Was ist erlaubt, wenn Kinder beim Klauen erwischt werden?

Korrektur

Ein Passant ertappt ein Kind beim Klauen, rennt ihm nach und hält es fest. Doch darf er das eigentlich? Oder hätte nur die Polizei zugreifen dürfen? Wir haben einen Staatsanwalt gefragt.

Dortmund

, 01.12.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Was ist erlaubt, wenn Kinder beim Klauen erwischt werden?

Ein Mann schiebt in einem Fotogeschäft in eine Kompaktkamera in seine Hosentasche (gestellte Szene). © dpa

Ein Mann beobachtet einen Diebstahl, läuft dem Täter hinterher, hält ihn fest und nimmt ihm das Diebesgut wieder ab. So weit, so ehrenhaft. In einem Fall aus Dorsten ist das Ergebnis allerdings eine Strafanzeige gegen den engagierten Bürger. Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass der Täter ein Kind ist.

Der Fall in Kürze

Mariusz K. kauft bei Rossmann ein, als er beobachtet haben will, wie zwei Jungen Spielzeug aus einem Regal heimlich in einen Rucksack packen und damit den Laden verlassen. Beide Jungen sind acht Jahre alt.

Er sei ihnen nachgelaufen, schildert er später, habe einen von ihnen am Kragen gepackt und zum Laden zurück gebracht. Die Eltern des Kindes haben ihn wegen Körperverletzung angezeigt.

Was ist erlaubt?

Ob diese Anzeige zu einer Bestrafung von Mariusz K. führen wird, ist noch nicht klar. Klar ist dagegen: Auch gegen Kinder darf man vorgehen, wenn man sie auf frischer Tat ertappt.

Korrektur

In einem früheren Artikel über den gleichen Fall haben wir berichtet, dass es generell nicht erlaubt sei, Kinder festzuhalten, die man bei einer Straftat beobachtet hat. Das ist falsch. Privatpersonen und Sicherheitsmitarbeiter können in jedem Fall einen Ladendieb – unabhängig vom Alter – stellen und ihm die gestohlene Ware wieder abnehmen. Eine Festnahme im Rahmen des Jedermanns-Paragraphen ist dafür nicht zwingend erforderlich. Unser Leser Rolf-Rainer Lenz hat uns auf diesen Fehler hingewiesen. Wir bitten um Entschuldigung.

Der sogenannte Jedermanns-Paragraph (Paragraph 127 Strafprozessordnung), der Festnahmen durch Zivilpersonen regelt, lasse sich zwar nicht auf Kinder unter 14 Jahren anwenden, weil diese schuldunfähig (auch: „nicht strafmündig“) seien, erklärt Staatsanwalt Henner Kruse. Es gebe aber andere Vorschriften, auf die sich Privatpersonen und Ladendetektive berufen können.

„Man darf Kinder selbstverständlich kurzzeitig festhalten und ihnen das Diebesgut wieder abnehmen“, so Kruse weiter. „Was darüber hinaus erlaubt ist, hängt allerdings vom Einzelfall ab.“ Insbesondere bei Gewaltanwendung gebe es Grenzen. Rechtsgrundlage für dieses Vorgehen seien die Vorschriften zur Selbsthilfe (§ 229 Bürgerliches Gesetzbuch/BGB) und zur Notwehr bzw. Nothilfe (§ 32 Strafgesetzbuch/StGB).

Auch Sicherheitsmitarbeiter zum Beispiel in Kaufhäusern dürfen sich bei ihrer Arbeit auf diese Vorschriften berufen. Sie werden häufig mit Straftaten durch Minderjährige konfrontiert.

Straftaten durch Kinder

Sechs Prozent aller Straftaten in Dortmund wurden im Jahr 2018 laut Angaben der Polizei von Kindern unter 14 Jahren begangen. Es sei zudem auch bekannt, dass Kinder für Ladendiebstähle vorgeschickt werden.

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