Zwischen Essen, Bochum und Gelsenkirchen wurde bereits ein weiteres Teilstück des RS1 eingeweiht. © dpa
Verkehrsplanung

Warum die Planung des Radschnellwegs in Dortmund nur langsam vorangeht

Mehr Tempo bei der Planung des Radschnellwegs Ruhr forderten mehr als 2500 Menschen bei einer Fahrrad-Demonstration in Dortmund. Die Verkehrsplaner der Stadt erklären, warum es nur langsam vorangeht.

Es war ein eindrucksvolles Bild: Mehr als 2500 Radfahrerinnen und Radfahrer rollten Anfang Juni über die B1 und B54. Teilweise war die Radler-Demo fast vier Kilometer lang. Mitte des Monats bekräftigte auch die Umweltgruppe „Extinction Rebellion“ bei ihrer unangemeldeten Blockade der B1 die Forderung nach einem schnelleren Ausbau des Radschnellwegs Ruhr (RS1).

Die Radler ihrerseits machten aus den Bundesstraßen gewissermaßen einen Radschnellweg, weil der eigentliche Radschnellweg Ruhr (RS1) in Dortmund nur im Schneckentempo vorankommt. Im April wurde nach jahrelanger Vorplanung mit dem ersten Bauabschnitt im Kreuzviertel begonnen. Dort werden die Große-Heim-Straße und Teile der Sonnenstraße zu Fahrradstraßen.

So soll die Große-Heim-Straße im Kreuzviertel als Fahrradstraße und Teil des RS1 aussehen. © Stadt Dortmund © Stadt Dortmund

Fertigstellung nicht vor 2030

Und auch mit weiteren Bauabschnitten geht es nur langsam voran. Dortmunds Verkehrsplaner stellen inzwischen eine Fertigstellung des RS1 in Dortmund nicht vor 2030 in Aussicht. Sehr zum Ärger der Initiativen Aufbruch Fahrrad und Fridays for Future in Dortmund, die deshalb zu der Radler-Demo aufgerufen hatten. Sie fordern vor allem mehr Personal für die schnelle Fertigstellung des Radschnellweges und das übrige Radverkehrsnetz.

Dass es nur langsam vorangeht, hatten Vertreter der Stadtverwaltung schon beim Baustart für den RS1 eingeräumt – und auch Erklärungsversuche dazu geliefert. So könnten anders als in anderen Städten des Ruhrgebiets in Dortmund für den RS1 keine alten Bahntrassen genutzt werden. Hier geht es teilweise mitten durch die Innenstadt. „Die spannende Aufgabe besteht darin, die Trasse in den verdichteten urbanen Raum einzubinden“, erklärt Planungsamtsleiter Stefan Thabe.

Die Planung erfordere dabei „komplexe Abstimmungsprozesse“, heißt es. Weil Radschnellwege als „Landesstraßen“ klassifiziert sind und überwiegend vom Land finanziert werden, liege die Baulast für die freien Strecken beim Landesbetrieb Straßen.NRW, die für die Ortsdurchfahrten bei der Stadt.

Abstimmung mit dem Land

Auf der 24 Kilometer langen Strecke des RS1 in Dortmund wechselt die Zuständigkeit gleich zehn Mal: Fünf Abschnitte mit zusammen 18 Kilometern liegen in der Zuständigkeit des Landes, fünf Abschnitte mit zusammen 6 Kilometern bei der Stadt Dortmund. Dazu muss die Planung mit der Bahn abgestimmt werden, weil ein Teil der Strecke unmittelbar neben der Trasse der S-Bahn-Linie 4 verlaufen soll.

Mehr als 2500 Radler demonstrierten Anfang Juni in Dortmund für mehr Tempo bei der Planung des Radschnellwesgs. © dpa © dpa

„Um möglichst viele Abschnitte parallel planerisch und baulich zusammenhängend umzusetzen, haben die Stadt Dortmund und der Landesbetrieb Straßenbau NRW eine Planungsvereinbarung geschlossen. Damit wird die Stadt alle Teilstücke des RS1 auf Dortmunder Stadtgebiet zusammenhängend planen“, erläutert Stefan Thabe.

Die Planungen für alle Bauabschnitte in der Baulast der Stadt sollen noch 2021 begonnen, die Bauabschnitte in der Baulast des Landes von externen Ingenieurbüros bearbeitet werden. Dazu sollen 2021 erste Aufträge vergeben werden. Auch Untersuchungen zum Umwelt- und Naturschutz würden in diesem Jahr an externe Gutachterbüros vergeben.

Breitere Wege, deutlich mehr Brücken

Die Planer geben aber auch zu, dass sie die Komplexität und den Arbeitsumfang des Projektes zu Beginn deutlich unterschätzt haben – auch, weil sich Rahmenbedingungen inzwischen geändert hätten. 2016 sei man noch davon ausgegangen, dass der RS1 nur partiell begleitende Gehwege erhalten soll.

Jetzt soll es genereller Standard für den gesamten Verlauf sein. „Es macht jedoch einen großen Unterschied, ob eine 4 Meter breite Trasse oder eine rund 7 Meter breite Trasse zu finden und zu realisieren ist“, erklärt Stadtsprecher Christian Schön.

Zugenommen habe auch die Zahl der Brücken, die für den RS1 entstehen sollen. „Auf Dortmund entfallen – je nach Trassenentscheidung – 14 bis 16 neue Brücken oder Unterführungen“, erklärt Schön. „Diese Bauwerke benötigen einen deutlich längeren Planungsvorlauf.“

Neue Stellen eingerichtet

Und in der Tat herrscht bei den zuständigen Ämtern immer noch Personalknappheit – obwohl der Rat im Juli 2019 zehn zusätzliche Stellen für den Radverkehr bewilligt hatte – acht im Tiefbauamt und zwei im Planungsamt. Im November 2020 waren im Tiefbauamt von den acht Stellen sieben besetzt.

„Davon war aber nur eine Stelle speziell für die Radverkehrsplanung vorgesehen“, erklärt Schön. „Die anderen sechs besetzten Stellen kümmern sich um Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Bau und Instandhaltung – so war es auch immer geplant und von der Politik beschlossen.“

Speziell für den RS1 seien im Tiefbauamt bislang keine Stellen eingerichtet worden. „Und jetzt eine Stelle von den vorhandenen – speziell umetikettiert für den RS1 – davon abzuzwacken, würde wenig Beschleunigung bringen“, heißt es.

Nachholbedarf in Sachen Radverkehr

Bei einer Investition von mindestens 75 Millionen Euro sei es ohnehin nicht mit einer Stelle getan. Es seien aber sowohl für das Planungs- als auch das Tiefbauamt neue Stellen vorgesehen, die sich ausschließlich mit dem RS1 befassen sollen.

Dass man bisher keine Stellen speziell für den RS1 eingerichtet hat, erklärt die Stadt mit dem generellen Nachholbedarf in Sachen Radverkehr – auch, weil viele bestehende Radwege in die Jahre gekommen sind und nicht mehr modernen Standards entsprechen.

Der RS1 sei ein zukunftsträchtiges Leuchtturmprojekt, aber „wir müssen den Radverkehr aber in der Breite voranbringen, damit sich auch die Wege zum RS1 verbessern“, heißt es. „Auch wenn der RS1 langsamer fortschreitet als gewünscht, passiert parallel ganz viel.“

Oberbürgermeister Thomas Westphal kündigt denn auch für September die Vorlage eines neuen Radverkehrskonzepts an. Dabei soll es unter anderem um die Ausweisung von Fahrradstraßen gehen, die auch abseits des RS1 entstehen sollen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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