Im Oktober 1993 wurde die Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla ermordet. So berichteten die Ruhr Nachrichten damals über den Fall. © Archiv
Rückblick auf Mammut-Prozess

Verurteilung nach über 27 Jahren: Eine Chronik des Mordfalls Schalla

Kein Verbrechen hat Dortmund so aufgewühlt wie der Mord an Nicole-Denise Schalla - jetzt wurde der Angeklagte Ralf H. zu lebenslanger Haft verurteilt. Dazwischen lagen 27 Jahre. Eine Chronik.

Nicole-Denise Schalla wird im Jungferntal auf dem Heimweg von einer Bushaltestelle überfallen und erwürgt. Ihre teilweise entblößte Leiche wird am Tag darauf vom Reinigungspersonal der Grundschule gefunden. Weil es die ganze Nacht über geregnet hatte, beschreibt die Polizei den gesamten Tatort als „extrem spurenarm“.

14. Oktober 1993:

Juni 2018:

Fast 25 Jahre nach der Tat meldet der Computer endlich einen DNA-Treffer. Eine Hautschuppe, die in der unbekleideten Leistenregion von Nicole-Denise Schalla gesichert wurde, stammt mit überwältigender Wahrscheinlichkeit von Ralf H., so das Ergebnis neuer Analysetechnik.

Der Ermittlungsführer bei der Polizei, Uwe Block, schildert die Festnahme des Verdächtigen so: „Er hat mich wortlos mit starrem Blick angeschaut und danach bestritten, den Mord begangen zu haben.“

Dezember 2018:

Vor dem Dortmunder Schwurgericht beginnt der Prozess gegen Ralf H. Er bestreitet erneut, sagt, er sei unschuldig. Die Kammer hat lediglich vier Verhandlungstage terminiert.

Januar 2019:

Ralf H. legt sich erstmals lautstark mit den Richtern an. Er fordert seine Freilassung, die Kammer hat aber weiterhin einen „dringenden Tatverdacht“.

April 2019:

Mit zahlreichen Beweis- und Befangenheitsanträgen zieht der Angeklagte das Verfahren in die Länge. Unter anderem behauptet er, nach zwei Hand-Operationen in den 1980er-Jahren gar nicht in der Lage zu sein, einen Menschen zu würgen. Ein Gutachter bestätigt dies nach eingehender Untersuchung allerdings nicht.

Dezember 2019:

Das Schwurgericht gibt die nachträgliche Untersuchung von 18 Haaren in Auftrag, die noch bei der Polizei eingelagert sind und vom Tatort stammen. Kurz darauf erkrankt eine Richterin.

März 2020:

Der Prozess platzt, weil auch die letzte Frist zur Fortsetzung nicht eingehalten werden kann. Die Richterin ist weiter krank.

Juli 2020:

Das Oberlandesgericht Hamm entlässt Ralf H. aus der Untersuchungshaft. Begründung: Das Landgericht hätte spätestens im April mit dem zweiten Prozess starten müssen. Allerdings musste in der Zwischenzeit der Vorsitzende des Schwurgerichts ausgetauscht werden.

Und auch Ralf H. hat mal wieder seinen Verteidiger gewechselt. Weil diese die Akten zu spät erhalten, verzögert sich der Neubeginn weiter.


August 2020:

Der zweite Prozess gegen Ralf H. beginnt.

Januar 2021:

Nach mehreren coronabedingten Unterbrechungen können endlich die Plädoyers gehalten werden. Staatsanwalt Felix Giesenregen beantragt lebenslange Haft wegen Mordes, Verteidiger Udo Vetter fordert einen Freispruch.

25. Januar 2021:

Ralf H. wird wegen Mordes an Nicole-Denise Schalla zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Verteidiger kündigt an, in Revision zu gehen.

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