Warum es in den Zügen der S-Bahn-Linie 1 derzeit so eng ist

dzAbmahnung für DB

Kurze und überfüllte Züge auf der S-Bahn-Linie 1 nerven viele Bahnpendler. Die Beschwerden beim VRR haben Folgen: Der Verkehrsverbund mahnte jetzt Bahnbetreiber DB Regio offiziell ab.

Dortmund

, 05.02.2019, 14:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer regelmäßig mit der S-Bahn-Linie 1 pendelt, ist in Sachen Komfort eigentlich nicht verwöhnt. In der letzten Zeit ist Harald Augustin, der regelmäßig von Dortmund nach Essen pendelt, aber besonders genervt. „Seit mehreren Monaten kommt die S1 meist nur mit einem Wagen. Der Wagen ist so auf meiner Strecke von Dortmund nach Essen und umgekehrt dramatisch voll“, berichtet der Dortmunder. „Es ist schwierig, sich zum Ausstieg in der Enge wieder den Mantel anzuziehen.“

Gerade in der Winterzeit sei die Enge sehr unangenehm, moniert Augustin. „Da wird geschnieft und gehustet was das Zeug hält.“ Dazu kommen oft verschmutzte Sitze. „Einige bleiben wohl auch deshalb lieber im Gang stehen, was zusätzlichen Stress beim Ausstieg bedeutet.“ Und nicht selten seien auch die Türen defekt und nicht passierbar. „Mit meinem Pkw dürfte ich so nicht auf die Straße“, stellt Augustin fest.

Viele Beschwerden beim VRR

Mit seinen Erfahrungen ist er nicht allein. Denn wie Harald Augustin beschweren sich aktuell viele Fahrgäste beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Und dort macht man denn auch kein Geheimnis daraus, dass man mit der momentanen Leistung von DB Regio NRW als Betreiber der S1 „alles andere als zufrieden“ ist. „Wir stehen in ständigem und fast täglichem Kontakt mit dem Unternehmen“, teilt der VRR auf Anfrage mit.

Der Hintergrund: Wegen technischer Probleme vor allem an den Radsätzen sind viele Wagen derzeit mehr in der Werkstatt statt auf den Schienen. Damit die Fahrten auf der Linie S1 nicht ganz ausfallen, würden die Fahrzeuge getrennt und fahren in kleineren Einheiten, teilt der VRR mit. „Diesen Zustand haben wir bei DB Regio scharf bemängelt und die umgehende Wiederherstellung des vertragskonformen Zustandes gefordert.“

Am Montag wurde der Geschäftsführung der DB Regio dann „im Rahmen eines außerordentlichen Qualitätsgespräches“ vom Vorstandssprecher des VRR eine formelle Abmahnung „aufgrund der anhaltend schlechten und nicht akzeptablen Betriebsleistungen“ ausgesprochen.

Probleme auf mehreren Linien

Dabei geht es nicht nur um die S-Bahn-Linie 1, sondern auch die S 68, S 8 und den RE 6. Es komme dort „zu erheblichen Angebotseinschränkungen wie Zugausfällen, fehlenden Sitzplätzen und massiven Verspätungen“, teilt der VRR mit. „Dies führt zu anhaltend untragbaren Qualitätseinschränkungen für die Fahrgäste. Dieser Zustand zieht sich bereits über das ganze Jahr 2018 und verschlechterte sich dabei über alle vier Quartale des vergangenen Jahres einschließlich bis heute und ist so nicht weiter akzeptabel.“

Das Management der DB Regio ist mit der Abmahnung jetzt aufgefordert, geeignete Maßnahmen einzuleiten, die schnellstmöglich zu erkennbaren Verbesserungen führen.

VRR fordert Maßnahmenplan

„Wir fordern die DB Regio auf, kurzfristig einen strukturellen und organisatorischen Maßnahmenplan vorzustellen, verbunden mit einer verbindlichen Nennung, wann der Regelzustand auf Dauer wieder erreicht wird und sie die verkehrsvertragliche Leistungspflicht wieder erfüllt“, erklärt VRR-Vorstandssprecher Ronald R.F. Lünser.

Außerdem erwartet der VRR von DB Regio zügig einen Vorschlag „für eine angemessene Entschädigung der betroffenen Fahrgäste“.

DB Regio verspricht Besserung

Die Reaktion von DB Regio: Man nehme die Abmahnung sehr ernst und habe bereits eine Taskforce gebildet, um schnell Verbesserungen zu erreichen. Man sei selbst mit der aktuellen Qualität, die man anbiete, nicht zufrieden und entschuldige sich ausdrücklich bei den Kunden, erklärte die Bahn auf Anfrage. „Wir setzen alles daran, die von uns geforderte Leistung so schnell wie möglich wieder in vollem Umfang auf die Schiene zu bringen“, sagte DB Region-Regionalchef Andree Bach.

Die Gründe für die aktuellen Probleme seien, dass aktuell zusätzlich zu den planmäßig durchzuführenden Instandhaltungsarbeiten in den Werkstätten in größerem Umfang Radsätze ausgetauscht werden müssen. Nach einer gewissen Laufzeit sei dies erforderlich. Dies führe dazu, dass zeitweise mehr Fahrzeuge in der Werkstatt seien, als von der Fahrzeugreserve zu kompensieren sind.

Zu den ersten Maßnahmen gehört neben verstärktem Mitarbeitereinsatz und Zusatzschichten, Fahrzeuge auch in anderen Werken der DB und von externen Unternehmen warten zu lassen. Um die Fahrzeugreserve vergrößern, werden auf einigen Linien Fahrzeuge der betroffenen Bauart durch andere Fahrzeuge ersetzt – unter anderem auf der S-Bahn-Linie 5 zwischen Dortmund und Witten.

Und wie sieht es mit einer Entschädigung der Fahrgäste aus? „Eine mögliche Entschädigung werden wir prüfen“, erklärt ein Bahnsprecher. Allerdings fordere schon der VRR Strafzahlungen beziehungsweise behalte Zahlungen ein.

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