Warum niemand genau weiß, wie viele Dortmunder in Corona-Quarantäne sind

dzCoronavirus

Für überraschend viele Dortmunder im Gebiet einer Bombenentschärfung galt häusliche Quarantäne. Wie viele sind es insgesamt in der Stadt? Das ist nicht genau zu sagen. Aus gutem Grund.

Dortmund

, 13.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt 24 Dortmunder von 2000 - also etwa einer von 100 Bewohnern der Gegend um die Öztaler Straße - sind in Eving wegen des Kontakts mit dem Coronavirus in häuslicher Quarantäne. Diese während der Evakuierung mehrerer Wohnhäuser nach einem Blindgängerfund bekannt gewordene Zahl wirkt hoch.

Sie führt zu der Frage: Wie viele Dortmunder dürfen eigentlich gerade ihre Wohnung wegen Corona-Verdachts nicht verlassen?

Für jeden Fall sind die Zahlen bekannt - eine Gesamtzahl der Quarantäne-Fälle wird nicht geführt

Die genaue Zahl kann das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund aktuell auf Anfrage nicht nennen. Es liegt zwar die Zahl der aktiven Fälle vor und die Zahl und Daten der Personen im Umfeld, die jeweils vorsichtshalber ebenfalls in Quarantäne bleiben müssen.

Auf diese Weise kann bei lokalem Bedarf wie jetzt im Evinger Wohngebiet die Zahl der Quarantäne-Fälle ermittelt werden.

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Ein Durchschnitt, wie viele Personen pro Fall zusätzlich in Quarantäne müssen, lässt sich aber nicht seriös errechnen.

Stadtsprecherin Anke Widow sagt: „Es gibt bisher keinen statistischen Apparat, um die genaue Zahl abzubilden.“ Die Schwierigkeit: Die Zahl verändert sich täglich, weil Quarantänezeiten auslaufen oder verlängert werden und neue Diagnosen hinzukommen. Für eine darstellbare Zahl müsste ein Stichtag festgelegt werden, zu dem gezählt wird. Damit wäre die Zahl schon nicht mehr aktuell.

Andere Aufgabe im Gesundheitsamt sind im Moment wichtiger

Es sei bekannt, wie viele Personen im Zusammenhang mit jeweils einem neuen Infektionsfall in Quarantäne müssen, heißt es aus der Stadtpressestelle. Statistiken, die nicht mit Meldeverpflichtungen aus dem Infektionsschutzgesetz zusammenhängen, führe das Gesundheitsamt aber nicht.

Die Mitarbeiter würden sich auf Kontaktpersonennachverfolgung konzentrieren, um Infektionsketten zu unterbrechen. „Es gibt im Gesundheitsamt gerade viel anderes Wichtiges zu tun“, sagt Stadtsprecherin Anke Widow.

Die Zahl der Quarantäne-Anordnung im Umfeld variiert sehr stark

Die Zahl der betroffenen Personen im Umfeld eines Positiv-Getesteten variiert von Fall zu Fall sehr stark.

So waren zuletzt etwa bei Infektionen innerhalb von Dortmunder Kindertagesstätten bis zu 20 Familien gleichzeitig von der Quarantäne betroffen. Andere Fälle betreffen nur einzelne Familienangehörige. Wieder andere können eine ganze Gruppe von Menschen mit einschließen, etwa bei Infektionen in größeren Gruppen.

Seit dem ersten positiven Corona-Test in Dortmund am 5. März sind bisher 1065 Infektionen registriert worden. Daraus lässt sich herleiten, dass die Zahl der Dortmunder die bereits in Quarantäne waren oder immer noch sind, bei mehreren Tausend, wenn nicht sogar jenseits der 10.000 liegt.

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