Wallfahrt: Auf der Suche nach Heilung und Gemeinschaft

dzMalteser

Unzählige Menschen pilgern Jahr für Jahr ins französische Lourdes. Unter ihnen ist auch der Brechtener Thomas Ohm, der nun schon seine elfte Fahrt organisiert.

Eving

, 21.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Ohm ist kein Pilger im eigentlichen Sinne. Der 50-Jährige, ehrenamtlich bei den Maltesern tätig, sorgt eher dafür, dass andere in Ruhe „wallen“ können. „Wallen“ bedeutet soviel wie: in eine Richtung ziehen. Viel bekannter ist der davon abgeleitete Begriff „Wallfahrt“.

Thomas Ohm wallt jedes Jahr – und zwar in Richtung Lourdes. Lourdes liegt im nördlichen Vorgebirge der Pyrenäen, nahe der spanischen Grenze. 1858 soll ein vierzehnjähriges Mädchen dort Marien-Erscheinungen gehabt haben. Heute ist Lourdes einer der weltweit meistbesuchten Wallfahrtsorte.

Auch Thomas Ohm war schon etliche Male dort. Als Wallfahrer und als Organisator. Vom 2. April bis 8. April 2020 wird es die elfte Wallfahrt geben, die Ohm organisiert. Auch wenn die zentrale Organisation über Paderborn als Sitz des Erzbistums läuft.

Er sei dafür zuständig, dass es vor Ort alles gut läuft und ein Ansprechpartner für die vielen Menschen da ist, die mit den Maltesern Richtung Frankreich aufbrechen.

Pilger reisen jährlich nach Lourdes

Vor Ort gibt es für die Wallfahrer der Diözese Paderborn die Wahl zwischen einem Drei- oder einem Vier-Sterne-Hotel.

Die Kranken, Schwerkranken oder pflegebedürftigen Pilger werden in „Accueil“ wohnen, in Häusern, die speziell für pflegebedürftige und bewegungseingeschränkte Menschen eingerichtet sind.

Ohm, der in Eving geboren wurde und nun in Brechten lebt, hatte bis in die 1990er-Jahre keinen großen Bezug zum Glauben. Das kam erst, als er als Rettungssanitäter 1997 eine Wallfahrt ins polnische Tschenstochau begleitete.

Thomas Ohm entdeckte in Polen den Katholizismus

Die Art und Weise, wie Junge und Alte miteinander umgingen, packte ihn schnell. „Diese polnischen Gottesdienste waren so viel lebendiger als die, die ich aus Deutschland kannte“, sagt Ohm. Die Gottesdienste und der katholische Glauben waren das, was Ohm für sich dann entdeckte – als Protestant.

„2008 bin ich zum katholischen Glauben konvertiert“, sagt Ohm. Nur das „ewige Hinknien“ verstehe er bei katholischen Gottesdiensten überhaupt nicht. „Da habe ich noch nie Verständnis für gehabt.“

Knien in der Grotte: „Ich habe es gar nicht gemerkt“

In Lourdes hat er es dann doch getan. Sogar eine halbe Stunde lang. Abends, in der Grotte, wo 1858 mit der Marien-Erscheinung alles begann. „Ich habe es gar nicht gemerkt“, sagt Ohm. Es sei so geschehen. Genau an der Stelle, an der auch das vierzehnjährige Mädchen gestanden haben soll.

Es sind diese Dinge, die Thomas Ohm gepackt haben, wie viele Menschen, die nach Lourdes pilgern, um sich Linderung oder Heilung bei Krankheiten oder Gebrechen zu verschaffen.

Und hier setzt wieder die Sache mit dem Glauben ein. Passt denn so eine Wallfahrt noch in die heutige Zeit? „Ja“, sagt Thomas Ohm. „Ich glaube, dass gerade in der heutigen unsteten Zeit viele Menschen auf der Suche nach Strukturen sind“.

Lourdes steht auch für Profit

Lourdes steht aber nicht nur für Glauben und Heilung, Lourdes steht auch für Profit. Millionen Pilger strömen hier jedes Jahr hin – und die bringen Geld. „Wer nicht an Lourdes glaubt und nicht gefestigt ist, der wird sich sagen, was für eine Abkassiererei“, sagt Ohm. Wenn man aber durch die beiden Tore des Heiligtums geht, sei man mit sich und dem Glauben alleine.

Glaubt Thomas Ohm an Wunder? „Sagen wir es so, ich kenne zwei persönliche Fälle, bei denen es eine entscheidende Besserung des Gesundheitszustandes nach einer Wallfahrt nach Lourdes gab“, sagt Ohm.

„Ich glaube, dass so etwas häufiger passiert. Ansonsten sei das Wunder, so Ohm, dass viele Menschen immer wieder sagen, sie würden lange von dem Erlebnis einer Wallfahrt nach Lourdes zehren.

Nach Lourdes mitfahren kann jeder, unabhängig von Konfession, Alter oder Gesundheitszustand. Die Malteser täten alles, um jedem eine Wallfahrt nach Lourdes zu ermöglichen.

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