Von bayerisch zu exotisch: Robin (27) führt den Garten seines Opas fort

dzGartenserie „Querbeet“

Ein Generationen-Projekt liegt mittlerweile hauptsächlich in den Händen von Robin Gordon: Die Gartengestaltung ist die Leidenschaft des Studenten – dabei setzt er auf eine besondere Mischung.

Wambel

, 17.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein schmaler gepflasterter Weg teilt den Garten in Dortmund-Wambel entzwei – „ein mediterraner Bereich auf der linken Seite und ein tropisch-asiatischer auf der rechten“, erklärt Robin Gordon.

Der 27-Jährige ist begeisterter Hobby-Gärtner – die Leidenschaft hat er von seinem Opa übernommen.

Von Akzeptanz zu Wertschätzung

Seit dieser verstorben ist, übernimmt Gordon die Gestaltung des Gartens, in dem sich seither schon viel verändert hat. So hatte sein Großvater den Garten zum Beispiel eher bayerisch angelegt. Davon sind nur noch einige Spuren zu finden.

„Mir hat dann keiner mehr gesagt, dass ich das so und so machen muss“ – und so ist die Verwirklichung seiner eigenen Vorstellungen entstanden.

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„Meine Oma war am Anfang sehr skeptisch über meine Änderungspläne“, so Gordon. Er schiebt es auf die Macht der Gewohnheit – schließlich hat sein Großvater bereits vor 60 Jahren begonnen, den Garten zu gestalten.

„Am Anfang hat sie das dann trotzdem wenigstens akzeptiert und mittlerweile ist daraus auch Wertschätzung geworden.“

Die mediterrane Seite des Gartens

Ein jeweils fruchttragender Feigen- und Dattelbaum sind auf der linken Seite des Gartens zu finden, außerdem eine Pinie und ein Olivenbaum.

Dekoriert ist der Bereich mit römischen Amphoren und einem Schild, das besagt „Botanical Garden of Dortmund“ – „das habe ich im Internet selbst so bedrucken lassen“, sagt Gordon.

Der Garten des 27-Jährigen ist unterteilt in eine mediterrane Seite und eine asiatische. Die mediterrane Seite schmücken zum Beispiel römische Amphoren.

Der Garten des 27-Jährigen ist unterteilt in eine mediterrane Seite und eine asiatische. Die mediterrane Seite schmücken zum Beispiel römische Amphoren. © Tabea Prünte

„Auch heimische Pflanzen sind mir wichtig“, erklärt er weiter und weist auf die Goldulme inmitten des Beets hin. „Und Biodiversität natürlich sowieso.“

Für die Insekten gibt es in einer Ecke des Gartens ein Insektenhotel. „Mein Cousin ist handwerklich sehr begabt und hat das selbst gebaut.“

Mehrere Generationen kommen im Hause der Familie zusammen

Den Garten teilt sich die gesamte Familie. Im Erdgeschoss des Hauses wohnt die Großmutter, darüber wohnt Gordon mit seiner Mutter und noch eine Etage höher hat seine Tante ihre Wohnung.

Den Teich hat schon sein Opa angelegt, nun kümmert sich Robin Gordon darum. Die Palme rechts neben ihm, hat er erst vor wenigen Jahren gepflanzt – seitdem ist sie schon etwa doppelt so groß geworden.

Den Teich hat schon sein Opa angelegt, nun kümmert sich Robin Gordon darum. Die Palme rechts neben ihm, hat er erst vor wenigen Jahren gepflanzt – seitdem ist sie schon etwa doppelt so groß geworden. © Tabea Prünte

Die Leidenschaft der Gartenarbeit liegt aber hauptsächlich Robin Gordon zugrunde. Viel Wissen hat er sich selbst über die Jahre angelesen oder früher von seinem Opa gelernt – doch arbeitet der 27-Jährige nach einem anderen Konzept als sein Großvater: „Er mochte es immer sehr akkurat, jedes Blättchen sollte sofort weggemacht werden“, meint er.

„Ich finde eine gute Mischung gut. Es passiert auch mal, dass ich mich ein paar Wochen lang nicht um die Beete kümmere.“ Auch Fußballspielen ist im Garten erlaubt, solange zumindest ein bisschen auf die verschiedenen Palmen aufgepasst wird, die an vielen Stellen die Rasenfläche unterbrechen.

Die Gartenarbeit ist Plan B für seine Karriere

Neben der Gartenarbeit ist Gordon mit seinem Lehramts-Studium beschäftigt. Englisch und Sport studiert er. „Wäre es nicht das geworden, hätte ich wahrscheinlich Gartenarchitektur gemacht“, erzählt er.

„Ich habe schon immer gerne im Garten gearbeitet. Aber mit 19 wusste ich das noch nicht so genau.“ Dies war erst der Zeitpunkt, an dem er seine Leidenschaft entdeckt hat.

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So findet sich das Gärtnern zwar nicht in seinem Studium wieder, trotzdem war es bereits Teil seiner Karriere. Während eines Auslandsaufenthalts für sein Studium hat er vier Wochen in London verbracht und ein Praktikum bei einem Gärtner gemacht.

Gartenarbeit gestaltet sich zeitaufwändig

Mittlerweile verbringt Robin Gordon durchaus mehrere Stunden im Garten. „Meine Freunde sagen deshalb auch manchmal, dass ich doch verrückt bin“, gesteht er, „aber immer mit einem Augenzwinkern.“

Die rechte Seite des Gartens soll eher tropisch-asiatischer Natur sein.

Die rechte Seite des Gartens soll eher tropisch-asiatischer Natur sein. © Tabea Prünte

Wenn der Aufwand im eigenen Garten doch hin und wieder zu groß wird, besonders im Herbst und im Frühjahr, ist er teilweise auf die Hilfe seiner Geschwister, Cousinen und Cousins angewiesen.

Ein wahres Familien-Projekt – und gleichzeitig ein fester Treffpunkt für das regelmäßige Zusammenkommen der Familie. „Fast jeden Sonntag sitzen wir zusammen, wenn alle Zeit haben. Irgendjemand ist auf jeden Fall immer da.“

Gartenarbeit ist ein untypisches Hobby

Gerade unter Studierenden ist ein kleiner Balkon häufig das höchste der Gärtner-Gefühle, weiß auch Gordon: „Unsere Generation hat natürlich selten einen eigenen Garten. Viel kann man aber auch in der eigenen Wohnung machen“, meint er.

„Urban Jungle“ lautet der Trend, zu dem es auch in den sozialen Netzwerken viel Austausch gibt.

Nicht nur im Garten, sondern auch in der Wohnung zeigt sich sein Hobby: Einen "Urban Jungle" möchte Robin Gordon erschaffen.

Nicht nur im Garten, sondern auch in der Wohnung zeigt sich sein Hobby: Einen "Urban Jungle" möchte Robin Gordon erschaffen. © Tabea Prünte

Der Trend spiegelt sich dementsprechend auch in der Wohnung, in der der 27-Jährigen mit seiner Mutter wohnt, wider.

Die Fensterbank des Wohnzimmers steht voller Ableger von größeren Pflanzen aus dem Garten und Anzuchten aus Obstkernen. Ein Mangobaum und mehrere Orangenbäume sollen daraus entstehen. Auch eine Ananas hat er eingepflanzt.

„Dann muss ich erstmal kleine Brötchen backen“

Derzeit steckt der 27-Jährige in den Endzügen seines Studiums, ob danach ein Umzug bevorsteht, weiß er noch nicht genau. „Der Garten hält mich aber auf jeden Fall in Dortmund.“ Außerdem ist er BVB-Fan - „ich fühle mich einfach wohl hier.“

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Gordon ist bewusst, dass ein Umzug bedeuten könnte, in eine kleinere Wohnung ohne Garten zu ziehen. „Dann werde ich erstmal kleine Brötchen backen müssen“, meint er deshalb. Aber: „Auch auf einem Balkon kann man ja ganz viel machen.“

Das Gärtnern wird also fester Bestandteil seines Lebens bleiben, dessen ist sich der Student sicher. „Das macht mir einfach Spaß und dafür mache ich das auch.“

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