollte man nicht unterspritzen“, sagt Evangelos Sarantopoulos.

Kein Facelift bei Maskenpflicht

Einen Facelift oder eine Nasenkorrektur würde er mit der aktuellen FFP2-Maskenpflicht auch nicht empfehlen, sagt Evangelos Sarantopoulos. Momentan würden am Phoenix-See nur noch medizinisch indizierte Operationen durchgeführt.

Außerdem gebe es Hinweise auf eine mögliche Reaktion zwischen Hyaluronsäure und Impfstoff. „Die Patienten müssen explizit aufgeklärt werden, dass es zu einer allergischen Reaktion führen kann“, sagt der Experte.

Für ihn sei eine Unterspritzung eine Luxusbehandlung: „Wenn die Friseursalons geschlossen haben müssen, wäre es für mich unangemessen, diese Eingriffe trotzdem anzubieten.“ Er wolle solidarisch handeln und an die Menschen denken, die aktuell ihren Beruf nicht ausüben könnten.

Auch Patienten der Clinic im Centrum seien von Kurzarbeit und finanzieller Unsicherheit betroffen. Im ersten Lockdown sei die Nachfrage praktisch gleich Null gewesen. „Interessanterweise ist es so, dass sich mittlerweile ein Anstieg in Bezug auf Brustverkleinerungen gezeigt hat.“

Große Brust und Lipödem

Dadurch, dass Frauen derzeit im Homeoffice arbeiteten und keine ergonomischen Möbel zuhause hätten, seien die Rückenschmerzen bei großer Brust nicht mehr gut zu tolerieren. „Vermehrt behandeln wir auch Patienten mit Lipödem“, sagt der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Bei dieser krankhaften Fettverteilungsstörung leiden die Erkrankten unter Schmerzen, Schwellungen und Hämatomen. „Die Fitnessstudios sind geschlossen, die Betroffenen haben keine Möglichkeit mehr Sport zu treiben, was ihnen aber helfen würde.“

Professor Evangelos Sarantopoulos ist Schönheitschirurg in der Clinic im Centrum am Phoenix-See.
Professor Evangelos Sarantopoulos ist Schönheitschirurg in der Clinic im Centrum am Phoenix-See. © Clinic im Centrum © Clinic im Centrum

Ebenfalls zugenommen hätten Beratungsanfragen für Ober- und Unterlidstraffungen. Rund 15 Prozent mehr Anfragen durch Männer als im Vorjahr, schätzt Evangelos Sarantopoulos. Eine Lidkorrektur kostet am Phoenix-See rund 2000 Euro.

„Weil viele Menschen keinen Urlaub machen in diesem Jahr, entscheiden sie sich: Was ich gespart habe, investiere ich in eine OP.“ Wer sich schon vor Monaten habe beraten lassen und lange mit dem Thema beschäftigt habe, melde sich jetzt wieder, sagt der Schönheitschirurg.

Segelohren wegen Maske?

Caroline Boateng erzählt noch von einem kuriosen Trend bei den Anfragen in der Praxis Khadra: Immer mehr Menschen befürchteten abstehende Ohren wegen der Maskenpflicht. „Sie haben Angst, Segelohren zu bekommen, ob man da prophylaktisch was machen könne“, sagt die Medizinische Fachangestellte.

„Die meisten können wir schon am Telefon beruhigen.“ Aus medizinischer Sicht bestünde keine Gefahr für bleibende Verformungen. Der Ohrknorpel sei belastbar genug und falle immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück.

„Sonst hätten wir hier ja auch alle Segelohren“, sagt Caroline Boateng lachend.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Sarah Bornemann, Jahrgang 1986, arbeitet seit Oktober 2013 als Redakteurin in der Dortmunder Lokalredaktion. Sie hat Journalistik in Leipzig sowie Germanistik und Soziologie in Münster studiert. Für das Volontariat bei Lensing Media kehrte sie nach sieben Jahren ins Ruhrgebiet zurück.
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