Wahlkampf in Dorstfeld: Hannibal darf nicht länger verrotten

dzKommunalwahl 2020

Der Stadtteil Dorstfeld gehört zum Stadtbezirk Innenstadt-West. Welche Themen bestimmen hier den Wahlkampf für die Kommunalwahl 2020? Unter anderem sind es der Hannibal und die Nazis.

Dorstfeld

, 08.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zur Kommunalwahl 2020 sind es nur noch wenige Tage. Nicht nur der Rat und der Oberbürgermeister werden am 13. September gewählt, die Bürger können auch die Besetzung der zwölf Bezirksvertretungen mitbestimmen.

Die Bezirksvertretungen sind für zahlreiche lokale Belange unmittelbar zuständig und darüber hinaus an bezirksübergreifenden Entscheidungen des Stadtrates beteiligt. Jedes der zwölf Gremien hat 19 Sitze – mehr erlaubt die NRW-Gemeindeordnung nicht.

Der Stadtteil Dorstfeld gehört zum Stadtbezirk Innenstadt-West. Welche Themen bestimmen hier den Wahlkampf? Welche Probleme wollen die Kommunalpolitiker in Dorstfeld in den nächsten fünf Jahren angehen und lösen?

Die Aufwertung des Wilhelmplatzes speziell für Kinder wünscht sich die Partei Die Linke.

Die Aufwertung des Wilhelmplatzes speziell für Kinder wünscht sich die Partei Die Linke. © Oliver Schaper

Ihre Wahlprogramme haben der Redaktion nur die Freie Bürgerinitiative (FBI) und die Partei „Die Linke“ zur Verfügung gestellt. Anfragen an die weiteren Parteien blieben unbeantwortet.

FBI: Klimaschutzwäldchen statt Supermarkt auf der Frerich-Wiese

Sowohl die FBI als auch „Die Linke“ formulieren konkrete Wahlziele, die sie sich speziell für den Stadtteil Dorstfeld wünschen.

Zentrale Forderung der Freien Bürger Initiative (FBI) für Dorstfeld ist seit Jahren der Erhalt der Frerich-Wiese. Eine Bebauung mit einem Supermarkt lehnt sie ab. Stattdessen schlägt die FBI dort die Anpflanzung eines Klimaschutzwäldchens vor.

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Mit einer Öffentlichkeitskampagne will die FBI der Stigmatisierung Dorstfelds „als bevorzugter Wohnort von Neonazis“ entgegenwirken, etwa durch mehr Präsenz der Ordnungspartnerschaften aus Ordnungsamt, Polizei sowie Zivilstreifen.

Ähnlich wie bei der Bekämpfung der Clan-Kriminalität sollen sie „mit einer Null-Toleranz-Strategie selbst kleinste Ordnungswidrigkeiten von Neonazis“ ahnden. „Durch Kommunikation mit aufklärender Geschichtsarbeit soll eine Reintegration in die deutsche Gesellschaft versucht werden“, so die FBI.

Bessere Anbindung des „traumhaft schönen Emscher-Radwegs“

Zudem hält die FBI eine bessere Anbindung und Beschilderung des „traumhaft schönen Emscher-Radwegs“ in Dorstfeld für sinnvoll. Dazu sei auch eine für Radfahrer sicherere Umgestaltung der Wittener Straße/Arminusstraße notwendig.

Der Stadtführer Dirk Galda ist der einzige FBI-Kandidat für die Bezirksvertretung Innenstadt-West.

Die FBI ist gegen die Bebauung der Frerichwiese mit einem Supermarkt.

Die FBI ist gegen die Bebauung der Frerichwiese mit einem Supermarkt. © Oliver Schaper

Die Partei Die Linke will sich für eine Neugestaltung des Wilhelmplatzes stark machen. Vor allem mehr Aufenthaltsqualität für Kinder soll dort geschaffen werden. So könne man auch die Attraktivität für die Geschäfte im Ortszentrum steigern.

Um den ÖPNV zu stärken, halten die Linken eine bessere und längere Busfrequenz besonders in den Randzonen für sinnvoll. Die Partei will sich außerdem für sichere Schulwege, den Ausbau eines Radwegenetzes und mehr Grün in Dorstfeld einsetzen.

Hannibal und „Nazi-WGs“ sind Schandflecke für Dorstfeld

Ein weiteres Thema im Wahlkampf der Linken ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Umso schlimmer, dass jetzt fast drei Jahre der Komplex Hannibal II leer steht. Der Riesenkomplex, in dem einmal über 700 Menschen gelebt haben, verrottet“, heißt es.

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Wie der Hannibal seien auch die „Nazi-WGs“ ein Schandfleck für Dorstfeld. Deshalb fordern die Linken „den Ausbau und die Förderung der Quartiersdemokraten“. Die Fach- und Netzwerkstelle Quartiersdemokraten kümmert sich um die Themen Rechtsextremismus-Prävention und Demokratie-Förderung. Schwerpunktmäßig ist sie für den Stadtteil Dorstfeld zuständig.

Außerdem möchten die Linken Vereine und Initiativen in Dorstfeld unterstützen, „die sich für arme Kinder, arme Eltern, für Umwelt- und Klimaschutz, für Gleichberechtigung und Demokratie einsetzen.“

Für die BV Innenstadt-West kandidieren vier Mitglieder der Partei „Die Linke“. Spitzenkandidatin ist die Rentnerin und Sozialberaterin Anne Renate Eberle.

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