Pauline Hesse schreibt in diesem Jahr ihr Abitur. Unmittelbar nach zwei Wochen Quarantäne stand für sie an diesem Freitag (23.4.) die erste Klausur an. Danach berichtete die Dortmunderin über die Rahmenbedingungen ihrer Abschlussprüfung. © Privat

Von der Quarantäne in die Abi-Klausur: Dortmunderin über ersten Prüfungs-Tag

Maskenpflicht und Sorge vor fälschlich positiven Tests: Schon das zweite Jahr in Folge fallen Bedingungen der Abitur-Prüfungen coronabedingt anders aus als sonst. Abiturientinnen berichten.

Es war eine Punktlandung. Gestern erst hat Pauline Hesse aus Dortmund erfahren, dass sie heute (23.4.) ihre erste Abitur-Prüfung doch noch mitschreiben kann. Denn zuvor war sie zwei Wochen lang in Quarantäne – Corona-positiv.

Zum Glück habe sie an recht harmlosen Symptomen gelitten und somit nur wenig Zeit zum Lernen verloren. Leicht war es aber nicht, sagt sie: „Ich war schlapp und musste mich schon dazu zwingen, mich an den Schreibtisch zu setzen.“ Und auch die Ungewissheit habe sie geplagt. „Das war natürlich ein zusätzlicher Druckfaktor“, sagt die 18-Jährige. „Ich wusste bis gestern nicht, ob ich die Prüfung heute überhaupt schreiben kann. Das macht einen schon fertig.“

„Man sitzt da und hofft einfach, dass niemand positiv ist“

Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die Abitur-Prüfungen coronabedingt unter strikten Hygiene-Maßnahmen stattfinden, anders als in Vor-Corona-Zeiten.

Etwa eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Prüfung – das Fach Englisch im Grund- und Leistungskurs stand heute in NRW auf dem Plan – haben sich die Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs in der Schule eingefunden, berichtet die diesjährige Abiturientin Hesse. „Eine Stunde mehr Zeit, sich verrückt zu machen.“

Die Zeit wurde zum Durchführen von Corona-Selbsttests benötigt. Eine weitere aufregende Situation an diesem ohnehin stressigen Tag, denn „wenn zwei Tests aus dem Kurs positiv sind, müsste der ganze Kurs nach Hause“, sagt die 18-Jährige. „Man sitzt da und hofft einfach, dass niemand positiv ist.“

Während der Prüfung gilt eine strikte Maskenpflicht

Glück gehabt, in ihrem Kurs des Helene-Lange-Gymnasiums habe es an diesem Prüfungstag keine Komplikationen gegeben. Und so konnte es losgehen: Bis 14 Uhr hatte Hesse nun Zeit für ihre Englisch-Leistungskurs-Klausur. „Solche langen Konzentrationsphasen ist man durch das ganze Homeschooling gar nicht mehr gewöhnt“, sagt sie nun nach der Prüfung. An die sonstigen Regeln habe man sich mittlerweile beinahe durchaus gewöhnt, sagt sie. „Wir schreiben seit einem Jahr alle Klausuren mit Maske.“

Ähnlicher Meinung über die strikte Maskenpflicht ist auch die Dortmunder Schülerin Emma Reischl, für die die erste Prüfung erst in der kommenden Woche ansteht. Über Konzentrationsschwierigkeiten mache sie sich keine großen Sorgen. „Ruhig zu sitzen und mit Maske zu schreiben, ist kein Problem“, sagt Reischl.

Sorge vor fälschlich positiven Corona-Tests

Was sie jedoch als problematisch erachtet, ist, dass die Abiturientinnen und Abiturienten im Prüfungsraum dadurch weder essen noch trinken dürfen. „Wir schreiben so viele Stunden lang, da finde ich das echt grenzwertig“, sagt die 18-Jährige. Um zu essen oder zu trinken, müssten die Schülerinnen und Schüler zunächst den Raum verlassen und erst auf dem Flur, wo eine weitere Aufsichtsperson warte, dürften sie dann dafür die Maske absetzen – so seien ihnen die Regeln erklärt worden.

Und auch in Bezug auf die mündliche Prüfung bewertet sie die Maskenpflicht kritisch, denn das Reden sei mit Maske doch unangenehmer als ohne.

Doch beinahe nervöser als durch die Prüfungen an sich ist die Abiturientin durch eine andere Corona-Schutzmaßnahme: „Viele haben sehr viel Angst vor fälschlich positiven Tests“, spricht sich Reischl ähnlich aus wie die Abiturientin Hesse zuvor. „Man ist sowieso schon nervös vor den Klausuren und dann kommt noch der Test dazu.“

Diesjähriger Abschlussjahrgang habe durchaus verschiedene Nachteile

Die vielen Stressfaktoren sind groß. Auch Pauline Hesse, die ihre erste Klausur nun hinter sich hat, blickt weiterhin mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Prüfungen. „Ich bin erleichtert, dass ein Teil weg ist. Aber natürlich bin ich trotzdem noch recht angespannt wegen der nächsten Prüfungen.“

So hat sie neben dem Leistungskurs Englisch außerdem das Fach Sport belegt. Durch ihre Corona-Erkrankung kann sie am praktischen Teil der Prüfung nicht teilnehmen, stattdessen kommt ein weiterer theoretischer Teil auf sie zu. „Es ist super viel auf einmal zu lernen“, so Hesse.

Doch das nehme sie in Kauf. Kritik äußert sie trotzdem. „Prinzipiell hat es die Regierung ziemlich verfehlt, uns zu unterstützen“, sagt sie. Dass im letzten Jahr viele Faktoren vor und während des Abiturs unklar waren, sei verständlich. Doch hätte man für dieses Jahr doch „frühzeitig Regelungen finden können, statt zwei Wochen vor den Prüfungen noch immer zu diskutieren, ob sie nun stattfinden oder nicht. Dieses ganze Heckmeck hätte man sich dieses Jahr sparen können.“

„Es fragt niemand danach, wie wir das eigentlich sehen.“

Außerdem störe sie das Image, das den diesjährigen Abitur-Jahrgang umgebe. „Man will nicht der Jahrgang sein, wo gesagt wird, denen wurde das Abi geschenkt.“ Die Bedingungen des gesamten letzten Jahres seien „wirklich anstrengend“ gewesen. „Ich glaube, dass wir ganz anders lernen mussten. Wir sind oft genauso planlos gewesen mit den ganzen Programmen, wie die Lehrer. Aber es fragt niemand danach, wie wir das eigentlich sehen.“

Über den ersten Prüfungstag zieht Hesse letztendlich ein vorsichtig positives Fazit. Ihre erste Klausur war „ganz okay“ und nun sei abzuwarten, wie es weitergeht. Erst danach werde der Stress nachlassen.

Über die Autorin
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1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte

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