Vom Gehilfen zum Imker mit 30 Bienenvölkern: Darum ist Erhan Sevis‘ Imkerei gewachsen

dzBienen

Erhan Sevis hat 2011 zwei Bienenvölker in seinem Garten in Wischlingen untergebracht. Inzwischen hat er 15 Mal so viele – dabei wollte er eigentlich kein einziges.

Wischlingen

, 06.09.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte Erhan Sevis (52) nur seiner Nachbarin behilflich sein. „Die Dame ist inzwischen schon 91 Jahre alt – und imkert immer noch“, erzählt er. Doch inzwischen imkert vor allem einer in der Nachbarschaft: er selbst. Mit zwei Bienenvölkern im eigenen Garten in Wischlingen hat alles angefangen.

2012 fragte dann der Gartenverein Lütgendortmund bei ihm an. Seitdem stehen auch dort zwei Bienenvölker. Inzwischen sind es fast acht mal so viele, die in Wischlingen, Westrich, Hombruch und Bochum-Harpen untergebracht sind – oft in Gartenvereinen. „30 Völker sind die magische Grenze für den non-profit-Bereich“, sagt Erhan Sevis. „Ich habe genau 30 Völker.“

30 Bienenvölker produzieren bis zu 600 Kilogramm Honig

500 bis 600 Kilogramm Honig produzieren seine Völker im Jahr. Ein eigener Laden lohne sich dafür nicht. Stattdessen verkauft Sevis seinen Honig beispielsweise über das Reformhaus Zimmermann in Lütgendortmund und den Shop des Dortmunder Zoos. Das Geld, das er mit dem Verkauf verdient, fließt zu 100 Prozent wieder in die Imkerei – vor allem in technische Geräte.

Vom Gehilfen zum Imker mit 30 Bienenvölkern: Darum ist Erhan Sevis‘ Imkerei gewachsen

Die Waben, die noch nicht verarbeitet wurden, lagert Sevis ebenfalls im Keller. © Carolin West

Denn Sevis ist studierter Ingenieur: Die maschinelle Gewinnung des Honigs und die Wissenschaft hinter der Honigproduktion faszinieren ihn. „Die Automatisierung ist toll“, sagt Erhan Sevis. „Es fühlt sich an, als würde man wie die Großen werkeln.“ Außerdem möchte er möglichst effektiv arbeiten – und das gehe mit elektronischen Helferlein wie einer Entdeckelungsmaschine, einer selbstwendenden Schleuder, einer Rühr- und einer Abfüllmaschine viel leichter. Auch seine Bienenstöcke werden teils elektronisch kontrolliert.

Vom kleinen Hobby zur großen Leidenschaft

„Die Imkerei ist immer noch ein Hobby für mich“, sagt Erhan Sevis. Doch seine Leidenschaft für die kleinen Summer sei mit der Anzahl seiner Bienenvölker gewachsen. „Ich bin viel in der Natur unterwegs und habe dadurch viel gelernt.“ Zudem habe er festgestellt, dass die Honig-Käufer froh seien, wenn sie wissen, woher das Produkt kommt.

Vom Gehilfen zum Imker mit 30 Bienenvölkern: Darum ist Erhan Sevis‘ Imkerei gewachsen

Der fertige Honig wird automatisch abgefüllt. © Carolin West

Die Regionalität sei bei den Dortmunder Imkern ein großer Pluspunkt. Schließlich kommt auch der Nektar aus dem Umkreis, denn die Bienen fliegen nur drei bis vier Kilometer weit. Und Erhan Sevis bietet seinen Kunden einen weiteren Service. „Sie können mich immer direkt ansprechen, wenn sie Fragen oder Anmerkungen haben“, sagt Sevis.

Deshalb schadet die Globalisierung den Bienen

Eine Frage beantwortet er sofort: Wie überwintern die Bienen eigentlich – und welche Pflege brauchen sie? Im Winter sind von den 40.000 bis 50.000 Sommerbienen nur circa 12.000 übrig – aus Alters- und Krankheitsgründen. Krank macht die Biene vor allem die Globalisierung. Denn die hat Parasiten wie die südostasiatische Varroamilbe nach Deutschland gebracht.

Die blutsaugenden Parasiten schädigen Brut und Bienen, übertragen Bakterien und Krankheiten. „Wenn der Befall zu stark ist, fliehen auch schon einmal ganze Völker.“ Auch Erhan Sevis ist das schon passiert. Im Winter werden die Bienenstöcke deshalb behandelt, um einigermaßen Parasiten-frei zu sein.

So kommen die Bienen über den Winter

Ameisen- und Oxalsäure sollen die Varroamilbe über den Winter vertreiben. In geringen Mengen seien die unschädlich – und bis zum ersten Honigertrag im April längst abgebaut, erklärt Erhan Sevis. Dass er inzwischen so viel Wissen über Bienen angehäuft hat, überrascht Sevis selbst. „Eigentlich wollte ich keinen einzigen Bienenstock – ich bin da hereingewachsen.“ Er lacht.

Doch inzwischen sei die Euphorie groß – auch, weil die Honigbiene wichtig für den Lauf der Natur sei. Deshalb ist Erhan Sevis schon jetzt gespannt, was seine Summer im nächsten Jahr hervorbringen. „Dieses Jahr war es vor allem Lindenblüten-Honig.“

Lesen Sie jetzt