Wambeler Firma druckt Festival-Shirts für Wacken – und hat ein Problem

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Der Festivalsommer 2020 ist abgesagt. Das trifft nicht nur Musiker, Künstler und Veranstalter. Auch die Firma Art Worx Merchandising, die Drucke herstellt, ist von der Krise betroffen.

Wambel, Dortmund

, 11.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Art Worx Merchandising mit Hauptsitz in Dortmund-Wambel gehört zu den größten Fanartikel- und Textildruckunternehmen Europas. Der Ausfall des Festivalsommers 2020 trifft das Unternehmen schwer. Firmenchef Stefan Matuschek (53) sieht darin aber auch eine Chance.

„Wir haben geahnt, dass Schlimmes auf uns zukommt“, sagt Matuschek. „Doch darauf haben wir uns seit Mitte März vorbereitet.“

Dem Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August folgten zahlreiche Absagen von Konzerten, Tourneen und Festivals. Das sei bereits vorher abzusehen gewesen, doch aus Versicherungsgründen hätten viele Veranstalter auf die Vorgaben des Gesetzgebers gewartet, sagt Matuschek.

In 24 Stunden an jeden Ort in Europa

Jährlich werden am Dortmunder Firmenstandort, Tecklenborn 14, mehr als 5 Millionen Textilien in Siebdruck, Digitaldruck oder Stick veredelt – Mützen, T-Shirts, Pullover.

Zu den Kunden gehören Musikgrößen wie die Toten Hosen und Festivals wie das Wacken Open Air oder das Graspop Metal Meeting in Belgien, zu denen Jahr für Jahr zehn- bis hunderttausende Fans pilgern.

Unter der Regie von Julia Fromm entsteht das neue T-Shirt für das Wacken Open Air, mit dem Fans das Festival finanziell unterstützen können.

Unter der Regie von Julia Fromm entsteht das neue T-Shirt für das Wacken Open Air, mit dem Fans das Festival finanziell unterstützen können. © Hendrik Bücker

Möglich machen das vier große Druckmaschinen, die jeweils 500 T-Shirts in der Stunde bedrucken können. „Vor dem Coronavirus lautete unsere Vorgabe, innerhalb von 24 Stunden 5000 T-Shirts an jeden Ort in Europa zu liefern“, erklärt Stefan Matuschek. Um das zu erreichen, arbeiten in Wambel normalerweise 100 Angestellte. 70 von ihnen befinden sich derzeit in Kurzarbeit.

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Das Unternehmen, mit dem er vor zehn Jahren von Kamen nach Dortmund zog, gründete Stefan Matuschek 1985. Im elterlichen Keller fing alles mit einer kleinen Siebdruckerei an. Das erste Motiv: eine Faust, die ein Hakenkreuz zerschlägt.

Die Faust gab es als Stempelmotiv, erzählt Matuschek. Mit solch einem Stempel sei er damals gemeinsam mit seinen Freunden umhergezogen und habe Hakenkreuze „zerschlagen“ wollen. So entstand jenes Motiv, das bis heute auf vielen Aufklebern oder T-Shirts zu finden ist.

Weit davon entfernt, kostendeckend zu arbeiten

Auch heute legt der Firmenchef Wert auf das Handwerk: „Hier in Dortmund machen wir noch alles von Hand, von der Bildbearbeitung bis zum Mischen der Druckfarben.“ Den Wegfall von Aufträgen durch abgesagte Tourneen und Festivals spürt das Unternehmen deutlich: „Wir sind weit davon entfernt, kostendeckend zu arbeiten.“

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Über Kurzarbeit und staatliche Zuschüsse ist Stefan Matuschek daher erleichtert: „Das gibt uns eine gewisse Planungssicherheit und Arbeitsplätze bleiben erhalten.“ Die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, sei nicht einfach, letztendlich aber doch richtig gewesen. „Schließlich trage ich die Verantwortung für meine Mitarbeiter und viele haben eine Familie zu ernähren“, sagt Matuschek.

Mit ausgefallenen Gesichtsmasken und einer neuen Modelinie mit Botschaften gegen das Coronavirus will das Unternehmen in diesen Tagen durchstarten.

Dortmunder Urgestein der Metal-Szene

Viel schwerer treffe es die Solo-Selbstständigen, weiß Matuschek. Sie plagen größere finanzielle Sorgen. „Bühnenbauer, Licht- und Tontechniker, Cover-Artists, Musiker, Plattenläden...“, es scheint, der 53-Jährige könnte ewig weitere Betroffene aufzählen.

Der gebürtige Dortmunder Axel Hermann kreiert seit 1988 Plattencover. Viele davon besitzen heute Kultstatus.

Der gebürtige Dortmunder Axel Hermann kreiert seit 1988 Plattencover. Viele davon besitzen heute Kultstatus. © Hendrik Bücker

Einer von ihnen ist Axel Hermann (52), in Hörde geboren und damit ein „echtes Dortmunder Urgestein“, wie Matuschek sagt.

Der freischaffende Illustrator kreiert seit 1988 Plattencover für namhafte Szenebands wie Morgoth, Asphyx oder Iced Earth – unter anderem im Auftrag des Dortmunder Plattenlabels Century Media Records.

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Eigentlich wollte Hermann gemeinsam mit drei anderen Künstlern auf dem Rock Hard Festival in Gelsenkirchen seine Werke ausstellen. Das Verbot von Großveranstaltungen macht ihm nun zu schaffen: Mit der abgesagten Ausstellung versiegt eine wichtige Einnahmequelle. Dabei wurden die kostspieligen Drucke bereits angefertigt; die Produktion der neuen Artbooks konnte er noch rechtzeitig stoppen.

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„Derzeit fallen insgesamt 50 Prozent meiner Aufträge weg“, sagt Hermann. An die neue Situation müsse er sich noch anpassen, denn eigentlich ist er zusätzlich als Tätowierer tätig. Doch diesem Beruf darf er zurzeit auch nicht nachgehen. Aktuell arbeitet er daher unter dem Dach von Art Worx Merchandising – als Freiberufler entwirft er Motive für T-Shirts.

Trotz Krise keine Untergangsstimmung

Trotz Krise herrsche keine Untergangsstimmung, betont Stefan Matuschek. „Natürlich wollen wir zur Normalität zurück, doch so wie früher wird es wahrscheinlich nicht mehr werden.“

Ob alle Festivals die Krise überleben können, wisse er nicht sicher, und Bands aus Übersee werde man hierzulande mittelfristig wohl nicht mehr sehen.

Das sei gleichzeitig aber auch eine Chance sich auf die regionalen Stärken zurück zu besinnen. Mit Blick auf die harte Musik sagt der Firmengründer: „Dortmund ist das Zentrum der Szene. Hier sind viele Bands, Plattenlabel und Fachmagazine ansässig.“

Die Krise könne zur weiteren Entwicklung kleiner und lokal geprägter Veranstaltungen beitragen. „Nach der unmittelbaren Schockstarre werden wir eine neue Blüte erleben“, sagt Stefan Matuschek und zeigt sich überzeugt.

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