Zugewachsene Gräber, Spekulation um die Zukunft: So geht’s mit dem Friedhof Hörde weiter

dzFriedhof Hörde

Der neue Teil des evangelischen Friedhofs in Hörde sorgt für Diskussionen. Bei Facebook beschweren sich User über den Zustand der Fläche. Die Gemeinde wundert sich über die Aussagen.

von Michael Nickel, Kimberly Becker

Hörde

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Das heruntergekommene Häuschen des ehemaligen Friedhofsgärtners begrüßt die Besucher des neuen Teils auf dem evangelischen Friedhof in Hörde. Weiß-rotes Flatterband ist um das Gebäude gezogen, davor steht ein Schild mit der Aufschrift „Betreten der Baustelle verboten“. Besucherin Vera Tellermann findet den Zustand des Friedhofs „verwahrlost“.

Ihren Unmut hat sie in einer Hörde-Gruppe bei Facebook kundgetan. User stimmten Vera Tellermann zu und zeigten sich verwundert über ihre Information, wonach dieser Teil des Friedhofs 2040 geschlossen werden solle. Der Friedhof besteht aus einem alten und einem neuen Bereich - letzterer ist seit einigen Jahren entwidmet und soll geschlossen werden.

Zugewachsene Gräber, Spekulation um die Zukunft: So geht’s mit dem Friedhof Hörde weiter

Besucherin Vera Tellermann ist mit den Zuständen auf dem Friedhof nicht zufrieden. © Kimberly Becker

„Da hat ja tatsächlich jemand mal den Rasen gemäht“, sagt Tellermann beim Betreten des Friedhofs am 16. Juli. Seit Wochen habe sich niemand um das hohe Gras gekümmert. Andere Gräber sind zugewuchert.

„Hier liegt meine Mutter. Damit es hier wieder gut aussieht, müsste ich ja die Gräber der anderen gleich mitmachen und das sehe ich nicht ein“, sagt die Rentnerin und zeigt auf die benachbarten Gräber, die mit Unkraut überwuchert sind.

Zugewachsene Gräber, Spekulation um die Zukunft: So geht’s mit dem Friedhof Hörde weiter

Halbleere Tüten mit Blumenerde und Abfälle liegen hinter den Gräbern. © Kimberly Becker

Die Frage nach der Verantwortung für diese Zustände stehe laut Tellermann in der Satzung des Friedhofes: Die Nutzer seien zur Pflege der Grabstätte verpflichtet und müssen sie instand halten, sodass die „Würde des Friedhofs bewahrt bleibt“. Doch auch auf bereits leer geräumten Flächen, die niemanden mehr außer der Gemeinde selbst gehörten, wüchsen Bäume, es liegen Abfälle herum und Pflanzen wachsen höher als 1,50 Meter. All das spreche gegen die eigene Satzung.

Ist ein erhöhter Aufwand noch notwendig?

„Letztens haben hier noch Schilder ausgehangen, dass 2040 der Friedhof geschlossen werden soll. Die wurden aber scheinbar schon wieder abgehängt“, sagt Vera Tellermann, die eine Schließung nicht nachvollziehen kann. Vereinzelt stehen noch Gräber auf den Flächen des Friedhofs, der sonst leer gefegt ist.

Sie stellt sich die Frage, ob nichts mehr getan wird, weil der Friedhof ohnehin geschlossen werden soll. Doch auch bis dahin müsse sich um den Friedhof gekümmert werden, meint sie.

Zugewachsene Gräber, Spekulation um die Zukunft: So geht’s mit dem Friedhof Hörde weiter

Wenn die Gärtner da waren und die Sonne scheint, kann es hier auch ganz schön sein. © Michael Nickel

Christine Keil-Paust kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Sie ist stellvertretende Vorsitzende im Fachausschuss Friedhof der evangelischen Gemeinde und hat die Debatte bei Facebook verfolgt. „Ich weiß nicht, warum die Diskussion auf einmal aufkam“, sagt sie. „Darüber, dass der Friedhof entwidmet wurde, sind alle informiert worden, die sich noch um Gräber kümmern.“

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Die Gemeinde kümmere sich um die Pflege jener Gräber, für die sie beauftragt ist. Bei allen anderen Flächen sorgten Gärtner für die Verkehrssicherheit und den Rückschnitt von Bäumen, Wiesen und Gestrüpp. „Dass der neue Teil entwidmet ist, heißt nicht, dass wir nicht zuständig sind“, sagt Keil-Paust.

Die großen Freiflächen haben einen guten Grund

Sie könne verstehen, dass die großen Freiflächen „schwierig“ für die Angehörigen seien. Die kämen nunmal von eingeebneten Gräbern. Und weil hier keine Bestattungen mehr stattfinden, wird Rasen auf den Flächen gesät.

Zugewachsene Gräber, Spekulation um die Zukunft: So geht’s mit dem Friedhof Hörde weiter

Der neue Teil des evangelischen Friedhofs Hörde soll verwahrlost sein. © Michael Nickel

Dass es in den vergangenen Wochen Probleme mit der Grünpflege und mit der Müllbeseitigung gegeben habe, bestätigt Keil-Paust. Am 23. Juli jedenfalls war ein Gärtnerteam auf dem Friedhof unterwegs. Nach Verwahrlosung sah es nicht aus.

Eine Bestätigung, dass der Friedhof langfristig geschlossen wird, gibt es auch. Ob das 2040 sein wird, ist aber noch nicht klar. „Nach Ablauf der letzten Nutzungsrechte darf das Gelände noch mindestens 10 weitere Jahre nicht anderweitig benutzt werden.“ Was aus dem neuen Friedhofsteil werden soll? „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, sagt Keil-Paust.

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