Warum eine Korea-Siedlung ohne Koreaner mitten in Eving entstand

dzEvinger Heimatgeschichte

Die Wohnungen sind so gut oder schlecht wie andere auch in Eving. Und doch sind die Häuser zwischen Preußischer- und Hessischer Straße besonders. Sie waren mal Klein-Korea.

Eving

, 30.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Häuser zwischen Preußischer- und Hessischer Straße gebaut. Hier fanden damals 900 Menschen ein neues Zuhause. Ihre besondere Geschichte beschäftigt jetzt den Evinger Geschichtsverein.

Die Frauen und Männer, die in diese neuen Wohnungen zogen, waren im Zweiten Weltkrieg unter anderem als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich verschleppt worden, konnten aber nach Kriegsende aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren. So berichtet es Wolfgang Skorvanek, stellvertretender Vorsitzender des Evinger Geschichtsvereins.

Vor allem Polen zogen in die neu gebauten Wohnungen

Etwa eine Million Menschen seien nach 1945 zunächst von den Besatzungsmächten in Sammelunterkünften untergebracht worden, bis sie in „normale“ Wohnungen konnten. Solche Wohnungen entstanden zwischen 1949 und 1951 eben auch in Eving. Weil in dieser Zeit der Korea-Krieg tobte, nannten die Evinger die neue Siedlung bald „Klein-Korea“. Dabei wohnten hier keine Koreaner, sondern die neuen Unterkünfte boten überwiegend Polen sowie Serben, Ukrainern, Russen und Esten ein neues Zuhause.

Warum eine Korea-Siedlung ohne Koreaner mitten in Eving entstand

Die damals ganz neue Siedlung: ein Foto aus dem Jahr 1951. © Berger

Eine von ihnen ist Danuta Jelinek. Sie wurde in der Siedlung groß. Mit zwei Jahren kam sie nach Dortmund. Noch heute lebt die 69-Jährige in der Siedlung. Sie kann sich noch an Vieles erinnern: „Da konnte es in den ersten Tagen der Siedlung auch schon mal laut werden.“

Warum eine Korea-Siedlung ohne Koreaner mitten in Eving entstand

Danuta Jelinek ist zu Gast beim Evinger Geschichtsverein. © privat

Jelinek ist im Juni zu Gast beim Geschichtsverein, sie kann einiges erzählen, unter anderem das:

Nach der Befreiung Deutschlands begann für ihre Eltern eine Zeit zwischen Ungewissheit und Zuversicht. In Eisenbahnwaggons wurden sie von den Alliierten quer durch ein fremdes Land gefahren und in den von den Alliierten eingerichteten Lagern untergebracht. Sie trafen dabei hauptsächlich auf polnische Lagerbewohner, die nicht zurück in ein Polen wollten, das nun von Stalin beherrscht wurde oder sich als Juden vor antisemitischen Ausschreitungen und Pogromen in Polen fürchteten.

Warum eine Korea-Siedlung ohne Koreaner mitten in Eving entstand

So haben sie sich in den 50er-Jahren schick gemacht in der Siedlung für die bevorstehende Prozession. © privat

„Aber die Situation für Lagerbewohner war oftmals katastrophal, obwohl die Militärbehörden verfügt hatten, dass sie besser mit Nahrungsmitteln versorgt werden sollten als die deutsche Bevölkerung. Es gab Entkräftung, Krankheiten und Seuchen in den Lagern“, sagt Dr. Volker Schacke, stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsverein.

Warum eine Korea-Siedlung ohne Koreaner mitten in Eving entstand

Auch das gehört zur Geschichte der Siedlung: Care-Pakete für die Kinder. © privat

Wohnungen wurden auch von den Vereinten Nationen gefördert

Der Siedlungsbau mit 274 Wohnungen an der Hessischen Straße wurde durch Zuschüsse der Vereinten Nationen gefördert, denn die Befreiung, Versorgung und Zurückführung aller Verschleppten und Versprengten war ausdrücklich zum „hohen alliierten Kriegsziel“ erklärt worden. Außerdem gab es Geld aus dem Marshall-Plan und vom Bund.

Doch die Häuser, die im Schnellverfahren gebaut wurden, boten keinen luxuriösen Wohnstandard. Danuta Jelinek’s Eltern zählten zu den ersten Bewohnern. Sie erinnert sich: „Beim Einzug waren die Wände noch sehr feucht. Das Wasser gefror an den Fenstern. Und nur weil mein Vater etwas Brennmaterial für den Kanonenofen von anderen Lagerbekannten bekam, konnten wir heizen.“

Erst drei Jahrzehnte später hat man die Wohnungen modernisiert, hat Wolfgang Skorvanek recherchiert. Zunächst habe sich aber eine Art Ghetto gebildet. Bis zur Einschulung sprachen die in Deutschland geborenen Kinder der Aussiedler nur Polnisch und blieben bis zur vierten Klasse unter sich.

Warum eine Korea-Siedlung ohne Koreaner mitten in Eving entstand

So sieht die Siedlung heute aus. © Klaus Berger

Viele Deutsche hätten den Bewohnern damals distanziert und ängstlich gegenüber gestanden.

Evinger geschichtsverein

Themenabend am 17. Juni im Evinger Schloss

Der Themenabend des Evinger Geschichtsverein über „Heimatlose Ausländer in Eving“ findet unter der Leitung von Danuta Jelinek am Montag, 17. Juni, im Evinger Schloss, Nollendorfplatz 2, statt. Beginn ist um 18.30 Uhr. Der Zugang zum Saal in der ersten Etage ist barrierefrei; die Teilnahme ist kostenlos.
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