Anke Schrimpf ist eine starke Unternehmerin

dzTrotz Krebserkrankung nicht aufgegeben

Anke Schrimpf hat ihr schickes Businessoutfit gegen Sportbekleidung getauscht: Mit gerade einmal 29 Jahren eröffnete die heute 42-Jährige ihr erstes eigenes Fitnessstudio, hängte den Anwaltsjob an den Nagel. Doch ein Schicksalschlag hätte sie fast aus der Bahn geworfen.

Dortmund

, 14.04.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihren Mut hat Anke Schrimpf nie verloren. Nicht als sie ihren Anwaltsjob an den Nagel hängte, nicht als sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte – und zwar in der Fitnessbranche –, nicht als sie mit zwei Studios gleichzeitig überfordert war und scheiterte und auch nicht als sie die Diagnose Brustkrebs erhielt.

Die Geschichte der heute 42-Jährigen beginnt damit, dass sie nicht so richtig glücklich war in ihrem Job als Anwältin einer Kanzlei. „Ich wollte eigentlich nie in die klassische Anwaltsecke“, sagt Anke Schrimpf. „Ich wollte lieber mit Menschen arbeiten.“ Also belegte sie Kurse und Fortbildungen im Bereich Mediation. Doch so wirklich reicht ihr das nicht.

Jura hatte sie ursprünglich studiert, weil sie als Staatsanwältin arbeiten wollte. Täter-Opfer-Ausgleich, Mediation – solche Sachen hätten sie interessiert. „Aber zu der Zeit“, sagt sie „wurde nicht eingestellt. Ich glaube heute schon, dass das so sein sollte.“

Fitnessstudios haben ihr nie gefallen

Eine Freundin von ihr entschließt sich, bei Mrs. Sporty – eine Fitnessstudio-Kette mit Angeboten für Frauen – als Unternehmerin einzusteigen und ein eigenes Studio zu eröffnen. Sie bittet Anke Schrimpf über ihren Franchisevertrag zu schauen – eine juristische Expertise zur Sicherheit. „Mir hat das Konzept gefallen“, sagt Schrimpf. „Das Kleine, das Persönliche.“

Es sei herzlich und gemütlich. „Ich habe schon immer viel Sport gemacht. Reiten, Tanzen, Gymnastik, war in vielen Fitnessstudios, aber wirklich gefallen hat es mir dort nie.“ Es sei alles zu funktional gewesen. Sie begleitet ihre Freundin in den Anfängen ihrer Selbstständigkeit, hilft bei der Eröffnung.

Anke Schrimpf ist eine starke Unternehmerin

Trotz einer Krebsdiagnose hat die 42-jährige Anke Schrimpf sich nicht davon unterkriegen lassen, weiter als Unternehmerin ihre Fitnessstudios zu leiten. Im Gegenteil: Die Arbeit habe ihr Kraft gegeben. © Oliver Schaper

„Immer wenn ich ihr dann meinen Unmut über das Anwaltdasein geklagt habe, meinte sie immer im Spaß, ich sollte auch ein Fitnessstudio aufmachen“, erzählt Schrimpf. Aus diesem Spaß entwickelte sich irgendwann die Frage: Warum eigentlich nicht?

Im August 2006, ein halbes Jahr nach dieser Idee, eröffnet Anke Schrimpf ihr erstes „Mrs. Sporty“-Studio in Witten. „Man muss sich einfach irgendwann trauen, das durchzuziehen“, sagt sie. Sonst würde man es nie machen. Ja klar, sie habe Zweifel gehabt. Hier und da vielleicht auch ein bisschen Angst, aber vor allem einen gesunden Respekt vor dem gesamten Projekt.

100 Neuanmeldungen waren ihr Ziel

„Am meisten Sorge habe ich mir um das Finanzielle gemacht. Was wenn der Business-Plan nicht aufgeht?!“, erzählt Anke Schrimpf. „Es kommen auch Selbstzweifel: Kannst du das wirklich alles oder hast du das falsch eingeschätzt?!“ Aber sie hat es trotzdem durchgezogen. Mit 29 Jahren.

Das Studio läuft gut. 100 Neuanmeldungen waren damals ihr Ziel, 130 sind es geworden. Schnell denkt sie: Was einmal funktioniert, klappt auch ein zweites Mal und macht ein zweites Studio auf. „Es war schwierig, ein Team aus der Ferne zu leiten, während man beim anderen mittendrin ist.“

Sechs Zentimeter großer Tumor

Das ganze wird zu arbeitsintensiv, auch finanzielle Einbußen macht die Unternehmerin. Schließlich muss sie eines der Studios schließen. „Da habe ich mich schlicht überschätzt“, sagt sie heute. Aber sie gibt nicht auf.

Viele würden heute noch etwas überrascht über diesen Umschwung reagieren. „Wozu hast du denn dann so lange Jura studiert?“, hieße es dann schon mal. Aber das sei Blödsinn, sagt Schrimpf. Wer arbeite heutzutage schon noch sein ganzes Leben lang in einem Beruf? Sie steht voll und ganz hinter ihrer Entscheidung.

Bis ihr acht Jahre später etwas in die Quere kommt, das gerade einmal sechs Zentimeter groß ist. „Im August 2015 bekam ich meine Krebsdiagnose. Ich meine es war der 11. Ich hatte in meiner Brust selbst einen Knoten ertastet“, erzählt Schrimpf.

„Ich konnte nicht in Selbstmitleid zerfließen“

Eine Untersuchung bestätigt die Befürchtung, der Tumor, sechs Zentimeter groß, ist bösartig. „Ich war erst einmal in einer Schockstarre. Es war schon schwierig. Auf der anderen Seite ist man in so einer Maschinerie drin, weil man hierhin und dorthin muss, dass man zum Glück gar nicht die Zeit hat, sich groß den Kopf zu zerbrechen“, erzählt Anke Schrimpf. Doch die Frage, was aus ihrer Selbstständigkeit wird, bleibt.

Doch letztlich schöpft sie eben aus ihrem Unternehmerdasein ihre Kraft. Zwar gibt sie den Posten der Geschäftsführung ab, doch als Unternehmerin war sie weiter dabei. „Dadurch stand ich im Leben und konnte nicht in Selbstmitleid zerfließen.“

Sport hilft psychisch sehr

Nur der Sport, der musste weniger werden. „Während der Chemo wurde aus Joggen Walken, dann aus Walken Spazieren gehen. Das musste ich erstmal akzeptieren“, sagt sie. Auch heute sei sie nicht mehr so fit und belastbar wie vor der Krebserkrankung. „Das ärgert mich natürlich immens.“

Als sie in ihren Studios offen von der Krebserkrankung erzählt, ist die meiste Reaktion: „Was? Du auch? Um Gottes Willen!“ Sie erfährt von vielen Kundinnen, dass sie Ähnliches durch gemacht haben, dass der Sport ihnen psychisch sehr hilft. Man habe einfach selbst wieder etwas in der Hand.

Mit dem Mut, den Anke Schrimpf immer hatte und immer noch hat, ist sie dort an der richtigen Stelle – und wird ihn noch lange weitergeben.

Die Jahresmitgliedschaft bei Mrs Sporty kostet 55,90 Euro monatlich. Montags bis sonntags kann zwischen 6 bis 22 Uhr trainiert werden. In der Regel dauert eine Trainingseinheit 30 Minuten mit einer Kombination aus Kraft und Ausdauer. Hinzu kommen Beratungszeiten. „Wenn du nach den 30 Minuten noch kannst, hast du sie nicht ordentlich genutzt“, sagt Anke Schrimpf. „Viel hilft nicht immer viel.“ Anke Schrimpf unterhält inzwischen drei Studios, in der Liebigstraße 47 im Kreuzviertel, in der Leostraße 16 in Hombruch und in der Annenstraße 128 in Witten.
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