Viele Weihnachtsbäume stapeln sich jetzt schon an Dortmunds Straßen – EDG sauer

dzAbholaktion verschoben

Wegen der Mega-Evakuierung im Klinikviertel wurde der Abholtermin für Weihnachtsbäume verschoben – viele Dortmunder stellen ihre Tannen trotzdem schon raus. Das ärgert die EDG.

Dortmund

, 09.01.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es begann schon am ersten Tag nach Weihnachten: „Am 27. Dezember lagen die ersten Weihnachtsbäume an der Kreuzung“, erzählt Inge Kehlau. Die 63-Jährige arbeitet im Schreibwarenladen Kemper im Kreuzviertel an der Ecke Neuer Graben / Arneckestraße.

Damit hat sie sozusagen einen Logenplatz für das Schauspiel, das sich jedes Jahr aufs Neue rund um den Jahreswechsel abspielt. Dann breiten sich an zahlreichen Kreuzungen der Innenstadt Kurzzeit-Nadelwälder aus. „Wir hatten die Bäume auch schon einmal bis zur Ladentür liegen“, erinnert sich Kehlau.

Mit dem Dreikönigstag, dem 6. Januar, endet offiziell die Weihnachtszeit. Spätestens dann wollen viele ihre Weihnachtsbäume loswerden. Traditionell bietet die EDG zusammen mit zahlreichen Ehrenamtlern am ersten Samstag danach eine große, kostenlose Weihnachtsbaum-Einsammelaktion an: Letztes Jahr sammelten sie dabei rund 82.000 Weihnachtsbäume ein – 10.000 mehr als noch 2018. Doch dieses Jahr gibt es eine Abweichung von der alten Sitte.

Eine der größten Evakuierungen der Nachkriegsgeschichte

Am Sonntag (12. Januar) steht im Klinikviertel eine der größten Evakuierungen der Dortmunder Nachkriegsgeschichte an. Bis zu 14.000 Anwohner müssen ihre Wohnungen verlassen, zwei Krankenhäuser und mehrere Altenheime geräumt werden, weil gleich an mehreren Stellen mögliche Weltkriegsbomben freigelegt und entschärft werden sollen. Eine riesige Kraftanstrengung für die Stadt.

Deswegen hat die EDG – um die Vorbereitungen der Evakuierung nicht zu stören und weil ihre Ehrenamtler für Wichtigeres gebraucht werden – die Abholaktion für die ausgedienten Weihnachtsbäume um eine Woche auf den 18. Januar verschoben. In einer öffentlichen Mitteilung bat das Entsorgungsunternehmen ausdrücklich darum, die Bäume nicht schon früher an die Straße zu legen.

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Das Problem ist nur: Viele Dortmunder tun es trotzdem, selbst in der Evakuierungszone, wo die Einsatzkräfte am kommenden Wochenende freie Straßen brauchen. Bei einer Tour durch das Klinikviertel und die angrenzenden Teile des Kreuz- und Unionviertels begegnen einem an vielen Kreuzungen die Weihnachtsbaum-Wälder.

Das ärgert Matthias Kienitz. „Die Leute können nicht einfach ihren Müll im öffentlichen Raum entsorgen“, sagt der EDG-Sprecher. Denn nichts anderes sei das achtlose Ablegen der nun lästig gewordenen Weihnachtstanne ohne Rücksichtnahme auf den verschobenen Termin. Manche würden den kostenlosen Termin gar dafür nutzen, Gartenabfälle oder ähnliches vor die Tür zu stellen.

Saftige Geldbußen für illegale Müllkippen

Strafen müssen sie deswegen nicht fürchten. Das verfrühte Ablegen der Weihnachtsbäume werde nicht als illegale Abfallbeseitigung geahndet, schreibt das Umweltamt auf Nachfrage unserer Redaktion, gerade wegen der angekündigten Abholaktion. Dass sich viele Bürger nicht an den Termin hielten, sei „sehr bedauerlich und durchaus ärgerlich“.

EDG-Sprecher Kienitz hofft nun darauf, dass die meisten Dortmunder doch bis Mitte oder Ende kommender Woche damit warten, ihre Bäume herauszustellen. Falls der Baum anfange zu nadeln, könne man ihn ja auf dem Balkon oder in der Garage zwischenlagern.

Inge Kehlau, die Schreibwaren-Verkäuferin aus dem Kreuzviertel, wünscht sich, dass sich in den nächsten Tagen nicht noch mehr Tannen vor ihrem Arbeitsplatz auftürmen. Sie selbst hat übrigens keinen eigenen Baum: „Die werden doch für nix und wieder nix gefällt.“

Zur Sache

Recyclinghöfe als Alternative

  • Wer seinen Baum früher oder später als am Abholtermin loswerden möchte, kann ihn bis Ende Januar kostenlos an einem der sechs Dortmunder Recyclinghöfe oder an den EDG-Betriebshöfen an der Dechenstraße 23 und Alte Straße 77 abgeben. Nähere Infos gibt es beim Kundenservice der EDG unter Tel. (0231) 9111.111.
  • Die gesammelten Weihnachtsbäume werden in einem Kompostwerk entsorgt und so zu Humus verarbeitet.
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