Was junge Dortmunder in Vorstellungsgesprächen fordern

dzDortmunder Unternehmen

Bewerbern ist Geld oft nicht so wichtig wie gute Arbeitsbedingungen. Aber was bedeutet das? Dortmunder Unternehmen erzählen, mit welchen Ansprüchen sie konfrontiert werden.

von Anna Maria Stock

Dortmund

, 27.02.2020, 08:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Generation Z seien Flexibilität und Freiheit im Beruf wichtiger als Geld. Das sagt Birgit Buchholz von der Krankenkasse BIG. Wie viele Dortmunder Unternehmen beobachtet sie, dass junge Erwachsene heute andere Erwartungen an ihre Ausbildung oder den ersten Job haben als ältere Generationen.

Eine stichprobenartige Umfrage dieser Redaktion bei Dortmunds großen Unternehmen zeigt, wie der Dortmunder Nachwuchs tickt – und hat unter anderem ergeben, dass für die Generation Z – also die Jahrgänge von 1995 bis 2010 – der Job längst nicht mehr alles ist.

Fragen nach dem Gehalt gebe es grundsätzlich eher selten, sagt beispielsweise Claus Rehse von Signal Iduna. Auch übersteigerte Gehaltsvorstellungen erleben die befragten Unternehmen selten. „Das sind dann Leute, die sich nicht umfassend informiert haben“, sagt Ausbildungsberater Dirk Vohwinkel von der IHK über Bewerber mit unrealistischen Forderungen.

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„Die jungen Leute nehmen weniger Geld in Kauf, wenn sie dafür gute Arbeitsbedingungen bekommen“, erzählt auch Marie Lipka, Personalentwicklerin bei den Volkswohl Bund-Versicherungen. Zu guten Arbeitsbedingungen zähle etwa eine geregelte 38-Stunden-Woche.

Dementsprechend interessiere die Jungen, wie ein Unternehmen mit Überstunden umgehe, sagt Dirk Vohwinkel. „Was ihre Arbeitszeiten angeht, sind sie flexibler, erwarten aber im Gegenzug eine faire Behandlung“, fährt er fort.

Work-Life-Balance

Bei der BIG stünden bei den jungen Erwachsenen flexible Arbeitszeiten sogar an erster Stelle, sagt Birgit Buchholz. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. „Den Urlaub und sonstigen Freizeitausgleich möchten die jungen Leute möglichst flexibel nutzen können, sich nicht lange im Voraus festlegen müssen“, erzählt sie weiter.

Eine wichtige Voraussetzung für etwas, auf das die Generation Z viel Wert legt: Work-Life-Balance. „Sie wissen, dass das Leben wichtig ist. Und Arbeit nicht mehr alles“, sagt Thomas Stiller von der Agentur für Arbeit in Dortmund. „Die jungen Leute haben häufig ausgeprägte Hobbys“, beobachtet auch Andrea Otto, die Personalentwicklerin bei den Volkswohl Bund-Versicherungen ist.

Auch junge Männer wollen Zeit für die Familie

Aber nicht nur für Hobbys möchte die Generation Z Zeit haben. Marie Lipka sagt, den jungen Leuten sei auch die Familie wichtig. „Viele haben ihre Eltern zu Hause wenig gesehen und wollen das für sich nicht“, sagt sie.

Und auch von Vätern werde heute verlangt, dass sie zu Hause sind, sagt Ferdinand Kocher, Junior-Geschäftsführer bei Kocher Elektrotechnik. Claus Rehse sieht außerdem die Tendenz, dass viele gerne im bekannten Umfeld bleiben möchten – und sie somit nicht mehr so mobil sind.

Es wird schwerer, den Nachwuchs ans Unternehmen zu binden

Gleichzeitig würden sich aber viele junge Erwachsene nicht final festlegen wollen, sagt Rehse. „Nach Abschluss der Ausbildung gibt es zunehmend ehemalige Auszubildende, die anschließend studieren oder etwas ganz anderes machen wollen“, berichtet er. Als Arbeitgeber müsse man deutlich mehr Aufwand betreiben, um die jungen Leute ans Unternehmen zu binden.

Wichtig sei vielen jungen Leuten die Organisation der Ausbildung: „In den meisten Fällen stellen die Bewerber Fragen bezüglich der zeitlichen Abläufe in ihrer dualen Ausbildung.“ Das beobachtet Karsten Hueck, der Ausbildungsleiter bei Rundholz Bauunternehmung ist.

Für die jungen Festangestellten spielt die Unternehmenskultur eine wichtige Rolle. Claus Rehse sagt, den Jungen sei wichtig, „in einem funktionierenden Team zu arbeiten und bei einem Arbeitgeber zu landen, der sich auf persönliche Belange und Interessen einlässt.“ Darüber hinaus erwarten laut Birgit Buchholz viele, dass die Unternehmen Gesundheit und Sport fördern, etwa in Form von Gesundheitskursen.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ - das gilt nicht mehr

Insgesamt wächst eine selbstbewusstere Generation heran - das beobachten mehrere Personaler. Durch den demografischen Wandel gebe es heute weniger Bewerberinnen und Bewerber, sagt Thomas Stiller. Vor allem Azubis mit guten Noten könnten sich oft den Platz aussuchen, sagt Dirk Vohwinkel. „Und das wissen die auch“, fügt Stiller hinzu.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre – das ist nicht mehr“, sagt Andrea Otto. Die Generation Z hätte keine Angst vor Hierarchien, sie lege Wert auf eine Behandlung auf Augenhöhe. Auch würde sie mehr hinterfragen, was an der Erziehung liegen könnte.

„Heute wird da schon mehr Wert auf Mitsprache gelegt“, sagt sie. Heute suchten sich die Azubis verstärkt selbst den Job aus, während dies früher noch mehr von den Eltern gelenkt worden sei, sagt Stefan Rundholz, Geschäftsführer der gleichnamigen Bauunternehmung.

Schulabgänger vs. Azubis

Wie fordernd die jungen Leute in Vorstellungsgesprächen auftreten, hinge davon ab, wie weit sie in ihrer Ausbildung seien. Schulabgänger, die sich auf Ausbildungsplätze bewerben, seien eher zurückhaltend: „Sie wissen noch nicht, welche Forderungen sie stellen können“, sagt Roman Fröhlich, Teamleiter des Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Dortmund. „Das ändert sich allerdings in der Ausbildung. Da werden sie selbstbewusster“, wendet Andrea Otto ein.

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