Warum dieser Mann aus Eving freiwillig sein Auto abgegeben hat

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50 Jahre lang war sein Auto ein ständiger Begleiter von Klaus Berger. Obwohl er keine gesundheitlichen Beschwerden hat, gibt er es nun ab. Dafür hat er seine eigenen Gründe.

Eving

, 02.09.2019, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor ziemlich genau 50 Jahren hat Klaus Berger sich sein Auto gekauft. Seitdem hat es ihm gute Dienste erwiesen. Er war damit einkaufen, arbeiten und alles damit gemacht, was man mit dem Auto eben so macht. Doch jetzt hat er entschieden: Das will ich nicht mehr.

„Für mich war jetzt einfach Schluss. Der Verkehr wird immer schlimmer und ich möchte nicht, dass irgendwas passiert“, sagt der Evinger. Vor gut einem Monat hat er sein Auto abgemeldet, verkauft ist es mittlerweile auch. Dabei hat der 80-Jährige keine gesundheitlichen Probleme - ganz im Gegenteil. „Ich bin absolut fit“, sagt er.

„Tief in mich reingehört“

Dennoch steht sein Entschluss, auf das Auto zu verzichten, schon lange. „Ich finde einfach, ab einem bestimmten Alter ist es nicht mehr nötig. Und jetzt bin ich im Juni 80 geworden und habe ganz tief in mich rein gehört“, berichtet Klaus Berger. Herausgekommen ist die Entscheidung, das Auto von nun an stehen zu lassen.

Seine Frau Hannelore hat diesen Entschluss schon vor 12 Jahren getroffen. „Aber das waren noch andere Zeiten, da brauchte Klaus seinen Führerschein noch“, erklärt Hannelore Berger. Sie selbst ist seitdem nur noch Beifahrerin gewesen - oder hat die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt.

Alles mit der Bahn

Letzteres macht das Ehepaar nun zusammen. Egal ob zum Einkaufen oder in die Stadt, auf einen Besuch zu den Kindern oder einen Ausflug nach Lünen oder Waltrop - alles wird ruckzuck mit Bus und Bahn erledigt. „Wir haben da wirklich keine Probleme mit und sind hier auch super angebunden“, berichtet Klaus Berger.

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Und auch die Rückmeldungen, die der Rentner bisher bekommen hat, waren durchweg positiv. „Es gab noch keine negativen Kommentare, alle finden es toll. Einer hat mir sogar gratuliert“, berichtet er mit einem Schmunzeln. Und auch er selbst ist mit seiner Entscheidung zufrieden: „Ich würde es immer wieder so machen.“

Der Führerschein bleibt

Einen letzten Teil seiner Auto-Vergangenheit hat der 80-Jährige allerdings behalten: seinen Führerschein. „Den wollte ich nicht abgeben, da hängen auch viele Erinnerungen dran“, erklärt Klaus Berger. Auch das Angebot der Stadt, für zwei Monate ein kostenloses Ticket zu bekommen, konnte ihn nicht reizen: „Ich finde, das ist zu wenig. Andere Städte machen das deutlich besser.“ In Augsburg etwa bekommen die Senioren, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, ein kostenloses Jahresabo geschenkt.

Bereut hat Klaus Berger seine Entscheidung nicht. Er möchte ein Vorbild für andere Senioren sein: „Es geht auch ohne Auto alles gut. Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen und darüber nachdenken, ob er noch fit genug ist oder das Auto nicht lieber stehen lassen sollte.“

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