Busreisen-Anbieter und Reiseleiter Stefan Schütz steht hier am Turm Belem in Lissabon. Wann er dort wieder mit einer Reisegruppe sein kann, steht in den Sternen. Zumindest in Deutschland aber will er endlich wieder unterwegs sein. © Reisedienst Schütz
Tourismus

„Warum darf ich um die Welt jetten, aber nicht nach Rügen?“

Stefan Schütz schimpft. Der Busreisen-Anbieter fürchtet, dass er sein Lebenswerk verliert. Nachdem der Tourismus beim jüngsten Corona-Gipfel keine Rolle spielte, schreibt er der Kanzlerin.

Garage statt Gardasee. Seit Monaten fährt beim Reisedienst Schütz kein Bus. „Wir sind am 1. November von einer Rhein-Mosel-Flusskreuzfahrt zurückgekehrt. Das war‘s. Seitdem steht alles still, meine fünf Busse stehen nur rum“, sagt Stefan Schütz.

Als die Kanzlerin am Mittwoch kurz vor Mitternacht vor die Kameras trat und die neuen Öffnungsschritte erklärte, platzte Stefan Schütz der Kragen. Wieder spielte die Tourismus-Branche keine Rolle. „Das geht doch nicht! Ich brauche doch jetzt nach über vier Monaten Stillstand endlich eine Alternative“, sagt der Unternehmer.

Am Donnerstagmorgen setzte er sich hin und schrieb eine gepfefferte E-Mail an die Bundesregierung, an Kanzlerin Angela Merkel. „Erklären Sie doch mal einem Mitbürger, warum ich mit dem Flieger um die Welt jetten kann, aber das Wochenende im Schwarzwald, auf Rügen oder Usedom verboten ist“, lautet seine zentrale Frage.

„Politisches Versagen kann Todesurteil bedeuten“

Auch, wenn dort vor Ort kein Restaurant und kein Café geöffnet habe, wollten die Leute trotzdem einfach mal raus, sagt Stefan Schütz. „Und das Übernachten in Ferienwohnungen wäre ohne große Infektionsgefahr möglich. Es kann doch nicht sein, dass die Politik grundsätzlich sagt: wir haben alles verboten, ihr braucht da nicht hin“, so Schütz.

Zudem hält er ein Versagen bei der Impf- und Teststrategie sowie beim Auszahlen der Überbrückungshilfen für so eklatant, „dass es für uns als Reiseunternehmen das Todesurteil bedeuten kann“. „Von den Staatshilfen“, sagt er, „hab ich nichts bekommen. Wo ist der Sinn einer Sofort- oder Überbrückungshilfe, wenn man monatelang darauf warten muss?“

Mit seiner Enttäuschung über die so zaghaften Öffnungsschritte, die beim Corona-Gipfel beschlossen wurden, steht Stefan Schütz nicht allein da. Auch Michael Draeger im Reisebüro-Stoffregen reagiert mit „völligem Unverständnis“ darauf, dass der Tourismus erneut völlig ignoriert worden sei. „Das Osterreisen-Geschäft ist abgeschrieben“, sagt er.

Osterreisen können nicht mehr organisiert werden

Das gilt auch für Stefan Schütz. „Osterreisen sind jetzt für uns undenkbar. Dafür brauche ich ja einen Vorlauf. Selbst wenn es am 22. März heißen würde, dass ich bei einer Inzidenz unter 50 mit einem halb gefüllten Bus fahren dürfte, könnte ich das ja gar nicht mehr organisieren und bewerben“, sagt er.

Zunehmende Verärgerung sieht die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund bei vielen Unternehmen kommen. „Bereiche wie Gastronomie, Kulturwirtschaft, Veranstaltungen, Messe, Reisen und Hotels sind erneut quasi vergessen worden. Das wird den Unmut der Betriebe noch weiter verschärfen“, sagen IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann und IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber.

Tagesfahrten nach Bad Zwischenahn

Stefan Schütz plant jetzt ganz vorsichtig ab dem 15. Juni ein Tagesfahrten-Programm nach Bad Zwischenahn oder auch zum Edersee. „Ich glaube, das ist realistisch“, sagt er. An Mehrtagesfahrten denkt er erst für den Sommer. Natürlich auch nur innerhalb Deutschlands. Zwei Radreisen und zwei Wanderreisen soll es dann geben.

„Ich habe ein voll motiviertes Team, das arbeiten will und zurzeit nur Kurzarbeitergeld bekommt“, sagt Stefan Schütz. Zehn Aushilfskräfte musste er entlassen, aktuell hat er noch sechs Vollzeitbeschäftigte. „Wir wollen aber alle wieder einstellen, sobald absehbar ist, dass es wieder losgeht.“

Von der Bundesregierung hat er auf seine Mail übrigens schon eine Antwort erhalten. „Ich solle mich doch“, so gibt es Stefan Schütz wieder, „mit der Landesregierung in Verbindung setzen.“

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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